Jurawelt

Artikel 7851
Hannes Münchinger

Einführung vor allem für Nichtjuristen

Eine Rezension zu:

Thomas Zerres

Bürgerliches Recht

Ein einführendes Lehrbuch in das Zivil- und Zivilprozessrecht

4. Auflage

Springer, Berlin/Heidelberg 2002, 376 Seiten, 21,45 €
ISBN 3-540-43771-1

http://www.springer.de


Das Einführungslehrbuch zum Bürgerlichen Recht wendet sich neben Universitätsstudenten auch an Studierende an Fachhochschulen, Wirtschafts- und Verwaltungsakademien sowie Industrie- und Handelskammern und hat damit als Zielgruppe nicht unmittelbar Jurastudenten, sondern vor allem Studenten mit Recht im Nebenfach. Dies äußert sich darin, daß das Familien- und Erbrecht vollständig ausgeklammert wird und nur Grundzüge des Zivilprozeßrechts erläutert werden. So enthält das Buch also die Basics aus den ersten drei Büchern des BGB sowie aus dem Zivilverfahrensrecht.

Zu Beginn führt Zerres seine Leser in die juristische Arbeitsmethodik ein. In diesem ersten Kapitel finden sich knappe Hinweise zur Fallbearbeitung, eine Erläuterung der Struktur des Bürgerlichen Rechts, einige Ausführungen zum Einfluß des Europarechts auf das deutsche Recht, Hinweise zu Sonderprivatrechten – vor allem auf die entsprechenden Gesetze, die Rechte, die im Bürgerlichen Gesetzbuch normiert sind, für besondere Adressaten, z.B. das HGB für Kaufleute oder das UrhG für Urheber und ihre Werke, regeln – und eine kurze Abhandlung zum öffentlichen Recht als weiteres großes Rechtsgebiet neben dem Zivilrecht. Schließlich wird an einem einfachen Beispiel die Fallbearbeitung näher dargestellt. Ein Anhang mit den unter Jurastudenten allseits bekannten "Ratschlägen" wie "Ein Blick ins Gesetz erspart Geschwätz" sowie einer Übersicht von Anspruchsgrundlagen rundet das erste Kapitel ab. Für Nichtjuristen ist dieses Kapitel zur Einarbeitung in die juristische Fallösungstechnik und als Überblick über die zivilrechtlichen Gesetze sicher eine gute Hilfe.

Auch in den folgenden Bereichen ist erkennbar, daß die Hauptzielgruppe des Buches nicht aus Jurastudenten besteht. Zerres versucht das Verständnis des Bürgerlichen Rechts denkbar einfach zu machen. Hierzu bildet er Übersichten ab, die Strukturen darstellen, flechtet immer wieder gelungene Beispiele, die mit einem senkrechten Strich am Rand gekennzeichnet sind, ein oder verweist auf Klassiker-Fälle wie den der Trierer Weinversteigerung. Dagegen finden sich keine umfangreichen Fußnoten, einschlägige Literatur und Rechtsprechung wird knapp in Klammern direkt in den Text gesetzt.

Im Schuldrechts-Teil wurden im Vergleich zur Vorauflage die Änderungen durch die Schuldrechtsreform eingearbeitet. Das alte und neue Recht werden teilweise nacheinander vergleichend dargestellt, wie z.B. bei der Unmöglichkeit. Zudem finden sich aktuelle Literaturhinweise, die schon die Schuldrechtsreform berücksichtigen.

Trotz des Anspruchs, den allgemeinen Teil des BGB, das Schuldrecht, das Sachenrecht und das Zivilprozeßrecht in einem Buch abzuhandeln, fehlen auch Details nicht. Im Rahmen des Kaufrechts geht der Autor auf internationale Kaufverträge und das UN-Kaufrecht auf anderthalb Seiten ein, außerdem finden sich Verweise in das HGB sowie Erläuterungen zum Leasingvertrag. Dagegen beschränkt sich das Sachenrechts-Kapitel auf Ausführungen zu den Grund-Problemen um Eigentum und Besitz. Hypotheken oder Pfandrechte werden in diesem Buch vergeblich gesucht. Gleiches gilt für das Zivilverfahrensrecht, auch hier sind nur Grundkenntnisse mit Hilfe des vorliegenden Buches zu erlangen.

Gesamteindruck:
Etwas gewöhnungsbedürftig ist die relativ kleine Schrift. Ansonsten ist das Lehrbuch zum Bürgerlichen Recht für alle diejenigen sehr interessant, die sich ohne Vorkenntnisse in die Grundprobleme des Zivilrechts einarbeiten wollen. Die vielen Schemata und Beispielsfälle erleichtern das Verständnis sehr.





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