Die Bundesstadt Bonn
Zwischen der pulsierenden Metropole Köln einerseits und dem romantisch anmutenden Siebengebirge andererseits liegt die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn. Bei einer durch
zahlreiche Eingemeindungen aufgewerteten Einwohnerzahl von etwa 300.000 fallen die rund 38.000 Studenten spürbar ins Gewicht: Bonn ist eine Studentenstadt. Das Hauptgebäude
der Universität, die ehemalige Residenz der Kölner Kurfürsten, liegt mitten im Stadtzentrum. Im Norden schließt sich unmittelbar der Innenstadtbereich rund um das alte
Rathaus, den Bonner Münster, den Marktplatz sowie das Geburtshaus Beethovens an, im Süden der Hofgarten. An Sommertagen sitzen vermutlich mehr Studenten im Hofgarten vor dem
Hauptgebäude als in den Hörsälen. Die Altstadt gleich hinter dem Stadthaus gilt als auch am Abend lebendig, multi-kulturell und alternativ, die Südstadt mit den alten
stuckverzierten Häusern als nobler und juristendominiert. In Juridicums-Nähe liegen weiterhin die Stadtteile Gronau, Kessenich und Poppelsdorf. Die feinste Adresse ist das
ehemalige Botschaftsviertel in Bad Godesberg, mit der U-Bahn in 15 Minuten schnell zu erreichen. Erholung im Grünen bieten vor allem die Bonner Rheinauen, südlich des
Regierungsviertels, im Mai alljährlich Schauplatz von "Rhein in Flammen".
Stadt Bonn:
www.bonn.de
Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität
Die Universität wurde am 18. Oktober 1818 durch den Preußenkönig Friedrich Wilhelm III gegründet. Vorläuferin war die 1777 gegründete und später zur Universität erhobene
Akademie der Kölner Kurfürsten, die jedoch den Nachwehen der Französischen Revolution zum Opfer fiel. Zur Universität gehören 7 Fakultäten: Die Katholisch-Theologische, die
Evangelisch-Theologische, die Rechts- und Staatswissenschaftliche, die Medizinische, die Philosophische, die Mathematisch-Naturwissenschaftliche und die Landwirtschaftliche
Fakultät.
Universität:
www.uni-bonn.de
Das Juridicum
Die rechtswissenschaftliche Fakultät ist nicht im Hauptgebäude der Universität untergebracht, sondern im eigens dafür erbauten Juridicum, das einige 100 Meter entfernt an
der Adenauerallee seinen Platz hat. Neben dem rechtswissenschaftlichen ist auch der wirtschaftswissenschaftliche Fachbereich im Juridicum untergebracht. Als am 19.04.1819
der Lehrbetrieb an der juristischen Fakultät aufgenommen wurde, befand sich das rechtswissenschaftliche Seminar noch im ehemaligen kurfürstlichen Residenzschloss – dem
heutigen Hauptgebäude der Universität. Nach einem Luftangriff am 18.10.1944 wurde das Schloss zerstört und 1951 wieder neuaufgebaut. Währenddessen wurde ein Provisorium in
der Otto-Kühne-Schule in Bad Godesberg errichtet. Mitte der 50er Jahre wurde wegen der hohen Anzahl der Studenten der Ruf nach einem größeren Gebäude für den rechts- und
wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereich lauter, so dass 1957 erste Pläne für den Bau des Juridicums entstanden. Nach einer anfänglichen Kosteneinschätzung von 6,5
Millionen DM für den Bau des Juridicums beliefen sich die Kosten nach Planänderungen auf 18 Millionen DM. Am 11.10.1963 wurde der Grundstein des Juridicums gelegt, am
21.11.1967 fand die Einweihung und offizielle Schlüsselübergabe statt. Das Juridicum besteht aus einem zweigeschossigen flachen Bau, in dem vor allem Hörsäle und die
Bibliothek Platz finden, sowie zwei Türmen, die die jeweiligen Institute beherbergen. Zudem ist die Fassade des Juridicums mit einem Mosaik des berühmten Malers und
Grafikers Victor Vasarely geschmückt.
Quellen:
http://www.jura.uni-bonn.de/index.php?id=34
http://www.jura.uni-bonn.de/index.php?id=240
http://de.wikipedia.org/wiki/Kurf%C3%BCrstliches_Schloss_Bonn
Ausbildung
Die Rechtswissenschaftliche Fakultät bietet folgende Abschlüsse an:
- Hauptfach: Erste juristische Prüfung (verbunden mit dem Abschluss "Diplom-Jurist")
- Nebenfach: Im Rahmen eines Magister- oder Promotionsstudiengangs der Philosophischen Fakultät (wahlweise Zivilrecht, Öffentliches Recht, Strafrecht oder
Privatrechtsvergleichung)
- Magister der Rechtsvergleichung (M. jur. comp.) für im Ausland graduierte Juristen
- Magister legum (LL.M) im Rahmen des „European Consortium of Law – Masterprogramme in higher legal studies“
Rechtswissenschaftlicher Fachbereich:
www.jura.uni-bonn.de
Das Zentrum für Europäische Integrationsforschung (Center for European Integration Studies, ZEI) ist eine interdisziplinäre Forschungseinrichtung, die als selbstständiges
Institut an der Universität Bonn 1995 gegründet wurde. Die rechtswissenschaftliche Abteilung hat ihren Schwerpunkt vornehmlich im Öffentlichen Recht. Das Angebot des
Zentrums für Europäische Integrationsforschung umfasst auch eine Graduiertenausbildung (Master of European Studies / Master of European Regulation of Network Industries,
MERNI), Doktorandenbetreuung und andere Weiterbildungsmöglichkeiten (z. B. Summer Schools).
ZEI:
www.zei.de
Professoren
In Bonn lehren und forschen zahlreiche wissenschaftlich äußerst renommierte Professoren, die auch dem Studenten als (Lehr-)Buchautoren bekannt sind. Dazu gehören
beispielsweise Schilken (
Zivilprozeßrecht), Herdegen (
Europarecht,
Völkerrecht), Isensee (Hrsg.
Handbuch des Staatsrechts), Kindhäuser
(
Strafrecht AT/BT) sowie Di Fabio (
Recht offener Staaten).
Übersicht der Professoren:
www.jura.uni-bonn.de
Studienaufbau
Das Studium ist zwar auf einen Beginn im Wintersemester ausgelegt, jedoch werden die meisten Pflichtveranstaltungen bis auf wenige Ausnahmen in jedem Semester
angeboten. Der Rahmen der Ausbildung wird durch das Juristenausbildungsgesetz (JAG) und die Juristenausbildungsordnung (JAO) des Landes NRW vorgegeben. Im Grundstudium ist
zunächst eine studienbegleitende Zwischenprüfung abzulegen, welche sich ab dem WS 2008/2009 leicht ändern wird und nun aus jeweils zwei Klausuren aus dem Zivilrecht,
Strafrecht, Öffentlichen Recht, Grundlagenfächern sowie zwei Hausarbeiten in den Hauptfächern besteht. Mit dem Bestehen der Zwischenprüfung wird eine Teilnahme an den großen
Übungen ermöglicht. Diese sind Voraussetzung zur Meldung zum Schwerpunktbereichsstudium. Dazu müssen mindestens eine Hausarbeit in einer großen Übung sowie eine Klausur in
jeder der großen Übungen bestanden werden.
Im Schwerpunktstudium sind im gewählten Schwerpunktbereich sieben Klausuren zu bestehen. Ab dem WS 2008/2009 werden zwar weiterhin sieben Klausuren geschrieben, jedoch nur
noch fünf davon gewertet. Damit wird die Gesamtnote des Schwerpunktbereiches mit 30 % aus der Seminarleistung und mit jeweils 14 % aus den fünf besten Klausuren gebildet.
Diese Note stellt wiederum 30 % des Gesamtergebnisses der 1. juristischen Prüfung dar. Das Studium endet regelmäßig mit der 1. Staatsprüfung, die vor dem Justizprüfungsamt
am OLG Köln abgelegt wird. Die Meldung zur Staatsprüfung erfordert zusätzlich u.a. den Nachweis von zwei Praktika sowie des Besuchs einer fremdsprachigen
rechtswissenschaftlichen Veranstaltung.
Schwerpunktbereichsstudium:
http://www.jura.uni-bonn.de/index.php?id=1499
Bekanntmachung zur Änderung der Zwischenprüfungs- und Schwerpunktbereichsordnung:
http://www.jura.uni-bonn.de/fileadmin/Fachbereich_Rechtswissenschaft/Einrichtungen/
Pruefungsausschuss/Bekanntmachung_zur_AEnderung_der_Zwischenpruefungs.pdf
Erste juristische Prüfung
Wie bereits angedeutet, setzt sich die 1. juristische Prüfung aus einer staatlichen Prüfung, sowie der universitären Schwerpunktprüfung zusammen. Dabei hat die staatliche
Prüfung einen Anteil von 70 Prozent, die Schwerpunktprüfung einen Anteil von 30 Prozent am Ergebnis der 1. juristischen Prüfung. Der staatliche Teil gliedert sich in einen
schriftlichen und einen mündlichen: Im schriftlichen Abschnitt sind drei Klausuren im Zivilrecht, zwei im öffentlichen Recht und eine im Strafrecht zu bestehen. Der
mündliche Teil umfasst einen Vortrag des Kandidaten, sowie ein Prüfungsgespräch.
Die Meldung zur Staatsprüfung erfolgt bei den Justizprüfungsämtern an den OLG Köln, Düsseldorf oder Hamm. Bei einer Meldung vor Ende des 8. Fachsemesters wird ein
Freiversuch (sog. Freischuss) gewährt, bei Meldung vor Ende des 7. Fachsemesters ist es möglich, die Klausuren in mehreren zeitlichen Abschnitten anzufertigen (sog.
Abschichten)
www.olg-koeln.nrw.de
Besonderheiten
Neben dem Pflichtkanon bietet die Fakultät zahlreiche zusätzliche Veranstaltungen: z.B. juristische Informatik, Wirtschaftswissenschaften für Juristen,
Einführungen in das angloamerikanische, französische Recht, Einführungen in die italienische, spanische Rechtsterminologie, Rechtsmedizin und naturwissenschaftliche
Kriminalistik für Juristen.
Das Universitätsrepetitorium bietet sowohl zum Winter- als auch zum Sommersemester einen Einstieg an. Auf Fallbearbeitung wird besonders Wert gelegt. Die Stunden sind so
verteilt, dass von Montag bis Freitag das Repetitorium vormittags stattfindet. Das mündliche Probeexamen, der Kausurenkurs und dessen Besprechung finden nachmittags statt.
Zudem findet in der vorlesungsfreien Zeit oftmals ein Probeexamen unter realen Bedingungen statt.
http://www.jura.uni-bonn.de/index.php?id=56
Die Fakultät nimmt regelmäßig am weltweit größten Moot Court in französischer Sprache, dem Concours européen des Droits de l´Homme René Cassin teil. Das Bonner Team belegte
2001 den ersten Platz vor den Universitäten Genf und Paris I Sorbonne und 2002 den fünften Platz unter 57 Teilnehmern.
Repetitorien
Neben der Examensvorbereitung durch die Universität gibt es zahlreiche private Anbieter. Darunter befinden sich auch bundesweit vertretene und lokale Repetitorien z.B.
Hemmer, Alpmann/Schmidt, Jura Intensiv, Abels und Langels, Friedrichs, bbp., Justus, Klamser.
Praktika
Für (Verwaltungs-)Praktika bei Bundesbehörden, die in Bonn weiterhin einen Sitz haben, empfiehlt sich eine frühzeitige Bewerbung (ca. 1 Jahr im Voraus). Genauere
Informationen gibt es im Praktikums-Reader der Fachschaft.
Bibliotheken und Ausrüstung
Im Fachbereich Rechtswissenschaft bestehen 13 Institute mit eigenen Bibliotheken sowie das Juristische Seminar als Hauptbibliothek. Es handelt sich um Präsenzbibliotheken.
Buchreservierungen für Examenskandidaten sind möglich. Das Juristische Seminar hat von Montag bis Samstag von 8 bis 23 Uhr und sonntags von 13 bis 23 Uhr geöffnet. In
Juridicums-Nähe befindet sich außerdem die Universitäts- und Landesbibliothek mit einer sehr umfangreichen Lehrbuchsammlung.
Fachschaft
Die Fachschaft ist sehr aktiv und bietet von Secondhand-Büchern bis zu Vorlesungsskripten und Musterklausuren alles an, was das Studium erleichtert. Dabei gleicht sie so
manches Betreuungsdefizit einer Massenuniversität aus. Außerdem werden Exkursionen zum BVerfG, zum EuGH oder anderen Gerichten angeboten. Für Erstsemestler gibt es
Orientierungstage und Tutorien.
www.fs-jura.uni-bonn.de
ELSA
http://www.uni-bonn.de/elsa
ERASMUS und SOKRATES Partneruniversitäten
Aarhus, Athen, Barcelona, Bari, Budapest, Caen, Clermont-Ferrand, Ferrara, Florenz, Fribourg, Graz, Helsinki, IEP Paris, Leeds, Leuven, Linz, Lodz, London University
College, Madrid, Mailand, Neapel, Oxford, Palma de Mallorca, Prag, Rom, Salamanca, Salzburg, Strasbourg, Brighton, Thessaloniki, Uppsala, Valladolid, Vilnius, Warschau. Für
Direktaustauschprogramme mit den USA, Kanada, Australien und Japan ist das Akademische Auslandsamt/Dezernat für Internationale Angelegenheiten zuständig.
Mensa / Café
Das Studentenwerk Bonn unterhält vier große Mensen im Stadtgebiet. Die Mensa Nassestraße liegt 50m hinter dem Juridicum (Gerichte zwischen 1,20 € und 3,80 €).
Nebenan liegt das ebenfalls vom Studentenwerk betriebene Carl´s Bistro. Im Juridicum selbst gibt es eine Snackbar. Rund um das Juridicum in der Bonner Südstadt gibt es
zahlreiche Juristen-Kneipen.
Wohnheime / Wohnungsmarkt
Es gibt 33 Wohnheime des Studentenwerks mit insgesamt ca. 4000 Zimmern in unterschiedlicher Qualität und unterschiedlichen Preisklassen (ab etwa 120 €). Hinzu kommen
weitere private und kirchliche Wohnheime. Der private Wohnungsmarkt ist tendenziell teuer. Ein WG-Zimmer unter 250 € (warm) ist absolute Glückssache. Zur
Wohnungssuche empfehlen sich folgende Adressen:
Zimmervermittlung durch das Studentenwerk / Abteilung Wohnen:
www.studentenwerk.uni-bonn.de
Studentenwohnheime Newmanhaus und Augustinushaus der Kath. Hochschulgemeinde:
http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/hochschulgemeinde_bonn
Studentenwohnheime der Evangelischen Studierendengemeinde:
www.esg-bonn.de
Online-Wohnungsmarkt:
www.general-anzeiger-bonn.de
Verkehrsanbindung
Das Juridicum liegt in zentraler Lage etwa 800m südlich von Hauptgebäude und Innenstadt entfernt an der Adenauerallee. Einige Institute liegen in der Lennéstraße, einer
kleinen Parallelstraße zur Adenauerallee. Das Juridicum hat eine eigene U-Bahn-Station, zwei Haltestellen zum Hauptbahnhof. Der Studentenausweis gilt dabei als Fahrausweis
im gesamten Verkehrsverbund Rhein-Sieg für Busse, Straßenbahnen und Züge. Das Studiticket wird über den Sozialbeitrag finanziert.
Freizeitmöglichkeiten
Die Bonner Bühnen bieten das klassische Repertoir von Oper über Schauspiel bis Tanz. Ein Tipp sind die kleinen Bühnen, etwa das Contra-Kreis-Theater mitten in der
Innenstadt. Bekannt sind vor allem die Kabarettbühnen: Das Pantheon am Bundeskanzlerplatz und das Haus der Springmaus in Endenich u.a. mit Lindenstraßen-Star Bill
Mockridges. Es gibt zahlreiche Kinos in der City und in Bad Godesberg. Zu empfehlen sind vor allem die Brotfabrik in Beuel und das Woki am Bertha-von-Suttner-Platz. An Bonns
Museumsmeile liegen das Haus der Geschichte und die Kunst- und Ausstellungshalle des Bundes.
UniSport
Das Sportreferat des AStA bietet in Zusammenarbeit mit der Uni und der FH Rhein-Sieg ein umfangreiches Sport-Programm an.
Übersicht dazu:
www.sport.uni-bonn.de
Studieren mit Kind
Das Studentenwerk betreibt im ehemaligen Bundestagskindergarten eine Kindertagesstätte für Studierende.
Autor/Ansprechpartner
ursprüngliche Version v. Dirk Sander, eMail:
D.Sander@stw-bonn.de
aktualisiert v. Christoph Hölken
überarbeitete und erweiterte Auflage v. Patrick Mensel
Stand: Februar 2008