Thilo Schulz
18.06.2004
Vollstreckungsrecht für Referendare
Eine Rezension zu:
Jürgen Breiler
Zwangsvollstreckungsrecht im Assessorexamen und in der Praxis
1. Auflage
Springer, Berlin/Heidelberg 2004, 393 Seiten, 22,95 €
ISBN 3-540-43543-3
http://www.springer.de
 Das Zwangsvollstreckungsrecht fristet im Studium oft ein
Schattendasein. Zwar gehört es nach den Prüfungsordnungen der meisten Bundesländer bereits zum Pflichtfachkanon im ersten Staatsexamen. Klausuren mit
zwangsvollstreckungsrechtlichem Schwerpunkt sind dort allerdings sehr selten. Es werden – wenn überhaupt – eher einzelne Aspekte in Form von Zusatzfragen
abgeprüft.
Diese Gegebenheiten sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Zwangsvollstreckungsrecht spätestens zum zweiten Staatsexamen von größerer Bedeutung ist. Hier gibt
es immer wieder Klausuren, die zu einem guten Teil in dieser Materie ihrem Schwerpunkt haben. So lässt sich bei entsprechender Gestaltung im Rahmen einer
Vollstreckungsabwehrklage nach § 767 ZPO oder einer Drittwiderspruchsklage nach § 771 ZPO leicht das Verständnis von materiellem Recht, Erkenntnis- und
Zwangsvollstreckungsverfahren in einer Klausur abprüfen. Ein guter Grund, in diesem Rechtsgebiet nicht "auf Lücke" zu lernen.
Da der Autor selbst seit mehreren Jahren Richter und Referendarsausbilder ist, hat er das Buch speziell auf die Bedürfnisse von Referendaren zugeschnitten. Wie schon der
Titel verrät, will er aber noch mehr bieten. Das Buch soll auch für die Praxis im Anschluss an das Referendariat von Nutzen sein.
Das Werk ist klassisch aufgebaut. Breiler beginnt mit den allgemeinen Rechtmäßigkeitsvoraussetzungen einer jeden Zwangsvollstreckungsmaßnahme. Es schließen sich
Darstellungen zu den einzelnen Vollstreckungsarten an (wegen Geldforderung in Sachen, Geldforderung in Geldforderung, Herausgabe von Sachen usw.).
Teil 2 behandelt die Rechtsbehelfe in der Zwangsvollstreckung. Hier liegt für Referendare wohl der größte Gewinn: Breiler streut immer wieder Formulierungs- und
Tenorierungsbeispiele ein. So wird anschaulich, wie man auch in der Klausur oder Praxis zu schreiben hat. Der Stoff wird dadurch unmittelbar verwertbar und bleibt nicht
abstrakt.
Das Klauselverfahren wird relativ kurz in einem eigenen Abschnitt behandelt. Teil 4 ist wieder wichtiger. Hier geht es um den einstweiligen Rechtsschutz. Besonders dieses
Kapitel ist wieder gut gelungen. Auch an dieser Stelle finden sich jede Menge Formulierungsbeispiele, die für die Klausurvorbereitung von großem Nutzen sind.
Am Ende gibt Breiler Tipps zur Klausurtaktik für zwangsvollstreckungsrechtliche Examensklausuren. Diese sind an den verschiedenen Klausurtypen ausgerichtet. Sie sind zwar
knapp gehalten, bieten aber zumindest einen ersten Einstieg.
Gesamteindruck:
Das Buch ist übersichtlich und gut lesbar. Positiv fallen die vielen praktischen Hinweise und die guten Formulierungs- und Tenorierungsbeispiele auf. Einziger Nachteil ist
der hohe Umfang. Mit fast 400 Seiten ist man doch eine Weile beschäftigt. Wer allerdings noch keine Ahnung vom Zwangsvollstreckungsrecht hat und sich für das zweite
Staatsexamen fit machen will, kann sich dieses Buch guten Gewissens zulegen.
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