Spätestens nach dem sechsten Semester müssen sich die Studenten darüber klar werden, wie sie sich auf das erste Staatsexamen vorbereiten wollen. Den meisten Studenten stellt
sich die Frage, ob sie einen privaten Repetitor besuchen oder ob sie die Angebote der Universitäten zur Examensvorbereitung wahrnehmen. Zu bedenken ist, dass auf beiden
Seiten der Repetitorien erhebliche Leistungsunterschiede bestehen. Vorteile eines privaten Repetitors sind vor allem die geringeren Teilnehmerzahlen, das im Durchschnitt
jüngere Personal, was die persönliche Nähe zum Studierenden sichert, Einüben des examensrelevanten Wissens unter Nichtberücksichtigung der Wissenschaftlichkeit, was zur
Vereinfachung führt und schlussendlich werden verständlich formulierte Materialien für die Nacharbeit verteilt.
Im Gegensatz zur Uni hat man dort immerhin eine recht große Sicherheit, dass der relevante Stoff auch wirklich abgedeckt wird. Regelmäßig bieten die privaten Repetitoren
auch ein Probehören (in aller Regel ca. 14 Tage) an, so dass sich der Student einen Einblick über die Lehrmethoden verschaffen kann. Es bestünde gleichfalls die Möglichkeit
ein Online-Repetitorium zu absolvieren (
http://www.jurawelt.com/Links/jurastudenten/OnlineRepetitorium).
Sowohl das normale als auch das Online-Repetitorium sind kostenpflichtig.
Allerdings bedeutet das nicht, dass der Weg zu einem erfolgreichen Abschluss unbedingt über den privaten Repetitor führen muss. Mittlerweile bieten fast alle Unis
Vertiefungsveranstaltungen für Examenskandidaten an. In aller Regel wird der Stoff in den Universitätsrepetitorien anhand von Fällen vermittelt. Im Gegensatz zu den meisten
privaten Repetitorien will die Uni den Studenten auch weiterhin das Denken nicht abnehmen. Vielmehr sollen sie lernen, sich die examensrelevanten Rechtsgebiete selbstständig
anzueignen.
Einige Studenten entscheiden sich alleine oder in einer privaten AG mit 2-4 Kommilitonen das Examenswissen zu wiederholen. Hier sind besonders Disziplin und
Durchhaltevermögen gefragt. Häufig ist es schwierig, aus der Flut an Rechtsprechung und neuer juristischer Entwicklung die examensrelevanten Punkte herauszufiltern, wie es
sonst der Repetitor für den Kandidaten unternimmt. In einer AG sollte darauf geachtet werden, dass man das gleiche Ziel und auch in etwa das gleiche Leistungsniveau
hat.
Insgesamt sollte die Wahl von den persönlichen Neigungen abhängen und von der Art zu lernen. Sinnvoll ist es zunächst in die jeweilige Prüfungsordnung zu schauen und eine
Bestandsaufnahme der Rechtsgebiete zu machen, die prüfungsrelevant sind. Falls es an der Uni einen Examensklausurenkurs gibt, sollte unbedingt daran teilgenommen werden. Die
Routine im Klausurenschreiben ist im Examen im Zweifelsfall wichtiger als nur das angelernte Wissen.
Die Vorbereitungszeit auf das Examen beträgt durchschnittlich 1-2 Jahre. Dies ist aber eine eher individuelle Frage. Zeiten darüber oder darunter sind ebenfalls möglich, da
es sehr darauf ankommt, welches Basiswissen man sich schon vorher angeeignet hat. Die Zeit, die täglich in die Vorbereitung gesteckt wird, beläuft sich durchschnittlich auf
6-8 Stunden "echter" Arbeit. Abzüglich aller Kaffeepausen führt das leicht zu einem 10-Stunden-Tag.
Verlässliche Literaturempfehlungen für die optimale Examensvorbereitung zu geben, ist unmöglich. Daher wird niemand darum herumkommen, für sich persönlich Literatur
zusammenzustellen. Grundsätzlich wird es aber nicht erforderlich sein, zu jedem Rechtsgebiet ein großes Lehrbuch gelesen zu haben. Ein Überblick über die wichtigsten Werke
findet man auf unseren
Literaturseiten.
Unter der Rubrik
Examen in der Studentenwelt gibt es unter anderem auch einige Musterpläne und Literaturhinweise sowie einen Bericht zum
"Examen ohne Rep". Lesenswert in diesem Zusammenhang dürfte auch das Buch
"Examen ohne Repetitor" sein.
Und immer daran denken: Der Erfolg im Examen stellt sich nur dann ein, wenn man den vermittelten Stoff vor- oder nacharbeitet, das gilt sowohl für Uni- als auch
Privatrepetitorien.