Florian Kleinmanns, Bremen
Praktikum bei der Fides Treuhandgesellschaft, Bremen
Nach sechseinhalb Semestern Studium hatte ich meine Pflichtpraktika und Hausarbeiten beisammen. Mir stellte sich also die Frage, was ich mit den Semesterferien nach dem
siebten Semester anfangen sollte.
Im Schwerpunktstudium hatte ich den Bereich "Wirtschaft und Wettbewerb" gewählt. Eine der dort angebotenen Lehrveranstaltungen hatte das Unternehmenssteuerrecht zum Thema
und wurde von einem externen Lehrbeauftragten abgehalten. Bei diesem erkundigte ich mich, wo er arbeitete – bei der Fides Treuhandgesellschaft – und ob dieses
Unternehmen mir ein steuerrechtliches Praktikum anbieten könnte.
Auf sein Zuraten und nach einem Blick auf die Homepage (
http://www.fides-treuhand.de/) bewarb ich mich formell und wurde zu einem
Vorstellungsgespräch eingeladen. Dort erläuterten mir der Lehrbeauftragte und ein Kollege, in welchen Bereichen die Fides tätig ist, welche Berufsperspektiven mich dort
erwarten könnten und dass es empfehlenswert sei, vor der Steuerberatung die Wirtschaftsprüfung kennen zu lernen. Kleinigkeiten – die Einladung zum Vorstellungsgespräch
war mit zwei Unterschriften versehen, die beiden Gesprächspartner ließen sich Zeit für mich, gingen ausführlich auf meine Fragen und Wünsche ein und kündigten mir eine für
juristische Praktika ja eher unübliche Vergütung an – hinterließen den Eindruck, dass man mich bei der Fides schon als Praktikanten ernst nehme.
Diese Vermutung bestätigte sich in den vier Wochen, die ich dann im Unternehmen – nun in der Abteilung Wirtschaftsprüfung – tätig war. Mein Arbeitsplatz befand
sich nicht am Hauptsitz der Fides, sondern einige Straßen weiter in den Räumen einer Mandantin. Dort war ich zusammen mit einem Prüfungsassistenten, der seit ein paar Jahren
bei der Fides beschäftigt war, in einem Büro Tür an Tür zur Geschäftsleitung untergebracht.
Die uns beiden zugewiesene Arbeit bestand darin, die Jahresabschlüsse der etwa 25 Gesellschaften, die zur Unternehmensgruppe der Mandantin gehörten, zu prüfen. Dazu nahmen
wir uns Gesellschaft für Gesellschaft vor, legten einen Prüfungsordner an, schauten uns die Zahlen an, die auf dem einen Konto verbucht waren, und stimmten sie mit den
Kontoauszügen der Bank ab, schauten uns die Zahlen an, die auf dem anderen Konto verbucht waren, und verglichen sie mit den Zahlen aus dem Vorjahr, überprüften das
Verhältnis von Einkaufs- und Verkaufszahlen auf Stimmigkeit und – ganz wichtig: – hielten jedes unserer Prüfungsergebnisse auf viel Papier fest. Die ersten Tage
gab der Prüfungsassistent mir jeden Schritt vor, später bearbeitete ich ganze Gesellschaften zunächst selbstständig; bei der nachfolgenden Überprüfung fand er aber immer
Punkte, an denen ich nicht richtig oder nicht vollständig gearbeitet hatte – vier Wochen sind doch zu kurz, um sich richtig einzuarbeiten. Nebenbei kämpften wir mit
den Tücken der Technik (SAP R/3), tranken den Kaffee, den die Mandantin uns stets frisch zur Verfügung stellte, und versuchten, diese oder jene Buchung gemeinsam zu
enträtseln. Alle paar Tage kam "mein" Lehrbeauftragter, der diese Prüfung leitete, zur Tür herein, um nach dem Rechten zu sehen und sich über den aktuellen Stand der Prüfung
informieren zu lassen.
Für Rechtswissenschaftler ein ungewöhnliches Tätigkeitsfeld, mag man denken. Das stimmt: Juristen als Steuerberater sind schon selten, Juristen als Wirtschaftsprüfer noch
viel mehr. Doch schon bei der "eigentlichen" Prüfung, die der Prüfungsassistent und ich vorgenommen hatten, stellten sich gelegentlich echte Rechtsfragen. Bei der Antwort
auf diese Rechtsfragen halfen neben einem Blick ins Gesetz (vor allem das Dritte Buch HGB, ferner das UStG, das EStG und das KStG) Kenntnisse juristischer Methodik.
Fazit
Die Wirtschaftsprüfung, wie ich sie kennen gelernt habe, ist ein Arbeitsbereich, den ich mir als Berufseinsteiger gut vorstellen könnte. Aufstiegschancen bieten sich durch
die Weiterbildung zum Wirtschaftsprüfer oder zum Steuerberater; auf diesen Positionen werden dann auch häufiger spannende Rechtsfragen auftauchen. Am Praktikum positiv zu
bemerken gilt, dass man in der Wirtschaftsprüfung vor Ort sehr viel selbstständiger und produktiver arbeiten kann als dies in einer rein juristischen Abteilung der Fall
wäre. Schließlich habe ich mich bei dem Unternehmen durchweg gut betreut gefühlt, und nach Abschluss des Praktikums wurde mir eines in der steuerberatenden Abteilung
angeboten.