Alexander Otto
06.05.2004
Crashkurs strafprozessuale Revision
Eine Rezension zu:
Norbert Mutzbauer
Strafprozessuale Revision
Eine Anleitung für Klausur und Praxis
5. Auflage
JA Referendarpraxis
Luchterhand, München 2003, 182 Seiten, 18,- €
ISBN 3-472-05648-7
http://www.luchterhand-fachverlag.de
RiOLG Dr. Nobert Mutzbauer, der zugleich hauptamtlicher Arbeitsgemeinschaftsleiter beim LG München I ist, greift ein Thema auf, das in der Literatur zwar schon in mehr oder
weniger ausführlichen Lehrbüchern thematisiert worden ist, bislang allerdings nicht speziell für Referendare und junge Strafverteidiger aufbereitet wurde.
Nun stellt sich allerdings auch durchaus die Frage, ob es überhaupt erforderlich ist, das (strafrechtliche) Revisionsrecht in dieser Form aufzubereiten. Das Revisionsrecht
bildet ja bekanntlich nur sehr selten den Schwerpunkt der juristischen Berufstätigkeit eines Anwalts, Staatsanwalts oder Richters. Das mag vor allem an der Komplexität,
Schwierigkeit und den aus der Sicht der Strafverteidiger nur selten bestehenden Erfolgsaussichten liegen. Aber nur, weil eine Thematik schwierig, komplex, manchmal gar
frustrierend ist, darf sie aus der Ausbildung nicht verschwinden. Zudem bietet das strafrechtliche Revisionsrecht die Möglichkeit, sich mit häufigen Fehlern im
Strafverfahren oder auch den strafprozessualen Grundsätzen intensiv zu beschäftigen. Das kann nicht nur zu einem sehr positiven Ausbildungseffekt führen, sondern v.a. zu
einer Sensibilisierung hinsichtlich des Ablaufes eines Strafverfahrens führen, die in Referendariat, insbesondere aber in der späteren Praxis von großer Bedeutung ist.
Deshalb ist es sehr sinnvoll diese (leider unbeliebte, aber an sich hochinteressante und spannende) Thematik auch einmal für alle angehenden Juristen so aufzubereiten, dass
sie einigermaßen verständlich und in der Praxis anwendbar ist.
Diesem Anspruch gerecht zu werden, versucht Mutzbauer in der nunmehr fünften überarbeiteten Auflage der "Strafprozessualen Revision". Somit dürfte man das neu überarbeitete
Werk durchaus als Standardwerk für Referendare und junge Juristen bezeichnen. Zwar kann dieses Buch hinsichtlich der Vollständigkeit nicht an die gängigen (wesentlich
umfangreicheren) Werke zum Revisionsrecht heranreichen. Aber das soll und darf es auch nicht. Denn bei einem für Referendare und junge Praktiker konzipierten Buch darf
gerade nicht eine zu detaillierte und zu umfangreiche Bearbeitung erfolgen. Dann würde es das oben genannte Ziel auch verfehlen.
Mutzbauer versteht es hier den "goldenen Mittelweg" zu finden und einzuschlagen. Er stellt das strafrechtliche Revisionsrecht in der gebotenen Kürze dar, unterlässt es dabei
aber nicht die wichtigsten Probleme und Aspekte in der gebotenen Länge zu erläutern. Wer dann für Einzelprobleme eine detailreiche Bearbeitung benötigt, muss nur den
umfangreichen Hinweisen auf Rechtsprechung, Literatur und Kommentarliteratur in den Fußnoten folgen.
Der Autor stellt die "Strafprozessuale Revision" in fünf großen Abschnitten dar. Zunächst beginnt er damit, das Wesen der Revision auf einigen wenigen Seiten zu erläutern.
Das ist sicher als Hintergrundinformation wichtig. Der Umfang von drei Seiten für diesen Bereich wird aber auch der geringen Bedeutung in der praktischen Anwendung für
Referendare, sei es in Klausur oder Stationspraxis, gerecht.
Dann folgt die Zulässigkeit der Revision. Wesentlich umfangreicher ist allerdings der dritte und wichtigste Teil, der sich mit dem Inhalt einer Revisionsbegründung befasst.
Hier werden nicht nur Verfahrens- und Sachrüge unterschieden, sondern auch viele in der Praxis auftauchende Fallgruppen dargestellt. Der darauf folgende vierte Abschnitt
skizziert dann noch den Prüfungsumfang und die Entscheidung über die Revision. Der fünfte und letzte Teil beschäftigt sich dann mit allem rund um die Revisionsklausur, von
den Typen und Themen über Aufbauschemata bis hin zu einer Beispielsklausur.
Das gesamte Werk zeichnet sich durch Übersichtlichkeit, kluge Aufteilung und angenehmes Layout aus. Alle Themen werden, soweit es erforderlich ist, mit Aufbauschemen,
Beispielsschriftsätzen und gesonderten Hinweisen für Examensklausuren gespickt. Wichtige Punkte werden stets wiederholt, durch Übersichten oder Kästchen hervorgehoben und
zusammengefasst. Auch die Musterschriftsätze werden, stets an Hand von Fallbeispielen gelöst, gesondert hervorgehoben und deutlich erkennbar dargestellt.
Das Buch eignet sich sowohl als "Crashkurs Revisionsrecht" zur Examensklausurvorbereitung als auch in der Praxis als Anleitung/Anregung für Schriftsätze. Bei einem
verhältnismäßig sehr günstigen Preis von 18 € eignet sich dieses Buch gerade für die angestrebte Zielgruppe sehr gut. Bei einer tiefergehenden Einarbeitung oder der
ersten Begegnung mit dem strafverfahrensrechtlichen Revisionsrecht sollte allerdings stets eines der gängigen Werke zum Revisionsrecht hinzugezogen werden.
Gerade für bayerische Examenkandidaten dürfte das Buch sehr interessant sein, nicht nur weil der Autor das Buch aus seinen Erfahrungen als hauptamtlicher
Arbeitsgemeinschaftsleiter heraus verfasst haben dürfte. Interessant ist auch die Auflistung der Häufigkeit von bestimmten Themen in den bayerischen
(Examens-)Revisionsklausuren. Aber das dürfte auch für alle Nicht-Bayern interessant sein.
Gesamteindruck:
Das Preis-/Leistungsverhältnis ist sehr gut. Insgesamt ein gutes Buch zur Begleitung im Referendariat oder zu Beginn der beruflichen Karriere, das sich zudem durch
Übersichtlichkeit und gute Verständlichkeit auszeichnet.
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