Grundlegende Kenntnisse des Verwaltungsprozessrechts im Studium und Examen sind unverzichtbar. Kein Wunder also, dass auf dem Buchmarkt zahlreiche mehr oder weniger
nützliche Bücher um die Gunst des Studenten ringen. Das im Jahr 2003 im Luchterhand Verlag erschiene Buch "Verwaltungsprozessrecht" des Autors Mario Martini darf wohl
zweifelsfrei in die erstere Gruppe eingeordnet werden. Sein Buch verfolgt das Ziel, den Leser anhand einer systematischen Darstellung in Grafik-Text-Kombination an die
scheinbar trockene Materie des Verwaltungsprozessrechts heranzuführen. Es wendet sich dabei als effektive Lernhilfe vordringlich an Studenten, die sich zum ersten Mal mit
diesem Stoffgebiet beschäftigen sowie an Examenskandidaten, denen hiermit eine Möglichkeit zur raschen Wiederholung des bereits Erlernten in die Hand gegeben wird.
Martini konzentriert sich auf 197 Seiten auf die wesentlichen Bereiche des Verwaltungsprozessrechts, mit denen der Student im Laufe seines Studiums konfrontiert wird. Die
Einzigartigkeit des Buches besteht in der Kombination von Lerngrafiken und Texterläuterungen. Klar gegliederte aufeinander aufbauende Übersichten vermitteln dem Leser das
Verwaltungsprozessrecht mit seinen Prüfungsstrukturen. Der Leser weiß stets, an welchem Prüfungspunkt im Klausuraufbau er sich gerade befindet. Der Lernstoff ist auf das für
das Systemverständnis notwendige Wissen reduziert. Das im A4-Format gehaltene Buch gestaltet sich wie folgt: Auf jeder geraden Seite des Buches befindet sich eine Übersicht,
welche auf vollständige systematische Darlegung der Lehrinhalte angelegt ist. Die jeweils gegenüberliegende Seite erläutert die Übersichten. Mit Hilfe dieses Aufbaus soll
der dem Konzept des Werkes zugrunde liegenden so genannten SQ3R-Methode (S=Survey; Q=Question; R=Read, Recite, Review) Rechnung getragen werden. Nach dieser Methode erzielt
der Leser laut Autorenaussage den bestmöglichsten Lernerfolg, sofern er sich die nachstehende Lerntechnik zu Herzen nimmt:
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1. Schritt:
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Verschaffung eines Überblicks über die Materie sowie deren systematische Einordnung anhand des
Schaubildes
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2. Schritt:
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Formulierung von Fragen an den Textteil bzw. Entwerfen einer Lösungsskizze zu den
Übungsfällen
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3. Schritt:
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Lesen des Erläuterungstextes bzw. der Lösungsskizze
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4. Schritt:
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Erneute Rekapitulation des Schaubildes sowie des Gelesenen
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5. Schritt:
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Wiederholung des Gelernten am nächsten Tag.
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Strukturell besteht das Buch aus sieben Teilen. Nach einer kurzen, ca. 5-seitigen Einführung (Kontrolle der Verwaltung, Verwaltungsrechtliche Rechtsbehelfe,
Entscheidungsablauf im Widerspruchs- und Verwaltungsgerichtsverfahren) nähert sich der Autor der Thematik des verwaltungsrechtlichen Widerspruchs. Es erfolgt eine
Darstellung der einzelnen Erfolgsvoraussetzungen bei einem Widerspruch, die Statthaftigkeit des Widerspruchs, seine ordnungsgemäße Erhebung sowie dessen Begründetheit. Im
weitaus umfangreicheren dritten Teil des Werkes präsentiert der Autor die verschiedenen verwaltungsgerichtlichen Klagen (Anfechtungsklage, Verpflichtungsklage, Allgemeine
Leistungsklage, Allgemeine Feststellungsklage, Fortsetzungsfeststellungsklage). Zunächst werden hier die allgemeinen, sodann die besonderen Sachentscheidungsvoraussetzungen
für die jeweiligen Klagearten skizziert. Anschließend wird deren Begründetheit erörtert. Die Abschnitte vier, fünf und sechs des Buches befassen sich inhaltlich mit dem
Normenkontrollantrag nach § 47 VwGO, dem vorläufigen Rechtsschutz sowie den verwaltungsgerichtlichen Rechtsmitteln (Berufung, Revision, Beschwerde). In einem abschließenden
Abschnitt behandelt der Autor die Verfahrensgrundsätze im Verwaltungsprozess, das Nachschieben von Gründen im Verwaltungsprozess sowie die Zulässigkeit der reformatio in
peius.
Dem didaktischen Ansatz entsprechend sind die Einzeldarstellungen durch Fälle und Lösungen ergänzt, die das Gesagte anhand konkreter Beispiele veranschaulichen. Studierende
werden vor allem die vielen Prüfungsschemata sehr hilfreich finden. Für vertiefende Studien wird auf die Literaturangaben verwiesen, die für die Neuauflage auf den neusten
Stand gebracht wurden (Stand: November 2002).
Gesamteindruck:
Insgesamt handelt es sich um ein sowohl in fachlicher als auch pädagogischer Hinsicht gelungenes Buch, welches auf die Lernbedürfnisse der Studenten zugeschnitten worden
ist. Mit großem didaktischem Geschick versteht es Martini, die komplexe Materie des Verwaltungsprozessrechts mit Hilfe eines gekonnten Wechselspiels zwischen Überblick und
Vertiefung verständlich und schnell erfassbar aufzubereiten. Die Übersichten wurden sehr sorgfältig ausgearbeitet und klar gegliedert. Unzweifelhaft stellt dieses Buch eine
wertvolle und zugleich preiswerte Bereicherung der Ausbildungsliteratur zum Verwaltungsprozessrecht dar, die jedem Studierenden wärmstens zur Durcharbeitung empfohlen sei.