Stefanie Samland
10.08.2004
Etabliert in der Studentenliteratur
Eine Rezension zu:
Thomas Hillenkamp
32 Probleme aus dem Strafrecht – Allgemeiner Teil
11. Auflage
Luchterhand, München 2003, 221 Seiten, 15,90 €
ISBN 3-472-05667-3
sowie
40 Probleme aus dem Strafrecht – Besonderer Teil
10. Auflage
Luchterhand, München 2004, 207 Seiten, 15,90 €
ISBN 3-472-05823-4
http://www.luchterhand-fachverlag.de
Wenn zwei Bücher schon in der 11. bzw. 10. Auflage erschienen sind, spricht viel dafür, dass sie ihren Platz in der Bücherlandschaft gefunden haben. Und so ist es auch bei
den beiden Büchern von Hillenkamp, sie sind beliebter Begleiter von Jurastudenten bei Strafrechtshausarbeiten und Klausurvorbereitung, aber auch Professoren wurden
schon mit einem dieser Bücher in Lehrveranstaltungen gesehen. Der Autor bereitet in den beiden Bänden zum Strafrecht AT und BT die typischen Meinungsstreits auf, die jeder
Student parat haben sollte, nicht nur, wenn er in den zweistelligen Punktebereich gelangen möchte. Jedem Problem werden ein Beispielsfall und eine kurze Einführung in die
praktische Relevanz des Streitstands vorangestellt. Anschließend präsentiert Hillenkamp die gängigen Theorien mit ihren Argumenten und Vertretern, bevor anhand
weiterer Beispiele das Wissen nochmals verinnerlicht wird. Der jeweilige Streitentscheid bleibt dem Leser überlassen.
Allgemeiner Teil
Der Band zum Strafrecht AT umfasst insgesamt 32 Probleme, angefangen von den Vorsatztheorien und dem Grad des Willenselements bis hin zur Frage, ob bei Fahrlässigkeitstaten
die Haftung durch das Dazwischentreten eines Dritten ausgeschlossen ist. Besonders ausführlich behandelt Hillenkamp die Meinungsstreits im Bereich von Täterschaft und
Teilnahme. Bei der Behandlung von Tatherrschaftslehre und Animus-Theorie wird auch sichtbar, dass der Verfasser innerhalb der Argumente Querverweise zur jeweils anderen
Theorie – Kritik und Gegenargumente – verdeutlicht. Gerade diese Gedankengänge sind für den Studenten sehr hilfreich, weil sie Lücken in den einzelnen Argumenten
aufzeigen, an denen man auch in der Hausarbeit für die eigene Stellungnahme ansetzen kann. Weitere bearbeitete Probleme sind z.B. der Anstiftervorsatz des agent
provocateur oder die Auswirkung eines error in persona beim Haupttäter auf den Anstifter. Bei diesen "klassischen" und immer wieder gern geprüften Streits werden
als Beispiele auch die Klassiker-Entscheidungen – hier der "Hoferbenfall" des BGH – herangezogen. Schließlich seien aus diesem Band noch der Streit über das
unmittelbare Ansetzen beim Unterlassungsdelikt oder die verschiedenen Theorien zum Erlaubnistatbestandsirrtum genannt. Insgesamt kann festgestellt werden, dass
Hillenkamp alle wichtigen Probleme des AT abdeckt, die in Klausuren versteckt sein können.
Besonderer Teil
Die Meinungsstreits im Besonderen Teil sind den Studenten häufig nicht ganz so "in Fleisch und Blut übergegangen" wie die AT-Probleme. Hillenkamp hat sich insgesamt
40 Probleme herausgesucht und sie – geordnet nach Straftaten gegen Persönlichkeitswerte, gegen die Allgemeinheit und gegen Vermögenswerte – wie oben dargestellt
aufbereitet. Als erstes Problem wird das zwischen Rechtsprechung und Literatur umstrittene Verhältnis von Mord und Totschlag analysiert, welches vor allem für die Anwendung
den § 28 StGB von Bedeutung ist. Des Weiteren wird die Opferperspektive bei der Freiheitsberaubung betrachtet, die Frage der Drohung mit einem Unterlassen ohne Bestehen
einer Rechtspflicht bei der Nötigung diskutiert oder die spätere Verfälschung einer Urkunde durch den Aussteller untersucht. Im Bereich der Eigentums- und Vermögensdelikte
widmet der Autor sich der Sachwert- und Substanztheorie bei der Zueignungsabsicht in § 242 StGB, der Sachbeschädigung ohne Substanzverletzung, dem Vermögensbegriff beim
Betrug sowie der Notwendigkeit des Absatzerfolgs bei der Hehlerei. Auch im BT umfasst das Buch von Hillenkamp somit die wichtigsten Probleme aus Klausuren und
Hausarbeiten.
Gesamteindruck:
Die beiden Bücher von Hillenkamp sind aus der studentischen Bibliothek nicht mehr wegzudenken. Die Verweise auf Literatur und Rechtsprechung bei den einzelnen
Theorien sind zwar noch mit recht "alten" Vertretern bestückt, da die Streits größtenteils schon Jahre und Jahrzehnte alt sind, aber auch neuere Urteile wurden
eingearbeitet. In den nächsten Auflagen sind noch die Neuauflagen der Reihe Prüfe Dein Wissen, die jetzt von Kudlich übernommen wurden, zu berücksichtigen,
noch werden die Bände von Blei zitiert, was damit zusammenhängt, dass die aktuellen Bücher von Hillenkamp vor denen von Kudlich erschienen sind. Alles
in allem stellen die beiden Bände in vorzüglicher Weise die gängigen Meinungsstreits im Strafrecht in einer umfassenden und anschaulichen Art und Weise dar, wie sie der
Student nirgends anders präsentiert bekommt.
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