Stefanie Kleinmanns
08.10.2006
Mischung aus Lehr- und Klausurbuch
Eine Rezension zu:
Rolf Lackmann / Johannes Wittschier
Die Klausur im Zwangsvollstreckungsrecht
mit Insolvenzrecht
2. Auflage
Verlag Vahlen, München 2005, 217 Seiten, 15,- €
ISBN 3-8006-3178-4
http://www.vahlen.de
Das Zwangsvollstreckungsrecht kommt erfahrungsgemäß im Studium zu kurz, wird aber im Referendariat zum Gegenstand vieler Klausuren gemacht. Dem trägt das vorliegende Buch
Rechnung, welches sich nicht in lehrbuchartigen Ausführungen erschöpft, sondern 8 Klausuren aus dem Zwangsvollstreckungs- und Insolvenzrecht nebst Musterlösungen enthält.
Die Verfasser verfolgen ein Konzept, das aus einer Mischung aus Lehrbuch und Klausurenbuch besteht. Es werden jeweils einführende Kapitel den Klausuren vorangestellt.
Dies hat zum einen den Vorteil, dass der Leser, der schon Vorkenntnisse im Zwangsvollstreckungsrecht hat und nunmehr seine Kenntnisse nur auffrischen und in der
Fallbearbeitung anwenden möchte, kein weiteres Buch benötigt, sondern auch die "theoretischen" Fragen repetieren kann. Allerdings sei auch angemerkt, dass die lehrbuchartige
Darstellung jeweils nur einen Überblick gibt und für eine umfassendere Darstellung auf andere Bücher, z.B. das Zwangsvollstreckungsrecht-Buch von einem der Autoren,
zurückgegriffen werden muss. Als möglichen Nachteil kann es empfunden werden, dass die Ausführungen teilweise schon sehr gezielt auf die sich anschließenden
Klausurschwerpunkte hinführen. Wer "unvoreingenommen" an eine Klausur herangehen möchte, sollte daher lieber erst die Klausur lösen und anschließend den Lehrbuch-Teil
lesen.
Etwas befremdlich ist bei einer 2005er-Auflage, dass einzelne Fälle noch in den 90er Jahren spielen. Die Jahreszahlen wurden nicht aktualisiert, aber die Geldbeträge in
runde Euro-Beträge umgewandelt – allerdings mit den nun krummen DM-Beträgen in Klammern. Wofür diese gut sein sollen, erschließt sich nicht. Dies führt auch in dem
Fall zur Vollstreckungsgegenklage dazu, dass altes Verjährungsrecht anzuwenden ist. Zwar mag es sinnvoll sein, sich in Art. 229 § 6 EGBGB auszukennen und herauszufinden,
welches Recht anwendbar ist, jedoch wird dies im Examen mangels entsprechender Gesetzestexte und Kommentierungen eher nicht vorkommen. Daher wäre es angezeigt gewesen, nicht
nur die Geldbeträge, sondern den ganzen Fall auf den neuesten Stand zu bringen. Ebenfalls merkwürdig ist angesichts der Anwendung des alten Verjährungsrechts die Tatsache,
dass in Gebührenfragen plötzlich nicht die BRAGO, sondern das RVG angewendet wird, bei einem Sachverhalt, der im Jahre 2002 abgeschlossen wird. Überdies ist auffällig, dass
auch die Fundstellennachweise in diesen Fällen ca. 10-20 Jahre älter sind als in den neueren Fällen des Buches.
Hervorzuheben ist, dass die Klausuren das gesamte Zwangsvollstreckungsrecht abdecken und auch hin und wieder die Anwaltsperspektive beleuchten. Des Weiteren ist der
Abschnitt über das Insolvenzrecht mit 40 Seiten und zwei Klausurbeispielen absolut ausreichend, so dass für diesen Bereich kein weiteres Buch notwendig ist.
Gesamteindruck:
Wenn in der nachfolgenden Auflage die Klausursachverhalte und Fundstellen auf den aktuellen Stand gebracht werden, ist das vorliegende Buch eine gute Quelle zum Einstieg in
die Zwangsvollstreckungsrechtklausur. Die 15,- € sind sicherlich gewinnbringend angelegt, vor allem, wenn man bei unklaren Fragen oder für Details ggf. in anderen
Werken weiterliest. Ob man die Mischung aus Lehr- und Klausurbuch gut findet oder lieber ohne "Wegweiser" Klausuren üben und dafür ein umfassenderes Lehrbuch lesen möchte,
ist sicherlich Geschmackssache.
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