Jurawelt

Artikel 8985
Stefanie Samland
15.03.2004

Meinungsstreits auf einen Blick

Eine Rezension zu:

Dieter Rössner

30 Probleme aus dem Strafprozessrecht


1. Auflage

Luchterhand, München 2003, 129 Seiten, 12,50 €
ISBN 3-472-05161-2

http://www.luchterhand-fachverlag.de


Wer kennt sie nicht, die 32 Probleme aus dem Strafrecht AT, in denen u.a. erläutert wird, welche Meinungen zum Erlaubnistatbestandsirrtum vertreten werden, oder die 40 Probleme aus dem Strafrecht BT von Thomas Hillenkamp? Nun wurde die Reihe ergänzt durch ein neues Buch mit 30 Problemen aus dem Strafprozessrecht, so dass das Strafrecht bei den hilfreichen Büchlein über Meinungsstreits komplett ist. Der Autor ist Professor an der Universität Marburg.

Von Verfassungsprinzipien und Verfahrensgrundsätzen über die Beteiligten am Strafprozess und das Beweisrecht bis hin zum Urteil, seiner Rechtskraft und den Rechtsmitteln präsentiert Rössner anhand von 30 Fällen die ausbildungsrelevantesten Meinungsstreits aus dem Strafprozessrecht in sehr anschaulicher und übersichtlicher Form. In gewohnter Manier wird nach dem Eingangsfall, der die Streitfrage verdeutlichen soll, knapp der Ausgangspunkt der Diskussion geschildert. An dieser Stelle erhält der Leser "nebenbei" auch weiterführende Hinweise zum jeweiligen Problem. Anschließend werden alle vertretenen Meinungen mit ihren Vertretern und vor allem Argumenten dargestellt und schließlich auf den Ausgangsfall übertragen.

Die von Rössner ausgewählten Probleme geben gut wieder, was in Vorlesungen und Seminaren zum Strafprozessrecht besprochen wird und stellen damit eine gute Auswahl für die Vorbereitung auf Examensklausuren mit strafprozessualen Zusatzfragen oder die mündliche Prüfung dar. Als Beispiele seien genannt: die Verwendbarkeit von Tagebuchaufzeichnungen des Verdächtigen als Beweismittel (1. Problem), der "Deal" im Strafprozess (2. Problem), die außerdienstlich erlangten Kenntnisse der Staatsanwaltschaft (5. Problem), der Massentest zur DNA-Analyse (11. Problem), der Einsatz polizeilicher Lockspitzel (14. Problem), Verstöße gegen Belehrungspflichten (18./19. Problem), die "fruit of the poisonous tree"-Doktrin (21. Problem) oder die "reformatio in peius" bei Einlegung eines Einspruchs im Strafbefehlsverfahren (27. Problem).

Zu Fall 17 gibt es neben der Präsentation der Meinungen zu §§ 255a, 252 StPO auch eine ausführliche Musterlösung des Ausgangsfalles im Gutachtenstil. Diese soll exemplarisch darstellen, wie ein Meinungsstreit im Strafprozessrecht in der Klausur geführt werden kann. Hierbei werden zwei Varianten abgedruckt, die sich jeweils einer Meinung anschließen. Ebenfalls hilfreich sind auch die Übersichten, die hier und da in die Aufarbeitung integriert sind. Auch das anschauliche Druckbild als Ganzes kann nur lobend erwähnt werden.

Gesamteindruck:
Die "30 Probleme aus dem Strafprozessrecht" stellen eine sehr gelungene Ergänzung zum Strafrechtsprogramm der Meinungsstreits-Bücher aus dem Luchterhand-Verlag dar. Die 12,50 € sind eine lohnenswerte Investition für alle, die sich näher für das Strafprozessrecht interessieren.





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