Jurawelt

"Die Schuldrechtsreform" - Hemmer-Skript
Martin Bahr

Einführung für Studenten und Referendare

Eine Rezension zu:

Hemmer

Die Schuldrechtsreform


1. Auflage, Januar 2002, ca. 15 €


Im Vorwort ziehen die Hemmer-Leute erst einmal in Ihrer gewohnt arroganten Art über die Konkurrenz von A&S her, vgl. dazu auch die geradezu peinlichen Äußerungen in Life&LAw 8/2001, S. 594ff.

Um es von vornherein zu sagen: Das Skript ist weniger für Praktiker, denn für den Studenten und Referendar. Denn die Autoren legen viel Wert auf die rechtsdogmatische und systematische Eingliederungen der Neuerungen.

Was sehr gut gelungen ist und ein klarer Vorteil ggü. dem A&S-Skript ist, das Werk widmet sich ausführlich den Folgen und Konsequenzen der Reform: Was passiert mit der bisherigen Rechtsprechung XY? Ist diese absolet? Gilt weiterhin die Ansicht ABC? In dieser Hinsicht bietet das Skript in zuverlässiger Weise extrem gute Hinweise, die Hintergründe zu verstehen.

Was aber m.E. ein wenig schief hängt, ist die Gewichtung des Stoffes. So nimmt z.B. die Gewährleistung im Werkvertragsrecht nur 7 Seiten ein, während die Verjährung auf 44 Seiten erörtert wird. Zwar mag die Reform auch einen erheblichen Teil des Verjährungsrecht novellieren, fraglich ist aber, ob es einer Erörterung in dieser epischen Breite bedurft hätte. Dies wäre eher in einem Buch für Praktiker angemessen gewesen.

Als absoluten Witz kann man die Äußerungen zum AGBG einstufen. Auf etwa 2 Seiten wird hier bloße Augenwischerei betrieben. Es wird sich in keiner Weise mit den Auswirkungen z.B. des Verbrauchsgüterkaufs auf das AGB auseinandergesetzt. Peinlich!

Auch die Darstellungen zum HWiG, FernAbsG, VerbrKrG und der Umsetzung der E-Commerce-RiL sind lächerlich kurz. An dieser Stelle wurde klar mit der bekannten "heißen Nadel" gestrickt. Dem Leser ist hier zu empfehlen, das Skript zuzuschlagen und lieber selber (was ohnehin notwendig ist) den Gesetzestext zu lesen, so erschließen sich die Zusammenhänge weitaus mehr.

Das Werk schließt mit einer Synpose ALT-NEU, die grafisch aber wenig ansprechend ist und zudem über 12 Seiten geht, was klar auf Kosten der Übersichtlichkeit geht.

Gesamtergebnis:
Das Skript ist empfehlenswert für Studenten und Referendare. Praktiker sollten sich dieses Werk nicht kaufen, da es in vielen Bereichen auf der einen Seite zu tiefgehend ist, auf der anderen Seite viele, vor allem praxisorientierte Bereiche, z.B. das AGBG, nur ungenügend erörtert werden.
Trotz aller Kritik: Hemmer überzeugt hier vor allem in rechtsdogmatischer Hinsicht und erläutert ansprechend die Hintergründe und etwaige Konsequenzen auf bisherigen Meinungen und Rechtsprechungsansichten.

Kontakt: Martin Bahr, www.schuldrechtsreformskript.de
Bochum
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