Ralf Hansen
Internationale Rechnungslegung für Prüfung und Praxis
Kurzrezension zu:
Rainer Buchholz
Internationale Rechnungslegung
2. Aufl., Bielefeld: Erich - Schmidt - Verlag, 2001, 466 S.
ISBN 3-503-06309-9
http://www.erich-schmidt-verlag.de
Das nach kurzer Zeit in zweiter Auflage vorgelegte Werk vollzieht die Entwicklungsbewegungen der Internationalisierung der Volkswirtschaften hin zu globaler orientierten
Marktstrukturen für das internationale Rechnungswesen nach. Das Verdikt des Verfassers, “Wer im Rechnungswesen erfolgreich bleiben will, muss sich mit den
internationalen Vorschriften von IAS und US-GAAP befassen”, trifft uneingeschränkt zu. Das Buch behandelt neben den Grundprinzipien der internationalen Rechnungslegung
die wesentlichen Vorschriften zur Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und zu den sonstigen Jahresabschlußkomponenten. Alle wesentlichen Vorschriften werden zudem im
Vergleich dargeboten, was den Nutzen des Buches noch weiter erhöht, dessen Erfolg für sich spricht, jedenfalls aber in eine deutliche Lücke gestoßen ist. Der Verfasser hat
die zweite Auflage deutlich überarbeitet und durchgehend aktualisiert. Erweitert wurden die Bereiche Forderungen und Verbindlichkeiten. Dozenten stehen die Schaubilder
dieses Buches nunmehr bei Tätigkeitsnachweis als Overhead-Vorlagen auf Anfrage beim Verlag zur Verfügung.
Der erste Teil des Buches behandelt die Grundlagen der internationalen Rechnungslegung. Gleich zu Beginn wird der Leser mit den Hauptzielen der internationalen
Rechnungslegung vertraut gemacht, Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechte soweit wie möglich zu unterdrücken, um dem professionellen Anleger (nicht aber primär dem
Gläubiger) einen Vergleich zu ermöglichen, der immer ein Vergleich über Aussichten und Risiken einer möglichen Investition in Anteile sein wird. Sehr plastisch werden die
Unterschiede zwischen US-GAAP (Standard der US-amerikanischen SEC) und IAS (Standard der IASC in London). Für Deutschland wurden diese Standards erst interessant als § 292 a
HGB die Möglichkeit eröffnete, einen internationalen Konzernabschluß mit befreiender Wirkung aufzustellen, der an die Stelle des nationalen tritt. Die faktische Weltgeltung
der US-GAAP ergibt sich aus der Bedeutung der Börse an der Wall - Street. Es ist erstaunlich mit welcher Prägnanz und Einfachheit der Verfasser die komplexe Materie
darstellt und immer wieder auf die Unterschiede der Systeme zum deutschen Handelsrecht eingehend zu sprechen kommt, ohne die Darstellung übermäßig mit Details zu
“überfrachten”. Nach dem HGB-System steht der Gläubigerschutz im Vordergrund, nach IAS und US-GAAP der Anlegerschutz, was einen erheblichen Perspektivwechsel zur
Folge hat. Diesen Faden nimmt der Verfasser im zweiten Kapitel wieder auf und kontrastiert die maßgeblichen Prinzipien von IAS und US - GAAP zum HGB.
Kapitel 3 legt die Ansatzkriterien bei internationalen Bilanzen im einzelnen dar, indem diese Ansatzkriterien einzeln durchgegangen und erläutert werden, wobei immer wieder
der Vergleich zum HGB gesucht wird, um die Abweichungen kenntlich zu machen. Damit erreicht der Verfasser neben der Rechtsvergleichung auch einen hohen Lerneffekt, da es
leichter ist, sich Abweichungen von etwas Bekanntem vertraut zu machen. Sehr lesenswert sind etwa die Ausführungen zur Bilanzierung des Goodwill. Im vierten Kapitel wird die
Erstellung internationaler GuV - Rechnungen behandelt. Etwas kurz werden im fünften Kapitel die internationalen Kapitalflußrechnungen behandelt. Kapitel 6 behandelt im Kern
die Probleme des Anhangs bei der internationalen Rechnungslegung. Literaturhinweise ermöglichen eine punktuelle oder breitflächige Vertiefung.
Insbesondere für Studenten interessant ist der Aufgabenteil im Anhang. Er enthält Übungsaufgaben zu den einzelnen Kapiteln und zwei Originalexamensklausuren, die
sinnvollerweise in englischer Sprache gehalten sind; natürlich auch die Lösungen. Ausführliche Lösungen finden sich im Lösungsteil, der den Übungsteil abschließt. Sehr
nützlich ist das beigegebene Dictionary, das die Begriffe derart klärt, daß auch der Leser aus der Lektüre Gewinn ziehen kann, der sich mit Fragen der internationalen
Rechnungslegung noch nicht näher beschäftigt hat.
Das Lehrbuch ist in jeder Hinsicht eine Bereicherung und ermöglicht es, eine schwierige Materie mit recht geringen Aufwand zu erarbeiten. Ein neues Standardlehrbuch!
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