Jurawelt

Artikel 9794
Stefanie Samland
25.11.2004

Meinungsstreits zu den Vermögensdelikten

Eine Rezension zu:

Thomas Diehn

Strafrecht BT 1

Vermögensdelikte

1. Auflage

Juristische Streitstände

Richter-Verlag, Dänischenhagen 2004, 151 Seiten, 9,80 €
ISBN 3-935150-41-5

http://www.juristische-streitstaende.de


Nahezu jedem Student ist die Reihe Examenstypische Klausurprobleme, aus der sicher die Werke von Hillenkamp – 32 Probleme aus dem Strafrecht AT bzw. 40 Probleme aus dem Strafrecht BT – am bekanntesten sind, ein Begriff. Dort werden die typischsten Meinungsstreits mit allen vertretenen Ansichten, Argumenten und Vertretern umfangreich dargestellt. Der Richter-Verlag hat nun eine ähnliche Reihe Juristische Streitstände eröffnet, in der schon Bücher zum Strafrecht BT, Staatsorganisationsrecht, BGB AT und Sachenrecht erschienen sind. Das Konzept ist etwas anders: Es werden nicht nur die wichtigsten Streits, sondern eine Vielzahl von Streitständen aufgezeigt, dafür aber komprimiert auf die Ansichten und Argumente, die auch in einer Klausur vom Bearbeiter erwartet werden können. Jeder Streit umfasst lediglich ein bis zwei Seiten in den ca. 150 Seiten starken Büchern.

Der kleine Band zum Strafrecht BT 1 beschäftigt sich mit den Vermögensdelikten. Autor Thomas Diehn hat das Buch in die Straftaten gegen das Eigentum, Straftaten gegen sonstige Vermögenswerte, Betrug und Erpressung, Untreue und untreueähnliche Delikte sowie Anschlussdelikte aufgeteilt. Jedem Kapitel ist ein Inhaltsverzeichnis über die behandelten Streits vorangestellt. Die Darstellung eines Meinungsstreits ist wie folgt aufgebaut: Nach einer sehr kurzen Einführung von wenigen Zeilen – die zuweilen auch ganz wegfällt – wird der Streitstand in einem Satz formuliert. Anschließend werden die wichtigsten Theorien analysiert, wobei die Argumente auch knapp gehalten und mit einprägsamen Stichwörtern versehen sind, damit der Leser sie in der Klausur wieder abrufen kann. Auf Literaturnachweise wurde – bis auf einzelne Lesehinweise zum Abschluss einiger Streits – verzichtet, da das Buch vordergründig zur Vorbereitung auf Klausuren und nicht zur Streitbearbeitung in einer Hausarbeit dienen soll. Zum Ende gibt der Verfasser dem Leser jeweils weitere Hinweise an die Hand, die mit dem genannten Streitstand in Verbindung stehen, z.B. Bemerkungen zur praktischen Bedeutung des jeweiligen Streits.

Neben bekannten Streitfragen wie z.B. der Sacheigenschaft des menschlichen Leichnams oder die Frage, ob eine bloße Zustandsveränderung schon eine Sachbeschädigung darstellt, werden auch Streits vorgestellt, die dem Studenten aus der Vorlesung eher nicht geläufig sind, so z.B. der mit "§ 266a I StGB und Vorrang des Sozialversicherungsanspruchs" betitelte Streitstand Nr. 70. Insgesamt präsentiert Diehn 85 Streitstände zu den Vermögensdelikten. Dem Leser werden gute Argumente geliefert, die dieser in einer Klausur heranziehen kann, um einen Streit zu entscheiden, diese Entscheidung bleibt im vorliegenden Buch jedoch offen. In den abschließenden Hinweisen zu jedem Streitstand hätte zuweilen noch ein kleiner Fall untergebracht werden können, der die Unterschiede in den einzelnen Meinungen herausstellt und die Bedeutung des Streitentscheids verdeutlicht.

Gesamteindruck:
Alle behandelten Streitstände wiedergeben zu können, kann sicher nicht das Ziel eines jeden Lesers sein, dazu sind einzelne Streitfragen zu speziell. Dennoch gibt dieses Buch dem Leser die Gelegenheit, Problembewusstsein zu entwickeln und in der Klausur selbst in der Lage zu sein, eigene Meinungen zu entwickeln oder sich auch an das eine oder andere Stichwort zu erinnern. Die rosa Umschlagfarbe ist sicherlich Geschmackssache, die Gestaltung der Streitstände im Buch ist jedoch sehr praktikabel und übersichtlich.





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