Jurawelt

Artikel 8634
Hannes Münchinger
08.12.2003

Der Weg einer Klage

Eine Rezension zu:

Ernst Becht

Einführung in die Praxis des Zivilprozesses


JuS Schriftenreihe Band 128 – Referendarpraxis

2. Auflage

C.H. Beck, München 2002, 363 Seiten, 18,50 €
ISBN 3-406-49191-X

http://www.beck.de


Keine klassische Einführung in das Recht der Zivilprozessordnung, sondern eine Einführung in die zivilprozessuale Praxis ist das Ziel des Autors des vorliegenden Buches. Nach und nach geht Ernst Becht die verschiedenen Schritte einer Klage von der Sachverhaltsermittlung durch den Rechtsanwalt bis hin zum Urteil und den Rechtsmitteln durch. Damit richtet er sich vordergründig an Rechtsreferendare, die aus dem Studium bis zum 1. Examen nur die für die Klausuren notwendigen Kenntnisse der ZPO mitbringen und eine echte Klageschrift höchstens in den Pflichtpraktika einmal gesehen haben.

In der Einleitung geht Becht auf die Grundsätze des Zivilprozesses ein. Hier grenzt er z.B. den Verhandlungsgrundsatz des Zivilprozesses vom Untersuchungsgrundsatz des Strafprozesses, der in der ZPO nur sehr begrenzt Einschlag findet, ab. Der zweite Teil ist dem vorgerichtlichen Verfahren beim Rechtsanwalt gewidmet. Gerade durch die Juristenausbildungsreform ist das Anwaltshandeln stärker in den Fokus der Ausbildung gerückt. In diesem Teil werden auch das Schiedsgerichtsverfahren oder der vollstreckbare Anwaltsvergleich behandelt. Ausführlicher wird es in Teil 3 zur Klageschrift. Zunächst werden die einzelnen Gerichtsstände analysiert. Besonders hingewiesen wird auf den ausschließlichen Gerichtsstand der Zwangsvollstreckung in § 802 ZPO, der in der ZPO-Anfängervorlesung eher keine Rolle spielt. Eingängig beschäftigt sich der Autor mit der Verweisung des Rechtsstreits nach § 281 ZPO, hierzu gibt es auch mehrere längere Fußnoten. Auch ein möglicher Tenor eines Verweisungsbeschlusses wurde abgedruckt. Es folgen Ausführungen zu den Parteien im Zivilprozess, wobei der Streit über die Parteifähigkeit der GbR sehr mager ausfallen. Im Bereich des Klageantrags gibt Becht Tipps, wie dieser richtig formuliert wird. Anhand der einzelnen Klagearten findet der Leser jeweils eine passende Formulierung als Beispiel. Auch formelle Anforderungen wie die Zahlung des Gerichtskostenvorschusses werden genannt. Zum Ende dieses Abschnitts bietet der Autor eine komplette Klageschrift als Muster.

Im Kapitel über die Organe der Rechtspflege findet auch das Standesrecht des Rechtsanwalts Beachtung. Ist die Klage dann bei Gericht gelandet, wird dort erstmal eine Akte angelegt. Selbst ein Eingangsstempel ist als Muster mit abgedruckt, so wird das Ganze sehr anschaulich. Die Geschäftsverteilung und Registerzeichen werden im Folgenden erläutert. Weitere Musterverfügungen und Schriftsätze sind immer wieder in den Text eingebettet, so z.B. bei den Möglichkeiten, wie der Richter nach Eingang der Klage mit dieser weiter verfährt. Ein besonderes Augenmerk ist der Zustellung der Klage gewidmet, zu diesem Punkt gibt es auch eine vergleichende Übersicht von neuem und altem Recht. Anschließend behandelt der Autor das mögliche Reagieren des Beklagten und dessen Niederschlag im Tenor des Urteils.

Zum Verhandlungstermin findet sich eine detaillierte Übersicht des Ablaufs sowie ein Muster eines Verhandlungsprotokolls. Wer dies gelesen hat, wird sich auch in seiner Gerichtsstation gut zurechtfinden. Gleiches gilt für das Kapitel über das Urteil, welches dem Kapitel über die Beweisaufnahme folgt. Auch die Berechnung von Rechtsanwaltsgebühren wird nicht unterschlagen, ebenfalls ein Thema, das erst nach dem 1. Examen relevant wird. Nach dem Prozessvergleich werden einzelne Verfahrensarten noch genauer betrachtet, nämlich das Säumnisverfahren und das Mahnverfahren. Im letzten Teil des Buches geht Becht auf das Berufungsverfahren ein.

Gesamteindruck:
In einer sehr anschaulichen Art und Weise bereitet Becht Referendare auf ihre Tätigkeit in der anwaltlichen und gerichtlichen Praxis des Zivilprozesses vor. Wer das Buch gründlich durchgelesen hat, wird sich in gerichtlichen Verfügungen und Anwaltsschriftsätzen mühelos zurechtfinden. Nähere Erläuterungen in den Fußnoten sowie die zahlreichen Beispiele und Musterschriftsätze gestalten den Stoff sehr praxisnah.





Copyright © 2000-2008 Jurawelt