Praxis in Fällen
Eine Rezension zu:
Friedrich-Christian Schroeder / Wolfhard Meindl
Fallrepetitorium zum Strafverfahrensrecht
nach höchstrichterlichen Entscheidungen
4., völlig neu bearbeitete Auflage
JURATHEK Praxis
C.F. Müller, Heidelberg 2004, 238 Seiten, 20,- €
ISBN 3-8114-5123-5
http://www.cfmueller-verlag.de

Die 4. Auflage des von
Schroeder
begründeten Werkes wurde aus der Reihe
Fälle und Lösungen in die Reihe
JURATHEK Praxis überführt und wird nun von Staatsanwalt
Meindl betreut. Wer das
ZPO-Fallrepetitorium von
Zimmermann kennt, wird in diesem Buch ein etwas anderes Konzept entdecken. Während
Zimmermann eher das Frage-Antwort-Prinzip nutzt und
viele kleinere Fälle stellt, präsentiert das "Fallrepetitorium zum Strafverfahrensrecht" 13 umfangreichere Fälle, die an die höchstrichterliche Rechtsprechung angelehnt
sind. Hierzu wurden die ersten 47 Bände der Amtlichen Sammlung des BGH ausgewertet und die praxisrelevantesten Probleme ausgewählt. So ist eine Fallsammlung entstanden, die
nicht nur die klausurrelevanten Probleme des Strafprozessrechts für den Studenten aufbereitet, sondern auch einen tollen Einblick in die Praxis der Strafgerichte
bietet.
Die 13 Fälle befassen sich u.a. mit diesen Aspekten: Beschleunigungsgrundsatz, Ablauf der Hauptverhandlung, Verhandlung in Abwesenheit des Angeklagten, Fernsehaufnahmen
während der Hauptverhandlung, Schweigen des Angeklagten als Schuldindiz, Verwertbarkeit früherer Vernehmungen, Zeugnis- und Auskunftsverweigerungsrechte, Fernwirkung von
Beweisverboten, V-Mann-Problematik, Rechtsmittelverzicht, Verfahrenshindernisse im Revisionsverfahren. Die Schwerpunkte eines jeden Falls werden sowohl im Inhaltsverzeichnis
als auch in der Überschrift zum jeweiligen Fall aufgezählt.
Nach den Schwerpunkten werden die Fundstellen der jeweils einschlägigen BGH-Entscheidungen genannt. Anschließend folgt der Sachverhalt, der im Durchschnitt gut eine Seite
umfasst und so gedruckt ist, dass er kopiert werden kann, ohne einen Teil der Lösung mitkopieren zu müssen. Die Lösung wird bei jedem Fall durch eine grobe Lösungsskizze
eingeleitet. Im Folgenden kann der Leser eine komplett ausformulierte Musterlösung nachlesen. Diese Lösungen sind gut strukturiert und so flüssig formuliert, dass sich das
Buch fast als Lehrbuch oder Lektüre über das Strafverfahren eignet. Das Buch kann somit nicht nur zur Klausurvorbereitung, sondern auch als lesenswertes Werk über die
alltäglichen Probleme im Strafverfahren herangezogen werden. Wer einzelne Punkte noch vertiefen möchte, findet in den Fußnoten weiterführende Fundstellen.
Hinter Fall 13 befindet sich noch ein Anhang. In diesem werden zunächst die Fundstellen aller eingearbeiteten Fälle in diversen Zeitschriften abgedruckt. Anschließend hat
der Verfasser einen Katalog der wichtigsten Revisionsgründe erstellt, der die einzelnen Vorschriften zu den Revisionsgründen übersichtlich abarbeitet. Eher für den
Referendar interessant sind die nachstehenden Muster einer Revisionsbegründung sowie einer Schwurgerichtsanklage. Derartige Kenntnisse werden im Studium noch nicht
erwartet.
Gesamteindruck:
Eine Fallsammlung, die sich auch einfach nur flüssig und interessant lesen lässt, findet man nicht alle Tage. Das Fallrepetitorium zum Strafverfahrensrecht erfüllt diese
Einschätzung aber. Es ist richtig spannend zu lesen, in welchen praktischen Situationen die verschiedenen StPO-Probleme tatsächlich eine Rolle spielen.