Elke Sassenberg
05.10.2004
Das Strafurteil
Michael Huber
Das Strafurteil
2. Auflage
C.H. Beck, München 2004, 187 Seiten, 17,- €
ISBN 3-406-51620-3
http://www.beck.de
Das Buch "Das Strafurteil" von Michael Huber richtet sich vorwiegend an Rechtsreferendare. Ihnen soll eine Hilfestellung gegeben werden, das im Einzelfall anzuwendende
materielle und formelle Recht richtig in den Urteilsaufbau einzuordnen und das Erlernte, vor allem im Hinblick auf das zweite Staatsexamen, sicher gebrauchen zu können.
Außerdem richtet sich das Buch aber auch an Richter, die erstmals ein Strafreferat übernehmen und sich dort einarbeiten müssen und an die Anwaltschaft, die alleine schon für
einen Rechtsmittelangriff wissen muss, wie ein Urteil aufgebaut und abgefasst ist.
Der Autor ist Vizepräsident des Landgerichts Deggendorf und Honorarprofessor an der Universität Passau. Darüber hinaus ist er nebenamtlich Leiter von
Referendararbeitsgemeinschaften und kennt die Probleme der Referendare, die sich während der Ausbildung ergeben. Das Buch vereint daher praktische Erfahrungen und
didaktische Ausführungen.
Gegliedert ist das Werk in vier Teile. Im ersten Teil behandelt der Autor allgemeine Fragen wie den Gegenstand der Urteilsfindung, insbesondere den Begriff der Tat im
verfahrensrechtlichen Sinne, die Urteilsberatung und –verkündung sowie allgemeine Angaben etwa zum Stil oder zur Berichtigung eines Urteils. Im zweiten Teil befasst
sich der Autor mit der Verurteilung. Der dritte Teil widmet sich dem Freispruch und der Einstellung des Verfahrens und der vierte Teil schließlich behandelt Sonderfälle, wie
etwa die Teileinstellung, das Sicherungsverfahren, das Urteil in Jugendsachen, die Entscheidung in der Rechtsmittelinstanz oder das Urteil nach Einspruch gegen einen
Strafbefehl.
Besonders ausführlich behandelt der Verfasser die Beweiswürdigung. Schließlich ist es nicht selten von besonderer Bedeutung, ob eine Tatsache bewiesen oder eben nicht
bewiesen ist. Mit dieser Problematik muss sich der Richter, aber auch die anderen Prozessbeteiligten auseinandersetzen. Nicht zuletzt bereitet dies dem Rechtsreferendar, der
nach einer eher theoretischen universitären Ausbildung diesbezüglich ins kalte Wasser geworfen wird, erhebliche Schwierigkeiten. Michael Huber erklärt anschaulich Prinzipien
und Besonderheiten. Die praktische Behandlung des Schweigens des Angeklagten, des Indizienbeweises und des Beweisverbotes werden verständlich dargestellt. Hilfreich ist
dabei auch, dass der Autor dem Leser Beispielsfälle zum vergleichenden Verständnis an die Hand gibt. Auch beispielhafte Tabellen verdeutlichen, wie man diese Arbeit
praktisch bewältigen kann.
Einen weiteren Schwerpunkt, der hier exemplarisch vorgestellt werden soll, legt der Autor auf die Frage des Strafrahmens sowie der Strafzumessung. Das Prinzip der
gesetzlichen Minderungsgründe und die sich daraus ergebende Strafrahmenverschiebung wird verständlich und anhand von Beispielen dargestellt.
Gesamteindruck:
Das 187 Seiten starke Buch ist verständlich geschrieben und (nicht nur) für die Arbeit des Rechtsreferendars sehr zu empfehlen. Allerdings muss sich der Referendar stets vor
Augen halten, dass das Buch nur einen Teil der strafprozessualen Ausbildung abdeckt. Denn mindestens genauso wichtig für das zweite Staatsexamen ist die Fähigkeit, Anklagen
aus staatsanwaltlicher Sicht schreiben zu können. Auch zur Anfertigung von Gutachten etc. gibt der Autor keine Hinweise. In diesen Bereichen ist es erforderlich, ein
zusätzliches Buch zu lesen. Mit einem Preis von 17,- € ist das Buch jedoch auch als "Zweitbuch" noch erschwinglich.
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