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Christoph Menzel

Bilanzanalyse einfach gemacht?

Eine Rezension zu:

Behringer, Stefan

Cash-flow und Unternehmensbeurteilung; Berechnungen und Anwendungsfelder für die Finanzanalyse


Behringer, Stefan, Berlin, 174 S., 58,00 DM
ISBN 3-503-04056-0

www.erich-schmidt-verlag.de

Das Informationsbedürfnis externer Kreise an einem Unternehmen ist vielfältiger Natur, z.B. sind Antworten auf Fragen nach der Ertragskraft, die Entwicklung der Produktivität für weitergehende Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen relevant. Auf all diese Fragen gibt der Jahresabschluß aber nur verschlüsselt Antworten. Das Instrumentarium zur "Dechiffrierung" der verschlüsselten Informationen des Jahresabschlusses bezeichnet man als Bilanzanalyse. Das wichtigste Instrument der Bilanzanalyse ist die Analyse mit Hilfe von Kennzahlen. Die Bilanzanalyse gewinnt heute immer mehr an Gewicht, wenn man bedenkt, daß viele Institutionen, wie z.B. Banken, Investoren, private Anleger etc. bei weitergehenden Entscheidungen ihren Blick zuerst auf Kennzahlen werfen.

Zu bedenken ist aber, daß jede Kennzahlenanalyse nur begrenzte Aussagekraft hat, da die jüngsten Bilanz- und G.u.V.-Daten im Analysezeitpunkt schon wieder veraltet sind. Darüber hinaus wird die Aussagekraft der Daten dadurch vermindert, daß das Basismaterial durch die gesetzlich eingeräumten Bewertungsspielräume im Handels- und Steuerrecht unter Umständen stark "manipuliert" sein kann. All dies ist bei der Heranziehung von Kennzahlen zu bedenken.

Das als Leitfaden von Behringer konzipierte Buch Cash-flow und Unternehmensbeurteilung, verlegt im Erich Schmidt Verlag, befaßt sich mit der Interpretation der Kennzahl Cash-flow und dessen Einfluß auf die Unternehmensbewertung. Diese Cash-flow Analyse ist mittlerweile zu einem allgemein anerkannten Instrumentarium der Bilanzanalyse geworden.

Die Kennzahl Cash-flow ist eine unter vielen, die zur Beurteilung der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens herangezogen werden kann. Jeder, der eine Bilanz lesen kann, ist in der Lage den Cash-flow selber zu berechnen. Der Cash-flow eines Unternehmens beinhaltet den Zugang an flüssigen Mitteln innerhalb einer bestimmten Abrechnungsperiode. Er ergibt sich im wesentlichen aus der Addition von Jahresüberschuß, Abschreibungen, Veränderungen der langfristigen Rückstellungen, Steuern vom Ertrag und Einkommen. Aus der Höhe des Cash-flow und seiner im Laufe der Jahre erkennbaren Entwicklung lassen sich Rückschlüsse auf das (Innen-)Finanzierungspotential eines Unternehmens ziehen. Meist aber veröffentlichen die Unternehmen eine Cash-flow Rechnung. In dieser Situation ist es für den externen Leser wichtig zu wissen, wie man den Cash-flow berechnet hat. Zustandekommen und Aussagekraft hängen ganz entscheidend davon ab, unter welchem Gesichtspunkt man den Cash-flow ermittelt. Die Kennzahl sollte so gewählt werden, dass das Gesamturteil von wahrgenommenen Ausweiswahlrechten, Sachverhaltsgestaltungen und bilanzpolitischen Maßnahmen nicht beeinflusst wird.

Das Buch von Behringer umfaßt fünf Kapitel, in denen der Autor auf Fragen der Geeignetheit der Heranziehung der Kennzahl Cash-flow für die Bewertung von Unternehmen, auf unterschiedliche Cash-flow Konzeptionen und den Anwendungsbereich dieser Kennzahl eingeht. Das letzte Kapitel faßt die Ergebnisse der vorangegangenen Kapitel noch einmal zusammen. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis soll dem Leser die Möglichkeit geben, sein Wissen über die Kennzahl Cash-flow bzw. der verschiedenen Kennzahlensysteme zu vertiefen.

Nach einer sehr prägnanten Einleitung zeigt der Autor im zweiten Kapitel die Bedeutung des Cash-flow als Interpretationsinstrument für den Jahresabschluß auf. Zunächst erläutert Behringer rechtliche Grundlagen des Jahresabschlusses und geht danach auf die einzelnen Interessengruppen am Jahresabschluß ein. Dem Leser wird sofort die Unterschiedlichkeit der Informationsbedürfnisse bewußt. Danach zeigt er dezidiert die verschiedenen Berechnungstechniken des Cash-flow auf. Eine Würdigung der Berechnungstechniken schließt das zweite Kapitel ab.

Nach einer grundlegenden Heranführung des Autors im ersten und zweiten Kapitel an die Kennzahl Cash-flow, geht er im dritten auf unterschiedliche Konzeptionen bei der Ermittlung ein. Dabei werden ausführlich die Cash-flow Konzeptionen nach dem Deutschen Rechnungslegungsstandard Nr. 2, dem International Accounting Standard (IAS) 7 und den US-GAAP diskutiert und ihre praktische Anwendung vorgestellt.

Letztlich hängt die Aussagekraft des Cash-flow von seiner Berechnung und der zugrundeliegenden Definition ab. Aufgrund unterschiedlicher Rechnungslegungssysteme und daraus resultierender unterschiedlicher Auffassungen über die Aktivierungs- bzw- Passivierungsfähigkeit resultieren verschiedenartige Auffassungen darüber, was der "wahre" Cash-flow eines Unternehmens ist. Dies erschwert widerum die Aussagekraft.

Im vierten Kapitel zeigt Behringer die unterschiedlichen Anwendungsbereiche der Cash-flow Analyse auf. Primär wird der Cash-flow als Liquiditätsmerkmal genutzt, sei es im Hinblick auf die Messung der Finanzkraft oder der Ertragskraft des Unternehmens. Darüber hinaus wird er aber auch als Indikator für eine drohende Insolvenz des Unternehmens herangezogen. Der Cash-flow kann auch zur Aktienbeurteilung herangezogen werden.

Behringer zeigt den umfangreichen Anwendungsspielraum dieser Kennzahl auf. Er weist in seiner Kurzdarstellung aber auch Gefahren hinsichtlich der Interpretationsmöglichkeiten hin. Behringer versteht es dem Leser die Grundlagen des Cash-flow auf möglichst einfache Art und Weise zu vermitteln. Im Ergebnis stellt Behringer fest, daß die Heranziehung nur einer Kennzahl im Hinblick auf eine Unternehmensbewertung nicht ausreicht.






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