Richter Dr. Alexander Walter
15.08.2007
Verkehrsrecht für Praktiker
Eine Rezension zu:
Kurt E. Böhme / Anno Biela
Kraftverkehrs-Haftpflicht-Schäden
Handbuch für die Praxis
23., neu bearbeitete Auflage
C.F. Müller, Heidelberg 2006, 575 Seiten, 99,- €
ISBN 3-8114-4361-5
http://www.cfmueller-verlag.de
Die Bearbeitung von Haftpflichtfällen nach Verkehrsunfällen gehört für zahlreiche Rechtsanwälte, Richter und Sachbearbeiter in Versicherungsunternehmen zum Tagesgeschäft.
Obgleich die Materie häufig belächelt wird, sind die dabei zu beachtenden rechtlichen Problemkreise vielfältig und keineswegs anspruchslos. Neben der Beherrschung der
haftungs- und versicherungsrechtlichen Grundlagen gilt es für den Praktiker, die Querverbindungen zum Sozial-, Steuer- sowie Strafrecht und nicht zuletzt der prozessualen
Bezüge zu gewährleisten. Das von Helmut Becker begründete und nunmehr von Kurt Böhme und Anno Biela verantwortete Praxishandbuch ist insofern
bereits seit vielen Jahren als herausragendes Hilfsmittel zur Bearbeitung von Haftpflichtfällen im Kraftfahrtbereich anerkannt. In dem Werk werden sämtliche Fragen des
Haftungsgrundes – unter Einschluss der Pflichtenprogramme nach der StVO – oder des Anspruchsumfangs bei Sach- und Personenschäden präzise und instruktiv
aufgearbeitet. Hinzu treten Abschnitte zur rechtlichen Behandlung kraft Gesetzes übergegangener Ansprüche, zu kostenrechtlichen Aspekten des Verkehrsunfallrechts, der
Regulierung im Ausland oder mit Ausländern eingetretener Schäden sowie zur Kraftfahrthaftpflichtversicherung.
Dabei haben die Autoren das Werk mit der gewohnten Souveränität auf den aktuellen Stand gebracht. Insbesondere im Bereich des Sachschadensrechts waren zahlreiche neuere, die
Rechtsentwicklung vorantreibende Entscheidungen des Bundesgerichtshofes einzuarbeiten. Dabei ist es ihnen gelungen, die Leitlinien der Rechtsprechung für die
Restwertbestimmung und die Ersatzfähigkeit der Mehrwertsteuer in Totalschadensfällen oder die neuen Entwicklungen zur Abrechnung von Mietwagenkosten bei Anmietung zum sog.
„Unfallersatztarif“ in einer Weise aufzubereiten, die eine problemlose Umsetzung in der Praxis ermöglicht.
Im Anhang finden sich zahlreiche wertvolle Tabellen als Arbeitshilfen, wie z.B. eine als erste Orientierung geeignete Aufstellung nach Verletzungsart geordneter
Schmerzensgeldentscheidungen und hilfreiche Kapitalisierungstabellen. Zudem sind die gesetzlichen Grundlagen abgedruckt.
Gesamteindruck:
Insgesamt verbleibt nach ausführlicher Durchsicht und „Erprobung“ des Werkes kein Zweifel am Fortgang dessen Erfolgswegs. Das Handbuch gefällt durch seine
gehaltvolle Darstellung, das Gedanken- und Kenntnisreichtum und nicht zuletzt eine ausgezeichnete Verständlichkeit. Es bleibt lediglich zu hoffen, dass sich Autoren und
Verlag nach Inkrafttreten des reformierten Versicherungsvertragsrechts zügig für eine Neuauflage entscheiden, zumal auch die Rechtsprechung in der Zeit seit
Redaktionsschluss des Werkes nicht still stand.
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