Jurawelt

Artikel 3431
Katharina Kiel

Praxisorientiertes Lernen

Eine Rezension zu:

Manfred Heße und Theodor Enders

Gesellschaftsrecht
Eine Einführung in die rechtlichen Grundlagen und die Vertragsgestaltung

Stuttgart, 368 S., 59,90 DM
ISBN 3-7910-1650-4


Ein Buch aus der Reihe „Praxisnahes Wirtschaftsstudium“ - welche Erwartungen kann man daran haben ?

Zunächst, geht man nur von dem Namen der Reihe aus, erwartet man eine Darstellung theoretisch abstrakten Lernstoffes verbunden mit praxisnahen Bezügen und Einblicken. Also ein Buch, das zugleich für Studium und Praxis geeignet scheint.

Bezogen auf den Titel dieses Buches läßt sich eine Darstellung klausurrelevanten Wissens des Gesellschaftsrechts erwarten, verbunden mit einer praktischen Umsetzung in die Vertragsgestaltung. Rundherum ein Buch, bei dem nicht nur theoretische Abwandlungen im Vordergrund stehen, sondern vor allem praktische Komponenten.

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil findet man eine ausführliche Darstellung des Personengesellschaftsrechts sowie des Kapitalgesellschaftsrechts.

Es beginnt mit der Darstellung von Grundlagen und einer allgemeinen Einführung in das Gesellschaftsrecht. Es folgt eine kurze Übersicht zu den wichtigsten Gesellschaftsformen, woran im Anschluß die Gesellschaftsformen auf die zwei im BGB geregelten Grundtypen zurückgeführt werden, nämlich entweder auf die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (§§ 705 ff. BGB) oder auf den eingetragenen Verein (§§ 21 ff. und §§ 55 ff. BGB).

Sodann wird differenziert in Personengesellschaften, die auf eine kleine Zahl von regelmäßig festen Mitgliedern angelegt sind, und Körperschaften, die für eine größere Zahl gegebenenfalls wechselnder Mitglieder geeignet sind. Körperschaftsformen sind die AG, die KGaA und die GmbH, die man auch als Kapitalgesellschaften bezeichnet, weil bei ihnen die Höhe der eingezahlten Kapitalbeträge die Grundlage für die Entscheidungsbefugnis der Gesellschafter und die Gewinnverteilung auf sie bildet.

Angereichert durch zahlreiche Beispiele aus der Praxis werden die Bedeutung dieser Einteilung, aber auch Abweichungen auf Grund der Gesellschaftsstruktur, aufgezeigt. Im Anschluß daran werden ausgehend von dieser Einteilung der Gesellschaftsformen deren wesentliche Strukturmerkmale gegenübergestellt, wie z.B. die Rechtsfähigkeit, Entstehung, Gesellschaftsvermögen, Haftung usw. Abgerundet wird dies durch graphische Übersichten. Allerdings bleibt hierbei ein Punkt noch unberücksichtigt: Die Rechtsfähigkeit der BGB-Gesellschaft wurde vom BGH zu Anfang diesen Jahres anerkannt. Die hier angeführte Diskussion um die Rechtsfähigkeit der BGB-Gesellschaft hat somit ein Ende gefunden.

In einem nächsten Abschnitt widmen sich nun die Autoren den Personengesellschaften und stellen hier die wesentlichen und klausurrelevanten Probleme nebeneinander dar. Auch hier überzeugt das Buch mit vielen Beispielen und einprägsamen Übersichten. Die Darstellung der Kapitalgesellschaften, also GmbH, GmbH & Co. KG und AG, erfolgt nacheinander.

In einem letzten Abschnitt des ersten Teils finden sich Übungsfälle zum selbständigen Bearbeitung, so daß die Anwendung unmittelbar im Anschluß an die Lektüre der Sachinformation am Fall eingeübt werden kann und sollte, wobei das Buch nicht unbedingt darauf abzielt.

Der zweite Teil umfaßt die Gestaltung von Gesellschaftsverträgen.

Die Blickrichtung wechselt, denn die Darstellung einzelner Vertragsmuster steht nun im Vordergrund. Dabei werden zunächst grundsätzliche Überlegungen zur Technik der Vertragsgestaltung vorangestellt, um ein systematisches Herangehen an die unterschiedlichen Gesellschaftsarten zu ermöglichen, wobei der Schwerpunkt auf der Gesellschaftsgründung liegt. Auch diese theoretischen Grundlagen sind angereichert mit zahlreichen praxisnahen Beispielen, so daß ein Eindenken nicht schwer fällt.

In einem nächsten Schritt wird nun eine Basischeckliste auf Grundlage der zuvor erarbeiteten Strukturelemente entwickelt, die - wenn auch nicht ohne Anpassung - auf alle Gesellschaftsverträge anzuwenden ist. Diese eignet sich als eine Art Schema oder Leitbild. Doch es bleibt nicht leer im Raum stehen, sondern wird kommentiert. In einem letzten Schritt erfolgt nun die Anwendung der entwickelten Checkliste am Beispiel der BGB-Gesellschaft, die sich als Grundtyp sämtlicher Gesellschaften von daher besonders eignet. Dieses zeichnet sich dadurch aus, daß keine starre Anwendung erfolgt, sondern auch denkbare und übliche Alternativen aufgezeigt werden.

Des weiteren befinden sich im zweiten Teil des Buches recht ausführliche und umfassende Musterverträge der wichtigsten Gesellschaftstypen, so unter anderem der OHG, der KG, der Stillen Gesellschaft, der Partnerschaftsgesellschaft, der Europäischen Wirtschaftlichen Interessenvereinigung, der GmbH und der AG. Diese Musterverträge halten sich im wesentlichen an die oben entwickelte Checkliste, ohne dieser immer exakt zu folgen. Aber auch solche Vereinbarungen, die in enger Verbindung zum Gesellschaftsvertrag stehen, sind aufgenommen wurden, so etwa ein Anstellungsvertrag für den GmbH-Geschäftsführer, Stock-Options-Vereinbarung bei der Aktiengesellschaft sowie Schiedsgerichts- und Mediationsvereinbarungen.

Der zweite Teil zeichnet sich daher durch eine überaus praxisorientierte Darstellung aus, die dem Anspruch des Buches gerecht wird. Damit eignet es sich vor allem für Studierende, die das Erlernen wissenschaftlicher Grundlagen zugleich mit konkretem Praxisbezug verbinden wollen. Ebenso eignet es sich aber auch für Praktiker, die im Rahmen ihrer Tätigkeit mit gesellschaftsrechtlichen Problemfeldern konfrontiert werden und deshalb einen schnellen und systematischen Einblick in den gegenwärtigen Stand der Lehre gewinnen wollen. Den vorangestellten Erwartungen wird das Buch also gerecht.

Weiterhin zeichnet es sich dadurch aus, daß es sehr klar strukturiert ist. Eine sehr ausführliche Gliederung gibt einen ersten Überblick, ein Abbildungsverzeichnis faßt alle Abbildungen und Graphiken systematisch zusammen, so daß der Leser schnell findet, was er sucht. Der besseren Orientierung im Buch dienen die Marginalien am Rande des Textes und die Kennzeichnung von Beispielen mit einem B und von Definitionen mit einem D. Ebenso führen Stichwörter am Rand schnell zur gewünschten Information und erleichtern die Vor- oder Nachbearbeitung des Stoffes. Auch läßt es genügend Platz für eigene Ergänzungen.

Insgesamt ist dieses Buch nur zu empfehlen, da es sowohl die rechtlichen Grundlagen ausführlich erläutert als auch einen Einblick in die Vertragsgestaltung gibt. Es zeichnet sich durch eine sehr anschauliche und vor allem praxisorientierte Vermittlung des Gesellschaftsrechts aus. Es kann daher nicht nur zur Einarbeitung in die klausurrelevanten Probleme des Gesellschaftsrechts genutzt werden, sondern es ermöglicht dem Leser darüber hinaus, sich die Auswirkungen eines bestimmten rechtlichen Problems oder einer bestimmten gesetzlichen Bestimmung für den Gesellschaftsvertrag vor Augen zu führen. Da dies nicht nur das Lernen erleichtert, sondern auch praktisches Hintergrundwissen vermittelt, kann z.B. der Studierende auch in seiner späteren betrieblichen Praxis auf dieses Buch zurückgreifen und mit diesem Buch arbeiten.
BGH: Schönheitsreparaturklauseln mit starren Fristen auch bei Gewerberäumen unwirksam
"Strafrechtliche Bewertung vom Phishing und Pharming Angriffen" von David Schneider
Vilnius, Litauen, bnt legal and tax
Nachrichten zum Internetrecht





Copyright © 2000-2008 Jurawelt