Stefanie Samland
26.01.2004
Gutes Konzept an Layout gescheitert
Eine Rezension zu:
Lutz Michalski
Zivilprozessrecht
Strukturen – Zusammenhänge
Definitionen – Übersichten – Skizzen
mit Fällen und Lösungen
2. Auflage
Heymanns, Köln/Berlin 2003, 314 Seiten, 29,50 €
ISBN 3-452-25232-9
http://www.heymanns.com
In der Reihe Examenstraining Jura präsentiert der Heymanns-Verlag zum Zivilprozessrecht ein Werk mit einer ungewöhnlichen didaktischen Konzeption. Keine
lehrbuchartigen Ausführungen, sondern Übersichten mit Erläuterungen erwarten den Leser. So ist das Buch von Michalski nicht zur alleinigen Aneignung des Stoffes
gedacht, sondern als Ergänzung zu Vorlesung und klassischem Lehrbuch. Schon beim ersten Durchblättern wird klar, dass der Verfasser den Untertitel ernst nimmt. Nahezu auf
jeder Seite finden sich Merkkästen, Schemata oder Übersichten. Beispielsfälle sind ebenfalls in grau hinterlegten Kästen abgedruckt.
In insgesamt 22 Abschnitten widmet sich Michalski den klausurträchtigsten Punkten des Zivilprozessrechts. Das Buch ist auf dem neuen Stand der für den Zivilprozess
wichtigen Reformen und enthält Euro-Angaben in den Fällen. Der Stoff ist sehr übersichtlich strukturiert, so finden sich zur Beteiligung Dritter am Prozess acht Seiten, auf
denen die Voraussetzungen und Merkmale von Haupt- und Nebenintervention, Streitverkündung, Prätedendenstreit und Urheberbenennung schematisch dargestellt werden. Auch die
Rechtsmittel der ZPO werden am Ende des Buches behandelt. Das vorletzte Kapitel enthält mehrere Fälle mit Lösungen ohne weitere Erläuterungen zur Wiederholung und
Vertiefung, das letzte Kapitel beschäftigt sich mit der Arbeitsgerichtsbarkeit.
Zur Unterstützung seines Konzepts, durch Übersichten dem Leser Strukturen und Zusammenhänge näher zu bringen, bedient sich Michalski verschiedenster layouttechnischer
Elemente, insb. Aufzählungen, grau hinterlegter Merkkästen, Tabellen und Schemata, aber auch verschiedener Schriftgrößen. Soweit ist dies auch eine fabelhafte Idee, die vor
allem ein gezieltes Nachschlagen einzelner Themengebiete sehr anschaulich machen kann, jedoch ist der Gebrauch dieser Layout-Elemente nicht so geglückt, wie es dem
didaktischen Konzept zu wünschen gewesen wäre.
Schon die Erläuterungsschrift ist zu klein, um das Buch entspannt zu lesen. Die Schrift der Beispielsfälle ist sogar noch kleiner, so dass das Arbeiten mit dem Buch
teilweise anstrengt. Gegen diese Schriftgrößen, die bei ungefähr 7 bis 9 Punkt liegen dürften, wirken die Überschriften überdimensional. Die Überschriften auf den Seiten der
schematischen Darstellungen sind teilweise noch größer und fett und unterstrichen dargestellt, was schon übertrieben wirkt. Zudem fällt auf, dass Zeilenumbrüche zuweilen
zwischen Zahl und Währungseinheit stattfinden, was man zur schöneren Lesbarkeit mit einfachen Mitteln hätte vermeiden können. Die Gliederungsebenen sind hier und da nicht
normkonform, z.B. geht es im Kapitel 4 um Streitgegenstand und Rechtshängigkeit. Es beginnt mit einer Gliederungsebene "A, B..." bezogen auf Unterpunkte zum
Streitgegenstand, danach folgt eine Überschrift "Rechtshängigkeit", die wohl eine Ebene höher angesiedelt sein soll, da darauf folgend wieder Gliederungspunkte "A, B..." zur
Rechtshängigkeit zu lesen sind. Anschließend gibt es eine Zusammenfassung zum Thema Streitgegenstand. Dieses Kapitel hätte man mit Sicherheit sinnvoller gliedern können, bei
anderen ist es ähnlich. Ebenfalls fällt auf, dass Überschriften der gleichen Gliederungsebene nicht einheitlich gestaltet sind, mal ist ein Gliederungspunkt mit römischer
Nummerierung so groß wie der Gliederungspunkt "A", mal viel kleiner. In den Grautönen der Merkkästen und Übersichten ist auch kein System zu erkennen. Kästen, die
nebeneinander unterschiedliche Dinge darstellen sollen, sind in verschiedenen Grautönen hinterlegt, obwohl sie gliederungstechnisch auf einer Höhe stehen und ebenso gut die
gleiche Farbe hätte verwendet werden können. Das Dunkelgrau, welches teilweise verwendet wird, ist so dunkel, dass man die schwarze Schrift darauf nur mit Mühe lesen kann.
Auffällig sind schließlich die leeren Seiten, die dadurch bedingt sind, dass ein neues Kapitel immer auf einer linken Seite beginnt. Diese sowie die ganze Seite, die für
eine Kapitelüberschrift jeweils in Anspruch genommen wird, stehen im Widerspruch zu der kleinen Schrift des Textes.
Gesamteindruck:
Das Konzept des Buches, anhand von Schemata mit kurzen strukturierten Erläuterungen einzelne Punkte zum Zivilprozessrecht nachzuarbeiten, ist sehr lobenswert. Die
Ausführungen sind zu diesem Zweck in angemessener Länge vorhanden und mit wenigen einschlägigen Fundstellen untermalt. Lediglich die grafische Umsetzung lässt sehr zu
wünschen übrig. Die kleinen Schriftarten und teilweise dunkelgrauen Tabellenkästen lassen die Lernmotivation aufgrund schlechter Lesbarkeit des Buches schnell wieder in den
Keller rutschen. Bei der nächsten Auflage sollte das Layout grundlegend überarbeitet und Formatvorlagen sowie hellere Farben und größere Schrift verwendet werden.
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