Jurawelt

Artikel 9384
Stefanie Samland
14.07.2004

Aktuelle Entwicklungen

Eine Rezension zu:

Joachim Vogel / Michael Grotz

Perspektiven des internationalen Strafprozessrechts


Juristische Studiengesellschaft Karlsruhe

C.F. Müller, Heidelberg 2004, 71 Seiten, 19,- €
ISBN 3-8114-5139-1

http://www.cfmueller-verlag.de


Der kleine Band gibt zwei Vorträge wieder, die die Autoren am 14. Mai 2002 im Siegfried-Buback-Saal der Bundesanwaltschaft vor Zuhörern der Juristischen Fakultät der Universität Tübingen und der Juristischen Studiengesellschaft Karlsruhe gehalten haben. Während der längere Beitrag von Vogel, Professor für Strafrecht und Strafprozessrecht der Universität Tübingen, sich mit den grundlegenden Tendenzen im Internationalen Strafprozessrecht und insb. mit den Entwicklungen in der Europäischen Union befasst, wendet sich Grotz, Bundesanwalt am Bundesgerichtshof, spezielleren Fragestellungen zu. Beide Referate haben auch bei Veröffentlichung des Bandes, zwei Jahre nach dem Vortrag, noch aktuelle Relevanz, da die angesprochenen Themen immer noch "im Gange" sind.

Besonders die Leser, die selbst mit dem Gedanken spielen, sich demnächst in einer Dissertation o.ä. mit dem europäischen und/oder internationalen Strafverfahrensrecht zu beschäftigen, werden im Vortrag von Vogel eine wahre Fundgrube finden. Der Verfasser zeigt Parallelen zum internationalen Zivilprozessrecht auf, untersucht die Rechtsquellen und Prinzipien des internationalen Strafprozessrechts ebenso wie die bisherigen Entwicklungen und absehbaren Perspektiven und stellt den aktuellen Forschungsstand dar. So erfährt der Leser, welche Autoren sich bisher mit diesem Thema befassen und dass ein Gesamtwerk zum internationalen Strafprozessrecht immer noch darauf wartet geschrieben zu werden. Als Ergänzung zur Vortragsform findet der Leser auch zahlreiche nützliche Fußnoten mit weiteren Verweisen. Im letzten Teil des Vortrags werden aktuelle Anwendungsgebiete näher vorgestellt – allesamt Fragen, die noch nicht "ausdiskutiert" sind.

Der im Gegensatz zu Vogels Referat eher kurze Beitrag von Grotz behandelt die Rechtsetzungstätigkeit im Bereich des internationalen Strafprozessrechts, die gegenseitige Anerkennung von Entscheidungen, den Grundsatz ne bis in idem sowie die Entwicklungen zum Europäischen Haftbefehl.

Gesamteindruck:
Für 71 Seiten ist der Band mit 19 € für Studenten nahezu tabu. Dennoch sollten diejenigen, die eine Dissertation im Bereich des Internationalen Strafprozessrechts planen, die Ausgabe nicht scheuen, denn vor allem der spannende Beitrag von Vogel stellt in beeindruckender Weise den Forschungsstand und die in der nahen Zukunft relevanten Fragen dieses überaus lukrativen Themengebiets dar. Wer in diesem Band kein Promotionsthema findet, ist selbst schuld!
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