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60 Jahre alt, davon 30 im Auswärtigen Dienst. Man hat mir nicht in der Wiege gesungen, dass ich eines Tage im diplomatischen Dienst meinen Lebensberuf finden würde und
selbst im Studium hätte ich noch herzlich und schallend gelacht, wenn mir jemand eine Zukunft als Diplomat vorausgesagt hätte. Denn ich fühle mich bis heute überhaupt nicht
als "diplomatischer" Typ. Inzwischen diene ich dem deutschen Staat im Auswärtigen Dienst seit drei Jahrzehnten und habe diese Berufsentscheidung nicht einen Moment im Leben
bereut. Wie ist es zu diesem Sinneswandel gekommen?
Beginnen wir am Anfang: Abitur in Dortmund. Jurastudium in Freiburg, Lausanne, Berlin und wieder Freiburg. Am Jura-Studium haben mich die vielfältigen beruflichen Optionen
gereizt. Ich hatte keinen der klassischen juristischen Berufe, Richter, Staatsanwalt oder Rechtsanwalt, im Auge, habe diese Richtung aber auch nicht ausgeschlossen. Ich
hatte und habe ein ausgeprägtes Interesse an Fremdsprachen, Geschichte und Politik, habe mich in einer politischen Hochschulgruppe und in der Studentenpolitik engagiert und
war parallel bei VWL eingeschrieben, wo ich auch eine ganze Reihe von Scheinen machte.
Im Zuge der Referendarausbildung (Amtsgericht Emmendingen, Staatsanwaltschaft Freiburg) verdichtete sich mein Eindruck, dass ich bei der Justiz nicht glücklich würde und
einmal etwas ganz anderes machen und etwas von der Welt sehen müsste. Ich bewarb mich bei einer ganzen Reihe von Institutionen der damals noch sehr jungen Entwicklungshilfe
und ging Ende 1966 – vom Referendarsdienst beurlaubt – mit Frau und zwei ganz kleinen Kindern für eine politische Stiftung als Entwicklungshelfer in das
kriegserschütterte Vietnam. Hier hatte ich dann erste und intensive Kontakte zur deutschen Botschaft in Saigon, erlebte junge, tatkräftige Diplomaten mit Offenheit und
Managementqualitäten. Mein Klischee von den "Diplomaten" erfuhr eine gründliche Korrektur, der Auswärtige Dienst rückte nicht unbedingt zum Traumjob auf, aber doch zur
ernsthaften Berufsoption.
Aus Vietnam zurückgekehrt, machte ich das Assessorexamen, promovierte über ein völkerrechtliches Thema und arbeitete einige Zeit als Anwalt.
Für die Bewerbung beim Auswärtigen Amt musste ich mir nochmals einen heftigen Ruck geben, denn gegen 1000 Konkurrenten tritt man nicht leichten Herzens an. Wer fällt schon
gerne durch? Nach damals wie heute anspruchsvollem schriftlichen und mündlichem Auswahlverfahren bin ich unter den ersten 40 gelandet und im April 1973 als Attaché
eingestellt worden. Nach einer interessanten und vielseitigen Ausbildung, damals noch von 2 Jahren, davon ein Jahr in Lissabon, habe ich eine Vielzahl von Ländern und eine
große Bandbreite von Aufgaben kennen gelernt: Leiter der Rechts- und Konsularabteilung der Botschaft Athen, persönlicher Referent von Bundeskanzler Helmut Schmidt,
Pressereferent an der Botschaft Lima, Kulturattaché in Den Haag, danach 5 Jahre Bonn, zuerst in der Kulturabteilung, dann mit der Aufgabe, ein Gesetz für den Auswärtigen
Dienst zu erarbeiten. Wir sind inzwischen im Jahr 1990 und ich hatte es inzwischen zum Ministerialrat gebracht. Anschließend war ich fast 6 Jahre als Gesandter, also
Vertreter des Botschafters an der Botschaft Santiago de Chile, wo mich einigermaßen überraschend die Versetzung als Generalkonsul nach Breslau erreichte. Seit 1999 bin ich
Leiter der Aus- und Fortbildungsstätte des Auswärtigen Amts.
Sieben Sprachen habe ich im Laufe der Jahre gelernt, vier spreche ich noch gut, zwei sind reaktivierbar und Neugriechisch habe ich vergessen. Ich habe beim Auswärtigen
Dienst eigentlich einen nicht-juristischen Beruf im Auge gehabt, dennoch hatte ich während meines ganzen Berufslebens mit unterschiedlicher Intensität mit der Juristerei zu
tun. Die Konsularabteilung einer Botschaft ist zugleich Notariat und Standesamt, Ausländer- und Passbehörde, sie betreut Deutsche im Ausland, hilft deutschen Touristen in
Schwierigkeiten ebenso wie deutschen Straftätern oder Beschuldigten. Im schlimmsten Fall geht es um die Organisation umfangreicher Evakuierungsaktionen oder um sensible
Verhandlungen bei Entführungen. Die Bandbreite der juristischen Zuständigkeit im Auswärtigen Dienst ist also ernorm breit, die Aufgaben oft ungewöhnlich und ausgesprochen
spannend.
Für mich wie für die meisten meiner Kollegen ist der ständige Wechsel das Faszinierende an unserem Beruf: alle 3 bis 4 Jahre ein neues Land, seine Geschichte, Kultur,
Politik und gesellschaftlichen Zusammenhänge, oft eine neue Sprache und neue Aufgabe. Das ist lebenslanges Lernen in Reinkultur. Und so steht denn für mich im Sommer der
nächste Wechsel an – ich werde als Botschafter nach Lima/Peru gehen.
Wenn Sie am Auswärtigen Dienst interessiert sind, erhalten Sie Informationen unter
Tel.-Nr. 01888-171139, -171145
oder schriftlich bei
Aus- und Fortbildungsstätte des Auswärtigen Amtes
Gudenauer Weg 134-136
53127 Bonn
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