Jurawelt

Artikel 9917
Stefanie Samland
06.01.2005

Praxis in Fällen

Eine Rezension zu:

Friedrich-Christian Schroeder / Wolfhard Meindl

Fallrepetitorium zum Strafverfahrensrecht

nach höchstrichterlichen Entscheidungen

4., völlig neu bearbeitete Auflage

JURATHEK Praxis

C.F. Müller, Heidelberg 2004, 238 Seiten, 20,- €
ISBN 3-8114-5123-5

http://www.cfmueller-verlag.de


Die 4. Auflage des von Schroeder begründeten Werkes wurde aus der Reihe Fälle und Lösungen in die Reihe JURATHEK Praxis überführt und wird nun von Staatsanwalt Meindl betreut. Wer das ZPO-Fallrepetitorium von Zimmermann kennt, wird in diesem Buch ein etwas anderes Konzept entdecken. Während Zimmermann eher das Frage-Antwort-Prinzip nutzt und viele kleinere Fälle stellt, präsentiert das "Fallrepetitorium zum Strafverfahrensrecht" 13 umfangreichere Fälle, die an die höchstrichterliche Rechtsprechung angelehnt sind. Hierzu wurden die ersten 47 Bände der Amtlichen Sammlung des BGH ausgewertet und die praxisrelevantesten Probleme ausgewählt. So ist eine Fallsammlung entstanden, die nicht nur die klausurrelevanten Probleme des Strafprozessrechts für den Studenten aufbereitet, sondern auch einen tollen Einblick in die Praxis der Strafgerichte bietet.

Die 13 Fälle befassen sich u.a. mit diesen Aspekten: Beschleunigungsgrundsatz, Ablauf der Hauptverhandlung, Verhandlung in Abwesenheit des Angeklagten, Fernsehaufnahmen während der Hauptverhandlung, Schweigen des Angeklagten als Schuldindiz, Verwertbarkeit früherer Vernehmungen, Zeugnis- und Auskunftsverweigerungsrechte, Fernwirkung von Beweisverboten, V-Mann-Problematik, Rechtsmittelverzicht, Verfahrenshindernisse im Revisionsverfahren. Die Schwerpunkte eines jeden Falls werden sowohl im Inhaltsverzeichnis als auch in der Überschrift zum jeweiligen Fall aufgezählt.

Nach den Schwerpunkten werden die Fundstellen der jeweils einschlägigen BGH-Entscheidungen genannt. Anschließend folgt der Sachverhalt, der im Durchschnitt gut eine Seite umfasst und so gedruckt ist, dass er kopiert werden kann, ohne einen Teil der Lösung mitkopieren zu müssen. Die Lösung wird bei jedem Fall durch eine grobe Lösungsskizze eingeleitet. Im Folgenden kann der Leser eine komplett ausformulierte Musterlösung nachlesen. Diese Lösungen sind gut strukturiert und so flüssig formuliert, dass sich das Buch fast als Lehrbuch oder Lektüre über das Strafverfahren eignet. Das Buch kann somit nicht nur zur Klausurvorbereitung, sondern auch als lesenswertes Werk über die alltäglichen Probleme im Strafverfahren herangezogen werden. Wer einzelne Punkte noch vertiefen möchte, findet in den Fußnoten weiterführende Fundstellen.

Hinter Fall 13 befindet sich noch ein Anhang. In diesem werden zunächst die Fundstellen aller eingearbeiteten Fälle in diversen Zeitschriften abgedruckt. Anschließend hat der Verfasser einen Katalog der wichtigsten Revisionsgründe erstellt, der die einzelnen Vorschriften zu den Revisionsgründen übersichtlich abarbeitet. Eher für den Referendar interessant sind die nachstehenden Muster einer Revisionsbegründung sowie einer Schwurgerichtsanklage. Derartige Kenntnisse werden im Studium noch nicht erwartet.

Gesamteindruck:
Eine Fallsammlung, die sich auch einfach nur flüssig und interessant lesen lässt, findet man nicht alle Tage. Das Fallrepetitorium zum Strafverfahrensrecht erfüllt diese Einschätzung aber. Es ist richtig spannend zu lesen, in welchen praktischen Situationen die verschiedenen StPO-Probleme tatsächlich eine Rolle spielen.
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