Jurawelt

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Stefanie Samland
04.03.2004

Vergleiche mit deutschem Verfassungsrecht

Eine Rezension zu:

Anne Peters

Einführung in die Europäische Menschenrechtskonvention

Mit rechtsvergleichenden Bezügen zum deutschen Grundgesetz

JuS-Schriftenreihe Band 161

C.H. Beck, München 2003, 281 Seiten, 21,80 €
ISBN 3-406-50362-4

http://www.beck.de


Wer sich in die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) einarbeiten wollte, musste sich bislang fast ausschließlich mit englischsprachigen Büchern befassen. Die deutsche Buchlandschaft gab wenig her. Um so erfreulicher ist es, dass im Jahr 2003 zwei neue Bücher zur EMRK im Beck-Verlag erschienen sind, eins in der Reihe Juristische Kurz-Lehrbücher von Grabenwarter sowie das vorliegende Buch in der JuS-Schriftenreihe von Peters. Schade, dass sich beide Bücher im Erscheinen überschnitten, so wird bei Peters noch nicht auf das Buch von Grabenwarter hingewiesen. Ebenfalls 2003 – wahrscheinlich lag es am 50jährigen Bestehen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) – erschien bei Nomos ein Kommentar zur EMRK.

Dass Peters sich den deutschen Lesern annehmen und ihnen den Einstieg in die EMRK erleichtern möchte, wird schon im allgemeinen Literaturverzeichnis deutlich. Schön geordnet werden die wichtigsten Lehrbücher, Kommentare und Entscheidungssammlungen präsentiert und hier und da mit kurzen Anmerkungen versehen. Auch die Internetquellen werden vorgestellt. Zu Beginn jedes Kapitels finden sich ebenfalls noch spezielle Literaturhinweise – die natürlich auch größtenteils englisch- oder französischsprachig sind. In den Fußnoten wird eher auf Entscheidungen verwiesen.

Das Buch ist folgendermaßen aufgebaut: Zunächst werden allgemeine Ausführungen zur EMRK, zur Prüfung der Menschenrechte sowie zum Verhältnis der EMRK zu den Grundrechten der Europäischen Union gemacht. Anschließend geht die Verfasserin auf die einzelnen in der EMRK geschützten Grundrechte ein und stellt diese anhand von Leit- und aktuellen Entscheidungen des EGMR dar. Positiv für den Leser ohne Vorkenntnisse und Grundausstattung an Texten ist, dass jedes Grundrecht im Wortlaut abgedruckt ist. Zum Ende hin werden dann die Individual- und Staatenbeschwerde vor dem EGMR erläutert, bevor sich im Anhang Prüfungsschemata und ein Übungsfall finden. Ganz zum Schluss ist ein Entscheidungsregister abgedruckt – schon dessen Länge von über 8 Seiten lässt erahnen, wie fallbezogen Peters in ihrer Darstellung vorgeht.

Von unverzichtbaren Leitentscheidungen wie McCann zum finalen Todesschuss oder Soering zum "death row phenomenon" bis hin zu aktuellen Urteilen wie Pretty zur aktiven Sterbehilfe sind wirklich eine Menge interessanter Entscheidungen in diesem Buch aufgearbeitet. An den passenden Stellen wird direkt aus ihnen zitiert, so dass der Leser auch an die Rechtsprechung und nicht nur die theoretischen Hintergründe herangeführt wird. Die Darstellung folgt zumeist dem Aufbau in einer Klausur, so werden Schutzbereiche der einzelnen Grundrechte vorgestellt, anschließend die Rechtfertigungsgründe für Eingriffe thematisiert.

Besonders spannend ist aber die rechtsvergleichende Betrachtungsweise, die die Verfasserin schon im Untertitel ankündigt. So wird die EMRK in weiten Teilen mit dem Grundgesetz oder anderen deutschen Gesetzen verglichen, z.B. was die Subsidiarität der Individualgrundrechtsbeschwerde angeht oder im Bereich der Sterbehilfe nach dem Pretty-Urteil im Vergleich zur Beihilfe zur Selbsttötung nach deutschem Recht. Im Abschnitt über den Schutz der Wohnung aus Art. 8 EMRK weist die Autorin auch auf das Verständnis von "Wohnung" in Art. 13 GG sowie in der Rechtsprechung des EuGH hin. Als aktuelles Problem wird der "Große Lauschangriff" genannt und auf anhängige Verfassungsbeschwerden hingewiesen, die gerade in diesen Tagen gegen den "großen Lauschangriff" entschieden wurden.

Gesamteindruck:
Peters präsentiert ein fallbezogenes und das Grundgesetz zum Vergleich heranziehendes Werk zur Europäischen Menschenrechtskonvention, welches die von ihr selbst genannte Lücke in der deutschen Fachliteratur schließt. Die Einführung in die EMRK ist wahrlich gelungen und zur Lektüre zu empfehlen!
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