Jurawelt

Artikel 10728
Florian Wörtz
03.12.2005

Praxisratgeber

Eine Rezension zu:

Rainer Hock / Günter Mayer

Immobiliarvollstreckung


Reihe: Tipps und Taktik

2. Auflage

C.F. Müller, Heidelberg 2005, 408 Seiten, 44,- €
ISBN 3-8114-5068-9

http://www.cfmueller-verlag.de


In den wirtschaftlich schwierigeren Zeiten füllen sich die Zeitungsspalten, die bevorstehende Zwangsversteigerungen ankündigen. Das Rechtsgebiet "Häuser unter dem Hammer" ist jedoch eine sehr komplizierte Materie, bei welcher nicht unerhebliche Summen Geld im Spiel sind. Der Verlag wähnt im Bereich des Immobiliarvollstreckungsrecht eine literarische Lücke für denjenigen Leser, der keine Vorkenntnisse im Bereich des Zwangsversteigerungsgesetzes vorweisen kann und mit guten Kommentaren und Studienbüchern zu dicke Bretter bohren müsste. In der Tat fällt bei einem Blick ins weite Feld der Fachliteratur auf, dass man diesbezüglich tatsächlich von einem Vakuum sprechen kann.

Das Buch folgt einem sehr stringent-systematischen Aufbau des Ablaufs der einzelnen Teile des jeweiligen Verfahrens und führt dabei jeweils von der Anordnung bis zur Erlösverteilung und Schlussabwicklung. Nach einer sehr allgemeinen Einführung in die Materie, der Gegenstände und Arten des Immobiliarvollstreckungsrechts sowie deren gesetzlicher Grundlagen wendet sich das Buch im ersten Teil der so genannten Vollstreckungsversteigerung, also der Zwangsversteigerung zum Zwecke der Zwangsvollstreckung. Didaktisch besonders gut gelungen ist hierbei die Unterteilung der Ausführungen in einen Abschnitt über Versteigerung eines Grundstücks sowie einen zweiten Abschnitt über die Versteigerung mehrer Grundstücke. Regelmäßig entstehen bei der Anwendung des Zwangsversteigerungsgesetzes Schwierigkeiten, wenn mehrere Grundstücke im einheitlichen Verfahren versteigert werden. In der zweiten Auflage wurde das Buch erheblich ergänzt und erweitert, sodass in den weiteren Teilen nun auch die Teilungsversteigerung, Zwangsverwaltung und Insolvenzverwalterversteigerung mit aufgenommen wurden. Das Buch trägt damit der steigenden Praxisrelevanz dieser Bereiche Rechnung. Der zweite Teil des Werkes umfasst nun in der Neuauflage die Zwangsversteigerung zum Zwecke der Aufhebung einer Gemeinschaft oder so genannten Teilungsversteigerung. Diese bekommen nicht zuletzt angesichts zahlloser Ehescheidungen eine größere Bedeutung. Die Zwangsverwaltung stellt den dritten Teil dar. Nach einer Abgrenzung zwischen Zwangsversteigerung und Zwangsverwaltung werden die Feinheiten der Zwangsverwaltung erklärt. Die Ausführungen beschränken sich jedoch nicht lediglich auf das Anordnungsverfahren und die Beschlagnahmewirkung, sondern gehen auch auf die Bestellung und die Aufgaben des Zwangsverwalters nebst dessen Vergütung ein. Das Buch endet mit Ausführungen zur Zwangsversteigerung auf Antrag des Insolvenzverwalters.

Die Autoren verstehen es meisterhaft, die schwierigen Strukturen des Immobiliarvollstreckungsrechts verständlich und übersichtlich darzustellen. Die Visualisierung der Materie durch zahlreiche Checklisten, Muster und Beispiele machen die Materie gut fassbar. Der Sprachstil steht der optischen Ausgestaltung des Buches in keiner Weise hinterher. Die Ausführungen sind stets gut verständlich und geben dem Leser neben zahlreichen Tipps auch Formulierungsvorschläge für die entsprechenden Schriftsätze und Anträge. Verknüpfungen zum Insolvenzrecht und zur Mobiliarvollstreckung bestehen. Inhaltlich sind die Autoren ebenfalls über jeden Zweifel erhaben, sind sie schließlich allesamt ausgewiesene Experten auf diesem Gebiet: Rainer Hock ist Rechtspfleger und Dozent an der Fachhochschule für Rechtspflege in Schwetzingen mit Schwerpunkt im Zwangsversteigerungsrecht. Albert Hilbert ist ebenfalls Rechtspfleger und als Oberamtsrat Abteilungsleiter für Insolvenz- und Zwangsversteigerungsverfahren am Amtsgericht Tübingen. Günther Mayer ist Justizoberamtsrat i.R. und in seinem Berufsleben als Rechtspfleger und Dozent an der Fachhochschule für Rechtspflege in Schwetzingen. Literatur und Rechtsprechung finden Berücksichtigung, ohne sich dabei in den Untiefen von Meinungsstreitigkeiten zu verlieren.

Gesamteindruck:
Das Werk wird der Konzeption des Verlags nach einem Praxisratgeber voll gerecht. Die Autoren vermögen es geschickt, sowohl die Kenntnis der Grundzüge des Immobiliarvollstreckungsrechts als auch die Kniffe einer effektiven Vollstreckung zu vermitteln. Für den Leser ohne Vorkenntnisse dürfte es zu diesem Buch kaum eine Alternative geben. Für Rechtsanwälte und Mitarbeiter von Kreditinstituten kann dieses Buch als ein wichtiger Leitfaden bei der Durchsetzung der Beteiligteninteressen dienen, aber auch Rechtspfleger finden mit diesem Werk eine wertvolle Stütze für ihre Ausbildung und tägliche Praxis.





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