Stefanie Samland
05.02.2005
Umfangreiche Änderungen
Eine Rezension zu:
Karl Lackner / Kristian Kühl
StGB
Strafgesetzbuch – Kommentar
25. Auflage
C.H. Beck, München 2004, 1.475 Seiten, 50,- €
ISBN 3-406-52295-5
http://www.beck.de
Drei Jahre hat die Neuauflage des Kommentars Lackner/Kühl auf sich warten lassen. Bedingt war diese Zeit durch die Tatsache, dass Kristian Kühl nunmehr die
Bearbeitung komplett übernommen hat und Karl Lackner seit der aktuellen Auflage nicht mehr kommentiert. Zudem waren 21 Gesetzesänderungen einzuarbeiten – somit
handelt es sich bei der neuen Auflage nicht lediglich um einen Neudruck mit kleineren Änderungen, sondern um eine in großen Teilen völlig neu bearbeitete Darstellung. So
musste Kühl vor allem die bisher von Lackner gestalteten Teile, z.B. §§ 38-79b StGB, aufarbeiten.
Unter den Gesetzesänderungen seit der Vorauflage von 2001 waren z.B. das Gesetz zur Einführung des Völkerstrafgesetzbuches, das Gesetz zur Umsetzung des Rahmenbeschlusses
des Rates zur Terrorismusbekämpfung, das Gesetz zur Änderung der Vorschriften über die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sowie das Gesetz zur Einführung der
nachträglichen Sicherungsverwahrung.
Das Vorwort der 1. Auflage drückt aus, für welche Zielgruppe der Kommentar gedacht ist. Er soll eine knappe Darstellung für den ersten Einstieg in strafrechtliche Probleme
oder für denjenigen, der nur am Rande mit Strafrecht beschäftigt ist, bieten. Anders als z.B. der Tröndle/Fischer enthält dieses Werk keine Kommentierungen zu
Nebengesetzen. So wird der Lackner/Kühl – auch aufgrund des noch moderaten Preises – wohl vor allem von Studenten herangezogen. Diese finden hier neben
den Definitionen der Tatbestandsmerkmale auch Meinungsstreits mit Literaturnachweisen gut lesbar aufbereitet. So enthält z.B. die Kommentierung zu § 15 StGB sämtliche
Ansichten zum bedingten Vorsatz. Weniger studiumsrelevante Vorschriften – wie der im Zuge des EU-Rahmenbeschlusses zur Terrorismusbekämpfung geänderte § 129a StGB
– werden dagegen nur recht kurz erläutert. Der Praktiker, der mit derartigen Fragen konfrontiert wird, wird zu einem umfangreicheren Kommentar greifen müssen, um
Detailprobleme zu klären.
Sehr vorbildlich hat Kristian Kühl die Literatur zu den neuen bzw. geänderten Vorschriften ausgewertet. Wer sich mit der nachträglichen Sicherungsverwahrung nach §
66b StGB befassen möchte, wird zielgerichtet auf die Rechtsprechung und Aufsatzliteratur aus dem Jahr 2004 geleitet. Aber auch in den Vorschriften, in denen keine
Gesetzesänderungen zu verzeichnen waren, hat der Autor die Rechtsprechung auf den aktuellen Stand gebracht, so z.B. zum Verhältnis von Nötigungsmittel und Wegnahme beim
Raub. Auch der inzwischen erschienene Münchener Kommentar zum Strafgesetzbuch wurde einbezogen.
Gesamteindruck:
Nach längerer Wartezeit liegt wieder eine topaktuelle Ausgabe des Lackner/Kühl vor. Studenten werden aufgrund der komprimierten Darstellung und des noch
erschwinglichen Preises gern zu diesem Werk greifen, welches Kühl nun allein in der bewährten Weise fortführt.
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