Name der Uni
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Juristische Fakultät
Ein Foto findet sich auf der HP - neue Universität im siebziger Jahre Stil, begrünter Beton in Parkidylle; das Gebäude der juristischen Fakultät ist allerdings erst drei
Jahre alt.
Homepage
www.jura.uni-duesseldorf.de
Die Seiten sind recht gut gemacht, könnten aber mehr inhaltliche Substanz bei den Studienangeboten haben. Das Studieren der (allerdings ausgezeichneten) Lernmodule ist mit
hohen Telefongebühren verbunden. Inzwischen sind die Lernmodule aber teilweise zum Download bereit. Enthalten ist ein - noch im Ausbau befindliches - Suchsystem für
juristische Internetresourcen namens CALL, dessen Nutzung kostenlos ist. CALL enthält LINKS auf zahlreiche juristische Internetangebote mit substanziellem Inhalt.
Größe / Studenten
Düsseldorf ist eine eher kleine Fakultät mit elf Lehrstühlen und drei Professuren. Hinzu kommen die Kooperations-Professoren aus Hagen, Prof. Dr. Preis, Prof. Dr.
Dauner-Lieb sowie Prof. Dr. Gräfin von Schlieffen. Prof. Dr. Dörner, u.a. ein IPR-Experte ist gerade zurück nach Münster gegangen; für ihn wurde aus Heidelberg Prof. Dr.
Dirk Looschelders geholt. Frau Prof. Kokott, eine bewundernswerte Expertin im Völkerrecht, ist nach St. Gallen gewechselt, derzeit als Vertretung: PD Dr. Andreas Zimmermann;
Nachfolger des Lehrstuhls Prof. Oebbecke (ÖR) ist Prof. Dr. Dietlein, Köln, ein exzellenter ehem. Mitarbeiter von Prof. Stern, Sohn des früheren OVG-und NRWVerfGH
-Präsidenten; für Prof. Dr. Thomas Hoeren (heute Münster) ist als Nachfolgerin : Prof. Dr. Petra Pohlmann gefunden worden. Neu hinzugekommen ist das Institut für
Rechtsfragen der Medizin (kein eigener Lehrstuhl). Im Jahre 2000 wurde zudem der 10. Lehrstuhl besetzt. Es handelt sich um eine Stiftungsprofessur zum gewerbl.
Rechtsschutz.
Die Studentenzahl der Fakultät liegt schätzungsweise bei ca. 1.500. Es wird wohl nicht mehr sehr lange dauern, bis die Fakultät vollständig von "Kölnern" okkupiert und zu
einem Ableger der Kölner Juristenfakultät geworden ist (etwas überspitzte Formulierung).
Renommierte und bekannte Professoren
Prof. Dr.
Dörner - Bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht, IPR, Privatversicherungsrecht, ist gerade nach Münster zurück entschwunden.
Prof. Dr.
Noack - Bürgerliches Recht, Handels-, Gesellschafts und Konzernrecht, sehr innovativ, netzinteressiert, arbeitet mit neuen Medien, kommt aus Tübingen, gilt
als sehr aufgeschlossen gegenüber studentischen Ideen und ist ein Pionier multimedialer Vermittlung von juristischen Unterrichtsinhalten. Hat auch eine CD-ROM und
Internet-Isle-Modul zum mobilaren Sachenrecht herausgebracht.
Prof. Dr.
Olzen - Bürgerliches Recht und Deutsche Rechtsgeschichte, ein profunder Kenner des deutschen Sachenrechts und hervorragender Rechtshistoriker, kommt aus
Hamburg, Mitautor von Olzen-Wank, Zivilrechtliche Klausurenlehre mit Fallrepititorium, 2. A., Köln (Heymanns), 1997. Hervorragende Vorlesung, bringt einem den Stoff
unheimlich nahe.
Prof. Dr.
Frister - ein Experte insbesondere im Strafprozeßrecht, hat ein interessantes Modul zur StPO ins Netz gesetzt, dessen Lektüre lohnt. Außerdem sehr gut
gegliederte, systematische Vorlesung im Strafrecht. Obwohl er ein großer Anhänger von Mindermeinungen ist, erklärt er die h.M. und Rspr. meistens sehr detailiert und gut
verständlich.
Prof. Dr.
Schlehofer - Autor von "Vorsatz und Tatabweichung", 1996, durch zahlreiche interessante Beiträge hervorgetreten.
Prof. Dr.
Dietlein - bringt unheimliche interessante, frei erzählte Vorträge. Erschließt die Sytematik des Stoffes nicht immer so genau, arbeitet dafür sehr nahe an
Fallbeispielen und wiederholt kurz aber präzise den wichtigen Stoff der vergangenen Semester inzident.
Insgesamt ist die Struktur allerdings noch etwas defizitär, da das Angebot sicher noch um einige Lehrstühle zu ergänzen wäre. Römisches Recht beispielsweise wird nicht
gelehrt; das ehemals nicht angebotene Recht der neuen Medien wird nunmehr dagegen von Prof. Dr. Noack im Sommersemester gelesen.
Institute:
- Institut für Parteienrecht
- Institut für Rechtsfragen der Medizin
- Zentrum für Informationsrecht (LL.M.-Weiterbildungsstudiengang möglich)
- Zentrum für gewerblichen Rechtschutz
Studienaufbau
Am Ende eines Semesters werden Semesterabschlußklausuren geschrieben. Als Zulassung zur großen Übung werden im Strafrecht (im 3.Semester) 2 SAK-Scheine benötigt; im BGB
(4.Semester) 6; im ÖRecht (5.Semester) 5. Gegebenenfalls können die Scheine auch noch ein Jahr nach der Übung nachgereicht werden. Kleine Scheine in dem Sinn gibt es
nicht.
Wahlfachgruppen im 5. und 6. Semester, wobei Steuerrecht nicht angeboten wird (möglicherweise gibt es hier eine Kooperation mit Bochum). Scheinfrei ist man also nach 5. oder
6. Semestern.
Besonderheiten
- Unirep wird regelmäßig durchgeführt.
- Enge Kooperation aufgrund Partnerschaftsvertrages mit der Radzymer Law School, Herzliya, Israel (regelmäßiger Austausch) - Ebenfalls enge Kooperation mit der Faculty
of Law, University of Hull, Great Britain. Im Rahmen des Austausches fand eine von Prof. Dr. R. Barnes, Hull, abgehaltene Vorlesungsreihe, "Introduction to English Law"
statt, die auf überwältigende Resonanz stieß (es sollen auch einige "Kölner" gesichtet worden sein).
- Seit geraumer Zeit bestehen auch Kontakte der Universität Düsseldorf mit der Universität Haifa, Israel
- Fremdsprachenausbildung an benachbarten Fakultäten ganz exzellent möglich. Es werden zahlreiche Sprachkurse (z.T. unter Nutzung von Sprachlaboren) angeboten.
Einzelheiten sind dem Vorlesungsverzeichnis zu entnehmen.
- Durchfallquote wie üblich: 25 - 35% (Das JPA beim OLG Düsseldorf ist für hohe Anforderungen bekannt).
- Zusatzausbildung in WiWi durch Zweitstudium an der WiWi-Fakultät ist möglich. Weiterhin werden Kurse im Anwaltsrecht und der interessante Kurs "BWL für Juristen"
angeboten, die insbesondere für Kanzleigründer interessant ist. Überhaupt wird an der juristischen Fakultät der Kontakt zur Düsseldorfer Anwaltschaft groß geschrieben. Es
finden regelmäßig Veranstaltungen "Students
meet Lawyers" statt, die auf großen Anklang stoßen.
Repetitorien
Am Platze ist wohl Kern & Friedel. Wer bei Alpmann bucht, muss m.W. nach Köln fahren. Zusätzlich scheint es eine Reihe von "privaten" Repetitoren zu geben, die ihre
guten Dienste gegen angemessenes Entgelt zur Verfügung stellen.
Praktika
AG Dssd., LG Dssd., OLG Dssd. VG, FG, ArbG, SG, LAG - fast alle großen internationalen Sozietäten sind am Platze. Die Fakultät arbeitet inzwischen mit mehreren zusammen,
insbesondere wohl mit Hengeler, Müller, Weizel, Wirtz und Hölters & Elsing sowie einigen anderen.
Bibliotheken und Ausrüstung
Könnte besser sein: Die Fachbibliothek Rechtswissenschaften an der Christophstr. verfügt über die übliche Standardausstattung; die Institute bemühen sich im Rahmen ihrer
knappen Mittel; für bestimmte Bereiche dürfte es notwendig sein, Institute in Köln aufzusuchen. Inzwischen sind etliche PC/WWW - Arbeitsplätze vorhanden.
UB Düsseldorf - juristische Abteilung: Optimales Arbeitsklima, schöne, ansprechende Ausstattung, aber bestandsmäßig defizitär, zumal alle Großkommentare in aktueller Auflage
nur einmal vorhanden sind; doch die wesentlichen Zeitschriften sind vorhanden. Insofern kann es schon vorkommen, daß die Jagd nach dem begehrten Kommentar längere Zeit in
Anspruch nimmt.
Fachschaft
www.jura.uni-duesseldorf.de/fakultaet/fachschaft/
Die Fachschaft ist unter folgender Adresse erreichbar: Juristische Fakultät. Fachschaftsrat.Unversitätsstr.1. Gebäude Gb.24.91. Raum U1.64, 40225 Düsseldorf, Tel:
0211-8111411; Fax: 0211-8111459; E-Mail:
fsrjura@uni-düsseldorf.de.
Es besteht die Möglichkeit, Examensprotokolle mündlicher Prüfungen am OLG Düsseldorf gegen Hinterlegung eines Pfandes auszuleihen, bei gleichzeitiger Verpflichtung, selbst
ein Protokoll zu erstellen.
Weitere Serviceangebote sind unmittelbar bei der Fachschaft zu erfragen.
ELSA
http://www.elsa-duesseldorf.de
ERASMUS-Möglichkeiten
Informationen unter
http://www.elsa-duesseldorf.de/erasmus
Internetzugang für Studenten
CIP - POOL ist eingerichtet. Es gibt auch eine eigene Newsgroup, auf der allerdings nicht viel Bewegung zu verzeichnen ist. Das Rechenzentrum verfügt m.W. über eine
ausreichende, aber nicht genügende Anzahl von Rechnern. Internet und E-Mail-Adresse sind für eingeschriebene Studenten kostenlos (inzwischen deutscher Universitätsstandard).
Es finden Lehrveranstaltung (insbesondere von Noack und Frister) unter Einbeziehung von Internet und E-Mail statt.
Mensa / Cafe
Es gibt sowohl Mensa (Wahl- und Stammessen), Cafeterias sind mehrere vorhanden - üblicher Standard; Besonderheit: Uni-Kneipe, bis zur Sperrstunde geöffnet, passables Essen
zu passablen Preisen, Alt-Bier vom Fass (ich glaube Schlösser-Alt). Lokalitäten in näherer Umgebung: "Zum Stoffeler Kapellchen" - Hotel Pons, leider nach Totalumbau und
Neueröffnung noch nicht wieder besichtigt; Biergarten Stoffeln, bürgerliche Küche und gepflegte Getränke, allerdings zu Fuß schon etwas weiter entfernt. Unmittelbar an der
Med - Fak. gelegen: "Weise" - passable Küche zu passablen Preisen, netter Service. Weitere Besonderheit: Die Uni Düsseldorf ist eine Stadt für sich, zwar citynah gelegen,
aber sehr abseitig (Wersten/Himmelgeist).
Die medizinische Fakultät (direkt neben der juristischen) schaut witzigerweise wie in Köln (Melaten) direkt auf einen großen Friedhof (Stoffeln). Eine eigene
Studentenkultur, bzw. * Szene gibt es in Düsseldorf nicht. Soweit vorhanden, geht sie in der Altstadtszenerie auf (mit Bahn - und Bus 15 Min.). In der Mensa finden
gelegentlich Konzerte und Tekkno-Events, sowie Feten statt. In der Düsseldorfer Altstadt dürfte für jeden Geschmack die richtige Umgebung zu finden sein.
Wohnheime / Wohnungsmarkt
Mehrere Wohnheime vorhanden, bei ständiger Überbelegung, mit entsprechenden Wartelisten. Wer nicht warten kann, muss auf den freien Markt ausweichen. Düsseldorf ist von den
Mieten her sehr teuer, Preise von 6 - 13 Euro pro qm sind keine Seltenheit, Sozialwohnungen (für die bei Studenten ja Anspruchsberechtigung nach dem WoBindG besteht, pro
Person bis max. 45 qm) sind sehr rar. Die Wohnsituation ist schwierig. Viele weichen auf außerhalb aus. Ansonsten ist Düsseldorf ähnlich wie Köln eine "Fahruni", wenn auch
nicht im gleichen Maße. Dafür ist die Uni schön gelegen, umgeben von mehreren Parks, auch mit tropischem Flair (botanischer Garten).
Verkehrsanbindung
Mittelprächtig:
Keine Anbindung an U- Bahnnetz (zu abgelegen), U-Bahn fährt aber bald bis Werstener Kreuz, unmittelbar nähe Uni (eine Station mit der Tram). Von der Haupthaltestelle (Tram)
an der Christophstr. bis zu den Hörsälen etwa zehn Minuten Fußweg, mitunter mehr. Die Busanbindung aus der City ist besser, da der Bus in die Uni "hineinfährt"; es fahren
insgesamt 4 Buslinien durch den Campus: 835, 836, 735, 827. Die Uni hat eine eigene Haltestelle im Campus, die während des Semesters im 10-Min-Takt bedient wird. Weg zur
Jurfak: 2 Minuten. Allerdings sind zahlreiche große Parkplätze vorhanden, Parknot besteht kaum, dafür ist die Anfahrt verkehrstechnisch etwas kompliziert, da
Abbiegeverhältnisse vorliegen wie in München "Mittlerer Ring".
Freizeitmöglichkeiten
Angesichts der rheinischen Feiersüchtigkeit fast optimal:
Museen: Kunstmuseum (wechselnde Ausstellungen), sehr interessantes Stadtmuseum mit wechselnden Konzeptionen; Kunstsammlung NRW (20. Jahrh. bis "Postmoderne" * sehr
interessante Ausstellungen); Kunstpalast; nebst weiteren zahlreichen Museen (Goethe-Museum; Hetjens - Museum; Kunstsammlung Schloß Jägerhof u.a.).
Musik: Traditionsreiches Schumann-Konservatorium, mit interessanten (studentischen) Konzerten (Eintritt i.d.R. frei); interessanter Altstadt * Herbst mit vorwiegend klass.
Darbietungen, mehrere Konzerthallen, keine große, aber sehr agile Rockszene; einige wenige Jazz-Kneipen; die Tekknoszene kann vom Verfasser nicht beurteilt werden, da ihn
nichts weniger "abtörnt".
Sport: Fußball (Fortuna Düsseldorf - Prognose: bald in der Oberliga und dann in der Amateurliga) und Eishockey (DEG, gerade wieder im Kommen), es bestehen zahlreiche
Sportmöglichkeiten, insbesondere eine rege - rheinisch inspirierte - Vereinszene mit vielen Sportvereinen.
UniSport
Vorhanden.
Sonstiges, was in dieser Liste fehlt
Die Düsseldorfer Fakultät kann von ihrer Struktur her kein Programm bieten wie München, Köln oder Münster, ist aber m.E. zu anderen kleinen Fakultäten inzwischen
konkurrenzfähig. Die Entstehungsgeschichte der Fakultät ist komplex. Immer wieder gefordert und an der Mittelausstattung gescheitert, wurde die Fakultät auch mit privaten
Fördermitteln eines großen Düsseldorfer Chemieunternehmens, endlich Anfang der 90er Jahre von der Landesregierung beschlossen, allerdings mit der FU Hagen gekoppelt, um zu
beweisen, dass Multimedia-Studiengänge der "Hit" der Zukunft sind. Die Idee, einen Widerpart zu Köln aufzubauen (alte Ressentiments seit 1288 - Schlacht bei Worringen) sind
längst ausgeträumt und weichen der Idee von Kooperationsformen.
Autor / Ansprechpartner
Niklas Mairose;
mairose@uni-duesseldorf.de