Jurawelt

Artikel 9781
Stefanie Samland
20.11.2004

Repetitorium mit Fällen und Schemata

Eine Rezension zu:

Christian Jäger

Examens-Repetitorium Strafrecht Allgemeiner Teil


1. Auflage

Unirep Jura

C.F. Müller, Heidelberg 2003, 265 Seiten, 18,- €
ISBN 3-8114-1974-9

http://www.cfmueller-verlag.de


Die Reihe Unirep Jura wird immer weiter ausgebaut und soll in Zukunft eine Reihe von Büchern enthalten, die dem Examenskandidaten die optimale Vorbereitung auf die Bearbeitung von Klausurfällen bieten. So findet man auch bei Jäger, der einen Band zum Allgemeinen Teil des Strafrechts geschrieben hat, auch ständig Beispielfälle, erläuterte Schemata sowie Hinweise für die Fallbearbeitung. Ausführlich gelösten Fällen wird erheblich mehr Platz eingeräumt als theoretischen Ausführungen zu Meinungsstreits, die zum Teil – mit gutem Grund, da die Zielgruppe die der fortgeschrittenen Studenten ist – vorausgesetzt werden.

Im Gegensatz zu bekannten AT-Lehrbüchern beginnt Jäger nicht mit dem dreistufigen Aufbau von Tatbestand, Rechtswidrigkeit und Schuld in der Gliederung, sondern benennt die Gliederungspunkte des objektiven Tatbestands etwas anders. Die Handlungslehren tauchen schon im Abschnitt "Allgemeines" auf, der folgende Abschnitt wird "Die Zurechnung eines Erfolges zur Person des Täters" genannt und behandelt sowohl Kausalitätsfragen als auch die objektive Zurechnung. Diese Unterscheidung nimmt der Verfasser jedoch nicht so deutlich vor wie es der Student aus Lehrbüchern gewohnt sind, vielmehr werden die Fallgruppen der Risikoverringerung, des rechtmäßigen Alternativverhaltens oder der Fremdverantwortung als Einschränkungsmöglichkeiten der Kausalitätslehren aufgeführt und erläutert. Die Gliederung ist an dieser Stelle unglücklich, so werden unter der Überschrift "1. Die Ursächlichkeit der Täterhandlung für den eingetretenen Erfolg" zunächst die einzelnen Kausalitäten (hypothetische, überholende, kumulative und alternative Kausalität) mit Aufzählungspunkten gekennzeichnet und gleich im Anschluss werden die Fallgruppen zur Einschränkung der Kausalitätstheorien mit a, b, c usw. benannt. Hier wäre eine Gliederungsebene mehr hilfreich gewesen.

Jäger fährt dann mit dem Vorsatz fort. Die verschiedenen Ansichten zum Willenselement beim Eventualvorsatz werden jeweils in einem Satz vorgestellt und untermauert bzw. kritisiert. An dieser Stelle ist der Leser gehalten, sein Wissen an anderer Stelle aufzufrischen, falls Bedarf an Details besteht. Im Rahmen der Rechtswidrigkeit beschränkt sich der Autor auf die klausurrelevantesten Rechtfertigungsgründe, weitere werden ganz kurz gestreift. Im Gegensatz zur rechtfertigenden Einwilligung wird das tatbestandsausschließende Einverständnis nicht ausführlicher thematisiert, hierzu finden sich nur einige Hinweise in der Vorbemerkung zur Einwilligung. Nach den Schuldfragen beschäftigt sich das Buch mit Problemen der Täterschaft und Teilnahme, des Versuchs sowie dem Unterlassungsdelikt und dem Fahrlässigkeitsdelikt. Den Abschluss bildet ein Abschnitt über die Konkurrenzen.

Hervorzuheben ist eindeutig die fallorientierte Darstellung. Neben vielen kleinen Beispielfällen kann der Leser sich immer wieder an gutachterlich gelösten Klausurfällen austesten. Was den Lesefluss jedoch erheblich stört, ist das chaotische Layout. Ständig wechseln Schriftgrößen und Textformatierungen, zudem werden die Fälle immer durch graue Linien zu Beginn und am Ende abgegrenzt, was auch merkwürdig aussieht. Auch die Überschriften zu den kursiv gedruckten Klausurhinweisen variieren ständig von "Hinweis" über "Hinweis an den Studenten" bis zu "Achtung Klausur", auch hier hätte man einheitlicher vorgehen können.

Gesamteindruck:
Der neue Band in der Reihe Unirep Jura von Christian Jäger bietet gute Möglichkeiten, sich bei vorhandenen Vorkenntnissen fallorientiert auf das Examen vorzubereiten. Jedoch stört der optische Eindruck die flüssige Lesbarkeit.





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