
Die Beschäftigung mit der Juristerei birgt eine große Gefahr: Allzu leicht lässt
sich jeder Jura-Einsteiger verschrecken von der schier undurchdringlich erscheinenden Paragrafenfülle im Dschungel der großen Rechtsgebiete. Ein großer Fehler ist es, sich
im Umkehrschluss aus der Erkenntnis, dass man allein für das Lesen des Schönfelders Jahre bräuchte, gar nicht mehr mit den Gesetzen zu beschäftigen und stattdessen Schemata
in Skripten oder Lehrbüchern auswendig zu lernen.
Die Reihe
Recht - schnell erfasst aus dem Springer-Verlag beugt dieser Gefahr vor, indem sie auf der einen Seite die wichtigsten Regeln im Umgang mit juristischen
Problemen den Regeln aus den "einschlägigen" Paragrafen der jeweiligen Rechtsgebiete entnimmt. Auf der anderen Seite liefert die Reihe das für eine Klausurlösung notwendige
Zusatzwissen, das nicht so ohne weiteres aus dem Gesetzestext klar wird. So auch beim Buch "Bürgerliches Recht – schnell erfasst" von Peter Katko.
Der Autor trifft dabei eine Vorauswahl der rund 300 wichtigsten Paragrafen des BGB, anhand derer er absolutes Basiswissen (v.a. im AT, Schuld- und Sachenrecht, weniger im
Familien- und Erbrecht) vermittelt, das dem Jurastudenten eigentlich spätestens nach den großen Scheinen in Fleisch und Blut übergegangen sein sollte. Katkos Ziel ist es
dabei, Spaß am Thema zu vermitteln und genügend Handwerkszeug für den Studenten zu liefern, der sich in weiterführender Literatur zurechtfinden möchte. Ein lockeres Layout
mit vielen kurzen Abschnitten, ausreichend schematischen Überblicken und vor allem mit immer wieder eingestreuten Bildern (zum Beispiel zur Lebensrettung, die GoA ist (!),
S. 181) stellt zumindest die Erreichung dieses Ziels sicher.
Zielgruppe dieses Buches kann aber nur sein, wer sich entweder zum ersten Mal mit Jura beschäftigt oder sich in der Examensvorbereitung in einem Tag ein gesamtes
Rechtsgebiet in Erinnerung rufen möchte. Schon der Autor geht davon aus, dass so mancher Leser eine Textausgabe des BGB noch gar nicht in den Händen hatte...
Ein Plus des Buches ist also, dass es die Angst vor dem dicken BGB nimmt und eine breite Basis an Verständnis schafft. Allerdings sei jeder Student gewarnt vor dem
Trugschluss, dass Bücher dieser Reihe mit Werken wie "Bürgerliches Recht" (Dieter Medicus) oder "Sachenrecht" (Mathias Habersack) konkurrieren. Im Gegensatz zu diesen
fördert die Reihe
Recht - schnell erfasst gerade nicht das (für Studenten punkteträchtige!) Auffinden und Lösen von Problemen, die sich aus Lücken oder
gesetzgeberisch gewollter Offenheit der Tatbestände des Bürgerlichen Rechts ergibt - die Fähigkeit, sich Probleme in der Klausur selbstständig zu erschließen, lernt ein
Student allerdings nur, wenn das notwendige Basiswissen vorhanden ist! Zu dessen Aneignung ist das Werk von Peter Katko uneingeschränkt zu empfehlen.