Jurawelt

Artikel 9458
Ronald Moosburner
03.08.2004

Schneller Zugang zur EMRK

Eine Kurzrezension zu:

Jens Meyer-Ladewig

EMRK

Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten

Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2003, 517 Seiten, 69,- €
ISBN 3-7890-8164-7

http://www.nomos.de

Mit Jens Meyer-Ladewig hat der Nomos-Verlag einen namhaften Kommentatoren für seinen kleinen, aber feinen Handkommentar zur Europäischen Menschenrechtskonvention gewinnen können. Der Autor war federführend an der Konventionsumsetzung in Deutschland beteiligt. Er war Bevollmächtigter der Bundesregierung in Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof sowie Vorsitzender des Lenkungsausschusses für Menschenrechte des Europarats.

Mit dem Anspruch angetreten, anhand der jüngsten Rechtsprechung des Gerichtshofs einen praktisch verwendbaren Leitfaden zu bieten, enthält das Werk eine aktuelle und komprimierte Darstellung des Konventionsrechts und informiert ausführlich über die Spruchpraxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Dabei bezieht er auch die Protokolle, die ebenso wie die EMRK unmittelbar in Deutschland anwendbares Recht sind, mit ein. Er macht außerdem im Anhang den Text der EMRK und der Protokolle sowie das offizielle Merkblatt für Personen, die sich an den Gerichtshof wenden wollen, mit Erläuterungen verfügbar. Zusätzlich sind der Konventionstext und die Verfahrensordnung des Gerichtshofs auch in englischer und französischer Sprache abgedruckt. Dies ist umso wichtiger, als die Entscheidungen des Gerichtshofes in aller Regel nur in den Amtssprachen Englisch oder Französisch, bei wichtigen Urteilen auch in beiden Sprachen vorliegen, in die deutsche Sprache werden sie dagegen in den allermeisten Fällen nicht übersetzt. Die aktuellen und straff gefassten Informationen sind nützlich für Rechtsanwälte und Richter, aber auch für die Verwaltungspraxis in menschenrechtssensiblen Bereichen wie Ausländerbehörden, Polizeivollzug und deren übergeordnete Dienststellen. Gerade in diesen Bereichen ist Aktualität Trumpf, da der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eine dynamische Interpretation der Konvention favorisiert, die Texte als "lebendes Instrument" versteht und bei der Auslegung daher jeweils auch die heutigen Umstände berücksichtigt. Darüber hinaus finden auch Menschenrechtsorganisationen und Betroffene wichtige Hinweise für die praktische Bedeutung der Konvention.

Gesamteindruck:
Den selbst gestellten Ansprüchen wird das Buch mühelos gerecht, und wer einen schnellen Einstieg in eine Problematik mit Konventionsbezug sucht, wird hier bestens bedient sein. Zur Vertiefung ist allerdings anzuraten, auf ein umfangreicheres Werk zurückzugreifen.
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