Florian Wörtz
31.05.2005
Übersichtliches Werk
Eine Rezension zu:
Harald Hess / Michaela Weis
Insolvenzrecht
Tipps und Taktik
3. Auflage
C.F. Müller, Heidelberg 2005, 344 Seiten, 44,- €
ISBN 3-8114-3048-3
http://www.cfmueller-verlag.de
Durch Gesetzesänderungen wie die Einführung der Verfahrenskostenstundung nehmen die Insolvenzverfahren stetig zu. Auch die wirtschaftlich schlechten Zeiten bedingen, dass
für eine Vielzahl natürlicher und juristischer Personen nur noch der mitunter bittere Gang in die Insolvenz bleibt. Für Anwälte bedeutet dies, dass entsprechender
Beratungsbedarf besteht. Mit der Reihe Tipps und Tricks verfolgt der Verlag eine Konzeption von Praxisratgebern eines bestimmten Rechtsgebiets von Praktikern für
Praktiker. Für den Bereich des Insolvenzrechts bieten Hess und Weis mit ihrem Werk eine verständliche und umfassende Darstellung, die nun in der 3. Auflage erschienen ist.
Die Neuauflage bringt das Werk auf den aktuellen Stand von Gesetzgebung und Rechtsprechung und berücksichtigt bereits die Änderung der Insolvenzvergütungsverordnung sowie
des Kostenmodernisierungsgesetzes.
Die Autoren stellen einige wichtige insolvenzrechtliche Begriffe im Stile eines Rechtswörterbuches voraus, um den mit diesem Rechtsgebiet nicht vertrauten Leser eine
wertvolle Hilfe für die weitere Lektüre an die Hand zu geben. Der einleitende erste Abschnitt stimmt den Leser zunächst mit dem Zweck und der Vermögensorientierung des
Insolvenzverfahrens, deren gesetzliche Grundlagen sowie den Grundzügen des Insolvenzverfahrens auf das Fachgebiet ein. Hess und Weis gelingt es dabei in aller Kürze und
Einfachheit, die Grundstrukturen dieses Rechtsgebiet zu skizzieren. Sollte sich der Leser irgendwann einmal in den nun folgenden detaillierten Schilderungen verlieren und
den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr finden, hier kann er jederzeit noch mal "spicken" und sich die Grundzüge eines jedes Verfahrensstadiums klarmachen bevor allzu viel
Rauch aus dem verzweifelten Kopf steigen sollte.
Der zweite Abschnitt umfasst das Insolvenzverfahren in all seinen Stadien und deren Feinheiten. Die Autoren handeln zunächst die Insolvenzfähigkeit ab und erläutern, über
wessen Vermögen ein Insolvenzverfahren überhaupt eröffnet werden kann. Das anschließende Kapitel handelt vom Insolvenzeröffnungsverfahren und behandelt die allgemeinen
Verfahrensgrundsätze sowie die Insolvenzgründe. Eine Übersicht zeigt dem geneigten Leser die Insolvenzgerichte in den Bundesländern; eine darüber hinausgehende Aufstellung,
über welche Amtsgerichtsbezirke diese Insolvenzgerichte wiederum zuständig sind, wäre eine sinnvolle Erweiterung für künftige Neuauflagen. Bei der Abhandlung der einzelnen
Verfahrensgrundsätze belassen es die Autoren nicht bei der abstrakten Erklärung, sondern erläutern diese jeweils mit anschaulichen Beispielen.
Nach den Schilderungen zum Insolvenzantrag und den Entscheidungen des Insolvenzgerichts sowie der Eröffnung des Insolvenzverfahrens widmen sich die Autoren einem der wohl
interessantesten Themen dieses Rechtsgebiets: dem Insolvenzverwalter und seinen Einzelbefugnissen. Wer schon immer wissen wollte, wie Borussia Dortmund im Insolvenzfall
verwaltet worden wäre, wie Michael Jaffé mit dem insolventen Kirch-Imperium umgehen kann oder warum es häufig zu Klagen gegen Insolvenzverwalter kommt, der wird von diesem
Buch nicht enttäuscht, denn die Autoren handeln auf gut 40 Seiten die Einzelbefugnisse des Insolvenzverwalters ab (ohne dabei jedoch auf besagte spektakuläre Beispielsfälle
einzugehen). Die anschließenden Kapitel der Dauerschuldverhältnisse und Anfechtung in der Insolvenz, des Insolvenzplans, der Gläubiger im Insolvenzverfahren sowie der
Beendigung des Insolvenzverfahrens vermitteln den theoretischen Fundus der Geschehnisse im Rahmen eines Insolvenzverfahrens, das bei spektakulären Insolvenzen in der
Medienberichterstattung leider immer allzu verkürzt wiedergegeben wird. Dem Verbraucherinsolvenzrecht einschließlich der Restschuldbefreiung widmen sich die Autoren in aller
Ausführlichkeit und werden der aktuellen, bedauernswerten Problematik der steigenden Überschuldung privater Haushalte voll gerecht. Angesichts der noch jungen
Insolvenznovelle in diesem Bereich sowie der praktischen Bedeutung besteht hierfür auch geradezu eine Notwendigkeit.
Die Autoren erklären alle insolvenzspezifischen Begrifflichkeiten wie Restschuldbefreiung, Masseverbindlichkeit, Insolvenzplan oder Sanierungskonzept verständlich. Wie für
Bücher aus der Reihe Tipps und Tricks charakteristisch werden Muster, Checklisten, Übersichten, Tabellen und Beispiele zur Anschaulichkeit und Verständlichkeit
eingebaut. Wie bei dem Namen der Bücherreihe nicht verwunderlich, geben die Autoren zahlreiche Praxistipps an den geneigten Leser weiter. Sie verwenden einen prägnanten,
anschaulichen Sprachstil.
Die Autoren sind auf diesem Fachgebiet ausgewiesene Spezialisten. Harald Hess ist als Rechtsanwalt auf den Gebieten des Insolvenz- und Arbeitsrechts tätig und baute eine auf
diesen Rechtsgebieten spezialisierte Kanzlei auf. Michaela Weis ist ihres Zeichens Richterin.
Gesamteindruck:
Hess und Weis gelingt mit diesem Werk die Umsetzung der Verlagsidee eines Praktikerleitfadens auf eine sehr ansprechende Weise. Das Buch dient insgesamt betrachtet eher als
umfassender Einstieg denn als Nachschlagewerk für einen mit diesem Rechtsgebiet bereits gut vertrauten Praktiker. Aufgrund seiner Übersichtlichkeit und Verständlichkeit
würde es auch andere Zielgruppen wie Studenten und Referendare ansprechen, allerdings besitzt das in der anwaltlichen Praxis bedeutsame Insolvenzrecht unverständlicherweise
eine relativ geringe Ausbildungsrelevanz.
|