Stephanie Fehr
LL.M.-Studium in Durham
Angeboten werden folgende einjährige Master-Programme:
- LL.M. (allgemein, Auswahl aus den folgenden Bereichen:)
- LL.M. in European Legal Studies
- LL.M. in Human Rights Law
- LL.M. in International Legal Studies
- LL.M. in International Trade and Commercial Law
Es kann jeweils aus einer Vielzahl von Fächern gewählt werden.
Durham
Durham ist eine Stadt im Nordosten Englands mit fast 40.000 Einwohnern, von denen ein gutes Viertel Studenten sind. Die Kathedrale aus dem 11. Jh. und das Schloss wurden
1986 nicht ohne Grund zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt und waren Drehorte für
Harry Potter, denn sie tragen wesentlich zur atemberaubenden Stadtkulisse bei, die
einen auch noch nach Jahren ins Staunen versetzen kann. Ebenso schön ist die landschaftliche Umgebung, die von Hochmooren geprägt ist. Nahe gelegen sind vier Nationalparks
und auch nach Schottland ist es nicht sehr weit. Das Klima ist ganzjährig relativ kühl und aufgrund der Nähe der Nordsee unglaublich windig. Dafür scheint aber häufig die
Sonne und die Luft ist sehr sauber. Innerhalb Durhams verkehren zahlreiche Busse und der Bahnhof hat u.a. direkte Verbindungen nach Edinburgh, London und Manchester. Vom
leicht zu erreichenden Flughafen in Newcastle fliegen einige traditionelle Fluggesellschaften und Billiganbieter nach Deutschland. Die elitäre Universität bildet einen
starken Kontrast zum Nordosten, der oft als "Armenhaus" Englands bezeichnet wird. Die Gegend hat sich nach wie vor nicht völlig von den Schließungen der Bergbauminen in den
80er Jahren erholt (siehe
Billy Elliot,
The Full Monty) und leidet immer noch unter einer Arbeitslosenrate von fast 10%. Erst in den letzten Jahren wurde in
den Nordosten, vor allem aber in spektakuläre Architektur in Newcastle, stark investiert. Als Student sollte man auf jeden Fall Rücksicht auf die teilweise schwierige Lage
der Einheimischen nehmen und sich nicht als arrogant, reich und verwöhnt darstellen. Andernfalls kann es zu Zwischenfällen kommen, die meines Wissens ausschließlich gegen
männliche Studenten gerichtet sind.
Genau wie Oxford und Cambridge hat die Universität zu Durham ein "Kollegialsystem", d.h. man wird üblicherweise einem College beitreten. Informationen zu diesen kann man
vorab im Internet bekommen (
http://www.dur.ac.uk/colleges/). Sollten keine besonderen Wohnwünsche bestehen,
empfehle ich allen Master- und PhD-Studenten das Ustinov College. Hierbei handelt es sich um das größte, ausschließliche Absolventen-College im Land, das nach Sir Peter
Ustinov benannt ist, der bis zu seinem Tode Kanzler der Universität war. Es hat Mitglieder aus über 90 Nationen und bietet daher interessante Möglichkeiten, um
Freundschaften, Wissen und Sprachkenntnisse zu erweitern. Eher originell als empfehlenswert ist das University College, dessen Mitglieder fast ausschließlich ehemalige
Privatschüler sind, die z.T. täglich Robe tragen und im Schloss wohnen.
Kontakt
University of Durham,
http://www.durham.ac.uk
Informationen/Broschüre zu den LL.B., LL.M. und Ph.D. Programmen:
University of Durham
Department of Law
50 North Bailey
Durham
DH1 3ET
UK
Tel.: 0044-191-3342800
Fax: 0044-191-3342801
E-Mail:
llm@durham.ac.uk
Homepage:
http://www.dur.ac.uk/law
Organisatorisches
Bewerbungsschluss ist jeweils Ende Juli des Jahres, in dem man den Master beginnen möchte, eventuell übrig gebliebene Plätze sind aber weiterhin erhältlich. Es werden neben
dem ersten Staatsexamen zwei Referenzen benötigt, worum man am besten Professoren, Dozenten und/oder Mitarbeiter aus Praktika bitten sollte. Klare Angaben, welche deutsche
Examensnote man haben muss, bekommt man üblicherweise nicht, daher sollte man sich auf jeden Fall bewerben, selbst wenn man kein Prädikat hat/erwartet. Außerdem ist es
zuträglich, den IELTS oder TOEFL mit angemessener Punktezahl bestanden zu haben, was aber nicht unbedingt ausschlaggebend ist. Sollten 7.0 Punkte im IELTS und 600/250
(Papier-/Computertest) im TOEFL nicht erreicht werden, kann stattdessen ein Englischkurs an der Uni belegt werden, der parallel zum LL.M. verläuft und einmal wöchentlich
vier Stunden unterrichtet wird. Wohnheimzimmer werden vom College zugeteilt und Privatunterkünfte muss man sich selber besorgen (s.u.). Alle nötige Hilfe bekommt man
unkompliziert direkt vom College oder vom Law Department.
Studienablauf
Nachdem man für einen Monat alle möglichen Kurse besuchen darf, muss man sich für einige Fächer und eine Dissertation von unterschiedlicher Länge entscheiden. Jedes Fach
wird in Seminarform unterrichtet, normalerweise einmal wöchentlich für 1 ½ Stunden. Typischerweise wird jedes Fach von 2-10 Studenten gewählt, so dass viel diskutiert werden
kann, jedoch auch eine intensive Vorbereitung nötig ist. Letzteres hilft aber wiederum enorm bei den Klausuren (Mitte Mai) und den Hausarbeiten (ein essay pro belegtes Fach
über das Jahr verteilt). Die Klausuren sind dreistündig und man muss sich dabei ein paar Fragen aussuchen, zu denen ein Aufsatz zu schreiben ist. Es kommt garantiert nichts
vor, was nicht im Unterricht erarbeitet wurde, sehr ungewohnt für Deutsche hat man das Schicksal also selbst in der Hand! Nach den Klausuren bleibt bis Mitte September
reichlich Zeit für die Dissertation, deren Thema im Januar festzulegen ist. Ich hatte mich für die Fächer Fundamentals of EC Law, Substantive EC Law und European Human
Rights Law entschieden. Von unterschiedlichen Gelehrten wurde jeweils ihr Spezialwissen in abwechslungsreicher Weise übermittelt und es gelang fast immer, wahres Interesse
in uns zu wecken. Die Vorbereitung auf die Seminare beläuft sich auf ca. jeweils einen Tag und richtet sich nach vorher ausgeteilten Leselisten und Fragen. Außerdem finden
gelegentlich Gastvorlesungen, Konferenzen und Preisverleihungen statt, die man auf keinen Fall verpassen sollte. Gekrönt wird das Studium von der congregation
(Graduierungszeremonie) im darauffolgenden Winter, bei der jedem vom Kanzler in der Kathedrale gratuliert wird und alle Beteiligten originelle Roben tragen.
Wohnen
Ein Wohnheimzimmer beläuft sich auf etwa € 300-450/Monat inkl. NK und es gibt große Unterschiede bezüglich der Qualität. Wer sich einige Monate vor Bewerbungsschluss
meldet, bekommt entsprechend bessere Zimmer vom College zugeteilt (z.B. mit eigenem Bad und in einem modernen Komplex). Wohnungen sind sehr rar und teuer, aber man kann für
ähnliche Preise wie im Wohnheim mit mehreren anderen ein Haus mieten. Dies ist u.a. sehr förderlich für den Kontakt mit Einheimischen und übermittelt ein realistischeres
Bild vom Leben im Nordosten. Wohnungen und Häuser sollten wegen der hohen Nachfrage ebenfalls so schnell wie möglich, nachdem man angenommen wurde, gemietet werden. Da die
Angebote im Accommodation Office der Students' Union meist veraltet sind, bleibt dafür oft nur die Alternative, sich an einen Makler zu wenden. Wer gerne ausgeht, sollte auf
jeden Fall in der Nähe der jeweiligen College-Bar bzw. zentral wohnen.
Finanzen
England ist bekanntermaßen nicht billig, aber Durham liegt wenigstens in einer der preisgünstigsten Regionen des Landes, so dass man mit ca. £ 400/Monat (inkl. Miete)
auskommen kann. Hinzu kommt die Studiengebühr in Höhe von ca. £ 3.000 für EU-Bürger (ca. £ 7.800 für Bürger sonstiger Staaten), die in drei Teilen entrichtet werden kann.
Wer über diese Mittel nicht verfügt, kann sich bei zahlreichen Banken um einen speziellen Kredit oder Dispokredit für Studenten/Absolventen bewerben. Auf jeden Fall sollte
ein Konto eröffnet werden, da manche Zahlungen per Scheck zu entrichten sind. Studentenjobs jeglicher Art sind schwer zu bekommen und belaufen sich hauptsächlich auf
freiwillige Tätigkeiten und Arbeit in Restaurants. Bargeld kann direkt mit der deutschen ec-Karte aus dem Automaten abgehoben werden, aber ein einmaliger Transfer kann die
billigere Option sein.
Sonstiges
Wie man es von einer traditionsreichen Universität erwartet, wird in Durham Sport sehr gefördert und zwar auf College- und auf Universitätsebene. Besonders beliebt sind
Rudern, Kanu, Fußball, Rugby, Cricket, Basketball und Wandern. Wassersport wird hauptsächlich auf der Wear betrieben, die das Stadtzentrum umfließt. Nicht weit enfernt gibt
es außerdem viele, schöne Strände, die teils zum Wellenreiten geeignet sind (eher für Anfänger). Fußball & Co können drinnen und draußen z.T. unter professionellen
Bedingungen gespielt werden. Abgesehen davon gibt es zahlreiche andere Vereinigungen, z.B. Hellenic Society, Latin American Society, Chöre, Theatergruppen, Islamic Society,
AI, Wine und Film Club. Neben den üblichen Diskos, Bars und Kaffeehausketten sind in Durham auch noch einige gemütliche, alte Pubs, Weinbars und Cafés vorzufinden, in denen
man verweilen kann. Abends öffnen die Colleges ihre Bars, in denen es preiswerte Getränke gibt und regelmäßige Feiern – diese haben oft ein Motto, so dass
Karnevalsfans auf ihre Kosten kommen. Für Kunst, Kultur und ein legendäres Nachtleben bietet sich ein Ausflug ins nahegelegene Newcastle an (15 Min. Bahnfahrt), das außerdem
vielseitige und reichliche Einkaufsmöglichkeiten hat.
Angestellte im Law Department werden mit Vornamen angesprochen. Dies wird einem aber nicht gesagt, da dies Ausländern bekanntermaßen schwer fällt und insbesondere die
ProfessorInnen Spaß daran finden, zu beobachten, wie man das Problem anfangs umgeht. Ansonsten sind alle jedoch gerne hilfsbereit und kooperativ. Der Akzent im Nordosten ist
recht gewöhnungsbedürftig und viele (auch Muttersprachler!) verstehen die Einheimischen anfangs gar nicht. Es soll angemerkt sein, dass die Vokale wie im Deutschen und
langgezogen ausgesprochen werden, sowie dass i.A. langsam geredet wird.
Das Law Department in Durham schneidet in den nationalen Ranglisten üblicherweise auf Platz 3 ab und Absolventen aus Durham sind laut Umfragen die bei Arbeitgebern
begehrtesten im UK. Die anerkannteste Rangliste ist dem Times Good University Guide zu entnehmen und sollte auf jeden Fall vor Studienbewerbungen im UK in Betracht gezogen
werden (
http://www.timesonline.co.uk/section/0,,716,00.html). Einige Arbeitgeber bemühen sich
schon während des Studiums, Studenten zu rekrutieren, so laden z.B. Allen&Overy alle deutschen "LLMer" zum Abendessen ein. Mit diesem Studiengang eröffnen sich
weitreichende Möglichkeiten auf dem juristischen und außerjuristischen Arbeitsmarkt. Einen LL.M. (oder Ph.D.) in Durham kann ich daher uneingeschränkt empfehlen.