Christian Campe
Praktikum beim Landkreis
Zunächst einmal der Tipp vorweg, dass man sich möglichst frühzeitig um ein Praktikum bewerben sollte. Gerade in den größeren Uni-Städten, wie z.B. bei mir Münster, ist es
mitunter recht schwierig einen Platz zu bekommen, wenn man sich nicht rechtzeitig darum kümmert. Dies gilt sowohl für das Praktikum in der freien Wirtschaft, als auch für
das Verwaltungspraktikum. Auch wenn man meist die vorlesungsfreie Zeit mit Hausarbeiten oder ähnlichem voll gestopft hat, sollte man diese Sachen, wenn möglich, um einen
Termin für das Praktikum herum legen.
Eine andere Möglichkeit ist das Ausweichen auf kleinere Städte und Gemeinden, wobei sich meist die Heimatstadt wegen der günstigeren Übernachtungsmöglichkeiten im Hotel
"Mama" anbietet. Hier sieht die Situation meist entspannter aus.
So habe auch ich nach meinem 5. Fachsemester ein Verwaltungspraktikum beim Landkreis Hameln-Pyrmont absolviert. Da mein letztes Verwaltungspraktikum nur drei Wochen lang war
und es in dieser kurzen Zeit nicht möglich ist, sinnvoll mitzuarbeiten, hatte ich mich diesmal entschlossen wenigstens ein vierwöchiges Praktikum zu machen. (In NRW ist es
möglich die beiden sechswöchigen Praktika problemlos in zwei dreiwöchige Abschnitte zu unterteilen. Nähere Infos zum Thema Praktikum in NRW unter
http://www.olghamm.nrw.de/aufgaben/jpa/fragen.htm#Praktika)
Grundsätzlich sollte man die Zeit für ein Praktikum jedoch möglichst lang wählen und auch schon bei der Bewerbung darauf hinwirken, dass man die gesamte Zeit über in einer
Abteilung eingesetzt wird. So bewarb ich mich also bei der Rechtsabteilung des Landkreises und erhielt auch prompt die Zusage für vier Wochen. Dabei wurde jedoch die Zeit in
zwei zweiwöchige Abschnitte geteilt. So verbrachte ich die ersten zwei Wochen im Fachbereich "Jugend und Soziales" und die letzten in Fachbereich "Sicherheit und Ordnung".
Auch wenn das wieder etwas gegen meine ursprüngliche Vorstellung von einem vierwöchigem zusammenhängendem Praktikum war, erwies es sich doch als positiv einen Einblick
sowohl in die Leistungs-, als auch in die Eingriffsverwaltung zu bekommen. Die ersten zwei Wochen war ich dann also beim Sozialamt. Mit Ausnahme eines Tages in der HLU
(Hilfe zum Lebensunterhalt), bei dem ich auch auf einigen Hausbesuchen mit war und Erstgespräche mitbekommen habe, war ich die restliche Zeit mit Widersprüchen gegen
Bescheide beschäftigt. Das reichte vom Wohngeldantrag über den Antrag auf einen neuen Teppichboden bis zur Neuberechnung der Sozialhilfe, fehlerhafter Angaben beim ersten
Antrag. Hier war schon innerhalb eines Bereiches große Abwechslung, so dass es nicht langweilig wurde. Anfangs las ich nur bearbeitete Akten durch, während ich sehr schnell
selbst mit eingebunden wurde und Vermerke zu "eigenen Akten" schreib. Auch wenn das BSHG, die Sozialgesetzbücher usw. vorher nicht wirklich in meinem Studium vorkamen, so
konnte man sich durch die tatkräftige Unterstützung der Mitarbeiter sehr schnell einarbeiten. Durch einen glücklichen Zufall hatte ich dort auch meinen eigenen Schreibtisch
mit modernem Computer und konnte so eigenständig arbeiten. Hier kann ich allen nur empfehlen, im Praktikum selber auch nachzufragen, ob man nicht irgendwelche kleineren
Sachen selber bearbeiten kann, auch wenn man meint, dass es eigentlich zu früh im Studium wäre. Hier lernt man viel mehr als durch das bloße "über die Schulter schauen".
Sollte man es dann doch nicht ganz schaffen, so hilft einem ein guter Praktikumsbetreuer immer weiter und reißt einem nicht den Kopf ab. So vergingen diese zwei Wochen auch
wie im Flug.
Danach war der Fachbereich "Sicherheit und Ordnung" dran, wobei auch diese zwei Wochen noch in zwei einzelne Wochen unterteilt wurde. Während ich in der ersten Woche bei den
"Allgemeinen Ordnungsangelegenheiten" hauptsächlich mit Gewerbeordnung, Gaststättengesetz und ähnlichem konfrontiert war, stand die zweite Woche bei der "Ausländerstelle"
ganz im Zeichen dieser entsprechenden Gesetze. Bedingt durch die kürzere Zeit konnte ich hier auch hauptsächlich nur bearbeitete Fälle lesen, weshalb dieses aber nicht
minder interessant war. Welche Probleme entstehen, wenn Handwerksfirmen ohne Meister betrieben werden und wie die Leute versuchen um diese Regelung herum zu kommen war sehr
interessant. Wie schwer es dann aber teilweise ist, diesen mittels Gesetz zur Bekämpfung von Schwarzarbeit und Handwerksordnung Einhalt zu gebieten, sieht man wirklich erst
in der Praxis. Während die Fälle im Studium beinahe einen Schwarz/Weiß-Charakter haben, ist die Grauzone in der Praxis wesentlich schwieriger.
Um das zu erfahren und auch um zu erfahren, ob eine spätere Beschäftigung in der Verwaltung für einen selbst etwas wäre, ist dieses "Pflichtpraktikum" mehr als hilfreich.
Wenn man sich dabei auch selber einbringt, kann man am meisten Nutzen daraus ziehen.