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Praktikum in einer Kanzlei mit neun Anwälten an drei Standorten
Stefanie Samland


Praktikum in einer Kanzlei mit neun Anwälten an drei Standorten


Als ich mein erstes Praktikum plante, wusste ich nur, dass ich nach Rostock wollte, wo ich vor meinem Auslandsjahr studiert hatte. Auf der Suche nach einer passenden Praktikumskanzlei schaute ich mir Internetseiten verschiedener Rostocker Kanzleien an und stieß so auf den Rostocker Standort der Kanzlei "Hardtke, Steffens & Partner" (http://www.lawnet.de), an dem zwei junge Anwälte arbeiten, die schwerpunktmäßig im Zivilrecht tätig sind. Aber auch das Internetrecht und einzelne strafrechtliche Bezüge wies das Kanzleiporträt auf. Und da mich einerseits bisher Strafrecht am meisten interessierte, aber ich mir immer relativ sicher war, nie Strafverteidigerin werden zu wollen und das jetzt mal "in echt" erleben wollte, andererseits gerade der große BGB-Schein anstand, entschied ich mich für eine Bewerbung bei "Hardtke, Steffens & Partner". Diese schickte ich dann noch im Auslandsjahr, ca. ein halbes Jahr vor dem geplanten Praktikumszeitraum, ab und erhielt recht schnell eine Zusage. Zwei Monate später, als ich gerade in Rostock war, schaute ich dann auch mal persönlich vorbei, um mich vorzustellen und erhielt schon einen netten Eindruck vom Team.

Am Rostocker Kanzleistandort arbeiten zwei Anwälte, eine Rechtsanwaltsfachangestellte sowie eine Teilzeit-Rechtsanwaltsfachangestellte, eine Auszubildende, ein fester Referendar und immer mal wieder weitere Referendare, die ihre Anwalts- oder Wahlstation bei "Hardtke, Steffens & Partner" verbringen. Weitere Standorte der Kanzlei befinden sich in Greifswald (fünf Anwälte) und in Berlin (zwei Anwälte). Ich habe mich in Rostock sehr schnell eingefunden und sehr wohl gefühlt. Einen eigenen Schreibtisch habe ich zur Verfügung gestellt bekommen, wo ich mich mit meinem Laptop, einem Schönfelder und diversen Akten ausbreiten konnte. Gleich zu Beginn bekam ich eine Verfassungsbeschwerde auf den Tisch, die die Kanzlei gerade eingereicht hatte. Da ging es um Strafprozessrecht und ich hatte erst mal zu lesen. Doch nicht lange, denn schon zur zweiten Akte bekam ich ein Ausbildungsbuch mit an die Hand und den Auftrag, nach der Lektüre einen Aktenvortrag zu halten. Wir hatten uns zu Beginn geeinigt, dass ich "richtig was mitbekommen" wollte und dementsprechend gestalteten sich auch die Aufgaben. Bei den Anwälten war zudem immer "die Tür offen", so dass ich bei Fragen sofort nachhaken bzw. um Rat bitten konnte.

Tag für Tag erhielt ich nun mehrere Akten mit Arbeitsaufträgen. Zunächst erstellte ich Gutachten, für die ich Kommentare und Lehrbücher wälzte oder im Internet recherchierte. Recht schnell durfte ich aber auch mal eine Klageschrift oder Schreiben an Mandanten entwerfen, die wir anschließend gemeinsam durchgesprochen haben. Die Fälle waren recht vielseitig, ich hatte mit Mietrecht, Verwaltungsrecht, Unterhaltsrecht, Schadensersatz und Schmerzensgeld bei einem Unfall, Strafrecht, aber auch Domain- und Urheberrecht zu tun. Aber auch Gebiete, mit denen ich bisher noch nie in Berührung kam, z.B. die Haftung eines Insolvenzverwalters oder der Urkundenprozess, wurden mir zugemutet und ich konnte feststellen, dass auch zunächst völlig unbekannte Sachgebiete lösbar sind: Eine tolle Erfahrung im Hinblick auf Examensklausuren! Einzelne Akten hatte ich später dauerhaft auf meinem Schreibtisch. Da hatte ich dann auch das Gefühl, meinen Anwälten wirklich Arbeit abnehmen zu können, indem ich alle Schreiben vorbereitete und den Überblick über den gesamten Fall behielt. Und von wegen "iudex non calculat" – rechnen durfte ich auch, u.a. lernte ich, dass Kulturveranstalter Abgaben an die Künstlersozialkasse zahlen müssen, die ich dann ausrechnete, aber auch im Unterhaltsrecht oder bei Betriebskosten von Wohnungen ist einiges an Rechnungen zu erledigen.

In dem ganzen Monat, den ich in der Kanzlei tätig war, erhielt ich nicht nur Einblicke in die unterschiedlichsten Rechtsgebiete, sondern auch in die vielseitigen Aufgaben eines Anwalts. Diese besteht nicht wie im Studium immer darin, Fälle zu lösen, sondern auch mal Rechtsstreitigkeiten durch Vertragsgestaltung im Vorfeld zu vermeiden oder auch Kompromisse zu finden, ohne dass nur einer Recht bekommt. Aber auch Grenzen wurden sichtbar, wenn z.B. im Unterhaltsrecht nur Absprachen der Eltern über den Kindesunterhalt, jedoch kein vollstreckbarer Titel vorliegt, ist es schwierig, die Erfüllung der Absprachen einzutreiben. Nebenher fragte ich auch bei der Rechtsanwaltsfachangestellten immer mal wieder etwas nach, und so lernte ich auch, wie man neue Akten anlegt oder wer in einer Kanzlei die Kosten für die Rechtsberatung berechnet.

Dadurch, dass die anwaltliche Tätigkeit nur zu einem Bruchteil aus der Vertretung vor Gericht besteht und meine Anwälte viel vor Gericht im Gebiet des Greifswalder Kanzleistandortes tätig waren, war ich während meiner Praktikumszeit nie mit im Gerichtssaal. Dies werde ich aber demnächst nachholen und mir die Urteilsverkündung in einem Prozess ansehen, an dem einer der Partner aus Greifswald beteiligt ist. Der Kontakt zu meiner Kanzlei besteht immer noch und auch fachlich denke ich immer wieder gern an meinen Monat in Rostock zurück. Trotz der ganzen Arbeit blieb mir aber jeden Abend noch genügend Zeit, um durch die Stadt zu schlendern, alte Freunde zu treffen oder am Strand Drachen steigen zu lassen!
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