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Artikel 5782
Sebastian Walter

Zivilprozessrecht - Anwaltliche Prozessführung in der ersten Instanz

Harald Crückeberg

Zivilprozessrecht

Anwaltliche Prozessführung in der ersten Instanz

2. Auflage

Deutscher Anwalt Verlag, Bonn 2002, 222 S., EUR 35,--
ISBN 3-8240-0516-6

http://www.anwaltverlag.de


Bekanntermaßen trat zum 01.01.2002 das ZPO-Reformgesetz in Kraft. Umfassende Änderungen finden sich nicht nur in der ersten Instanz - gedacht sei hier nur an die Güteverhandlung, die verstärkten richterlichen Pflichten oder auch die vielfältige Normierung bekannter Regelungen -, sondern auch und gerade in der Berufungsinstanz: Der Verfahrensablauf stellt sich anders als bisher dar, die Berücksichtigung von in der ersten Instanz präkludierten Beweismitteln ist erheblich erschwert, und auch der Einzelrichter spielt eine neue Rolle. Gerade für den erfahrenen Anwalt bietet die Reform Gelegenheit, sich mit manchen vergessenen Regelungen der ZPO oder deren Grundstruktur neu auseinanderzusetzen und hierbei die Änderungen aufzunehmen. Und hier liegt ein wesentliches Einsatzfeld für das hier rezensierte Werk von Harald Crückeberg; ebenso aber ist es gut geeignet für den angehenden Anwalt oder den fortgeschrittenen Referendar.

Von Crückeberg, seines Zeichens vorsitzender Richter am Landgericht, kleidet sein Werk in acht Hauptkapitel, die alle wesentlichen Bereiche der ZPO abdecken und zu Gunsten einer guten Übersichtlichkeit in zahlreiche Unterkapitel unterteilt sind. Behandelt wird aber nicht nur die ZPO als solche, sondern auch viele Randfelder wie die neuen Verjährungsregelungen und deren Auswirkungen sind abgedeckt. Über dreißig Seiten werden die wichtigen vorprozessualen Tätigkeiten von Beratung bis zu Beweissicherung und Gerichtswahl dargestellt. Genügend Raum wird auch den "klassischen" praktischen Problemfeldern wie der Präklusion von Beweismitteln, der PKH, der Beweislastverteilung oder - erfreulicherweise - dem Urkundsprozess gewidmet. Sämtliche Themen sind mit grundlegenden prozesstaktischen Erwägungen verknüpft. Diese sind gerade für junge Anwälte oder Referendare sehr aufschlussreich und helfen, gute Ansätze für die Tätigkeit in der Praxis bzw. eine praxisnahe Klausur zu finden. Auch für "alte Hasen", denen die Hinweise bisweilen selbstverständlich scheinen werden, werden oft interessante Hinweise und Richtungen gegeben. Der Autor zeigt nicht nur die eigenen Möglichkeiten und optimale Wege auf, sondern weist auch auf die Gefahren hin, die durch prozesstaktische Spiele der Gegenseite drohen können. Dass die Ausführungen hier nicht enden, sondern auch Techniken zur Vermeidung hieraus resultierender Nachteile dargestellt werden, versteht sich von selbst.

Die Sprache ist erfrischend klar und prägnant, auf unnötige Verziehrungen wird bewusst verzichtet, Crückeberg kommt rasch auf den Punkt. Der Praxisbezug ist nicht zu verkennen, dadurch wird das Lesen dankbar kurzweilig. Auch das Nachschlagen von Einzelproblemen ist angesichts des ordentlichen Inhaltsverzeichnisses gut möglich. Einzig wünschenswert wären deutlich mehr Literaturverweise: Zu Vieles stammt ersichtlich aus konkreten Urteilen, muss dann aber umständlich über JURIS gesucht werden, wobei es doch mit ein paar Fußnoten deutlich einfacher geht. Zugestanden aber, dass alle wesentlichen Urteile und gerade diejenigen, die überraschen und häufig Verwendung finden werden, regelmäßig kommentiert sind.

Unter dem Strich ist festzuhalten, dass sich das Werk zur kurzen Einarbeitung in die Änderungen der ZPO hervorragend und zur Wiederholung von grundlegenden Fragen ebenso exzellent eignet. Durch den typischen Stil der Bücher des Deutschen Anwalt Verlags macht das Lesen Freude, durch den klaren Stil des Autors erhält man relativ tiefgehende Informationen in einer sehr leicht zu verstehenden und vor allem zu merkenden Art und Weise. Das Buch ist nicht gerade günstig, aber die Anschaffung lohnt sich. Eine klare und uneingeschränkte Empfehlung also für alle, die in der Praxis mit der ZPO in Berührung kommen: besser kann eine praxisorientierte Darstellung kaum sein.





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