Florian Wörtz
04.01.2007
Es führt kein Weg daran vorbei
Eine Rezension zu:
Kai-Oliver Knops / Heinz Georg Bamberger / Georg Maier-Reimer (Hrsg.)
Recht der Sanierungsfinanzierung
1. Auflage
Springer, Berlin/Heidelberg/New York 2005, 663 Seiten, 99,95 €
ISBN 3-540-24365-8
http://www.springer.de
Was zunächst als Thema einer Habilitation gedacht war, ist als eine Art Festschrift zum 65. Geburtstag des Bremer Universitätsprofessors Peter Derleder realisiert
worden. 32 namhafte Autoren aus Wissenschaft und Praxis widmen sich teils befürwortend, teils auch skeptisch in ihren Beiträgen dem Thema Sanierungsfinanzierung. Auch wenn
das Buch in seinem Vorwort keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben möchte, so bedient es in seiner Breite und Ausführlichkeit Leserinteressen auch in vielen
Details.
Das Buch ist unterteilt in fünf Kapitel und erläutert nach einer Einführung zunächst die Grundlagen der Sanierungsfinanzierung. Daneben wird die freie Sanierung mit ihren
Vor- und Nachteilen der Sanierung im Rahmen eines Insolvenzverfahrens gegenübergestellt. Die Sanierung von kriselnden Unternehmen stellt sich gerade in Zeiten schwächerer
Konjunktur und wirft die Frage nach dem Erhalt von Unternehmen, die trotz aktueller Schwierigkeiten noch tragfähige Zukunftsperspektiven besitzen. Im zweiten Kapitel wendet
sich das Werk der Sanierungsfinanzierung im Einzelnen. Themen wie Direktfinanzierung, Stillhalteabkommen und Sicherheitengeschäfte erläutern dem Leser die Instrumente, die
zu einer erfolgreichen Sanierung gehören. Die Mitwirkung oder Verweigerung an der Sanierung behandelt das dritte Kapitel. Die allgemeinen Mitwirkungspflichten sind eher
schwach ausgeprägt und begründen nach allgemeiner Auffassung keinen Zwang zum Beitritt zu einem Beitritt einer Sanierungsvereinbarung. Bei den besonderen
Mitwirkungspflichten sind vor allem die gesetzlichen Regeln aus der Insolvenzordnung zu beachten. Das vierte Kapitel beleuchtet die Haftungsrisiken der internen Beteiligten.
Das abschließende fünfte Kapitel behandelt die Sanierungsfinanzierung mit Auslandsbezug. Nachdem zunächst das europäische Sanierungsrecht dargestellt wird, werden die
Rechtsordnungen aus einzelnen Ländern – Frankreich, Großbritannien/Nordirland, Italien, Russland, Spanien, Schweiz und die USA – in Übersichten abgehandelt.
Bedauerlich ist, dass das Thema Außenstände und effektives Forderungsmanagement – in der Praxis häufig eine existentielle Gefahr für viele Unternehmen – keinen
größeren Raum einnimmt.
So groß die Anzahl der Verfasser ist, so unterschiedlich ist auch ihr jeweiliger Standpunkt zum Thema Sanierungsfinanzierung. Anliegen des Buches ist denn auch nicht die
Darstellung einer bestimmten Meinung, sondern eine profunde Abhandlung der vielfältigen Aspekte dieses Themenbereichs von renommierten Persönlichkeiten aus Wissenschaft und
Praxis. Trotz aller unterschiedlicher Standpunkte – im Gesamteindruck überwiegen die Befürworter der Sanierung.
Das Buch besticht durch umfangreiche Literaturnachweise. Einem zu Anfang vorweg gestellten allgemeinen Literaturverzeichnis folgen in den jeweiligen Beiträgen umfangreiche
Schrifttumsnachweise sowie Inhaltsübersichten und Stichwortverzeichnisse. Diese ermöglichen in Verbindung mit dem am Schluss des Buches aufgeführten Stichwortverzeichnis ein
einfaches Nachschlagen und Vertiefen einzelner Thematiken.
Gesamteindruck:
Das Buch darf als das wohl umfassendste, interdisziplinäre Handbuch zu diesem Thema gezählt werden. Es beleuchtet das Thema sowohl aus rechtlicher als auch als
betriebswirtschaftlicher Sicht hervorragend und versucht dort neue Wege aufzuzeigen, wo das Recht keine zufriedenstellende Antwort bereithält. Für den an
Sanierungsfinanzierung Interessierten – sei es Banker, Sanierungsberater, Insolvenzrichter, Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt, Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer
– kann an diesem Buch kein Weg vorbei führen.
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