Jurawelt

Artikel 8941
Alexander Otto
08.03.2004

Brilliante Analyse der aktuellen Probleme rund um das Strafrecht

Eine Rezension zu:

Klaus Bensmann / Hans Joachim Hirsch / Günter Kohlmann / Thomas Weigend / Michael Walter (Hrsg.)

Entwicklungen und Probleme des Strafrechts an der Schwelle zum 21. Jahrhundert


Reihe Kölner Kriminalwissenschaftliche Schriften Band 44

Duncker & Humblot, Berlin 2004, 167 Seiten, 58,- €
ISBN 3-428-11324-1

http://www.duncker-humblot.de


Band 44 der Kölner Kriminalwissenschaftlichen Schriften stellt eine Bereicherung für die strafrechtliche Literatur dar. Dieser Band ist einer Ringvorlesung des Strafrechtslehrerinnen und -lehrer an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln aus dem Wintersemester 2001/2002 entsprungen. Die insgesamt elf Beiträge sind in die drei wichtigsten Felder des Strafrechts aufgeteilt. So werden der Bereich der Strafverfolgung und der Kriminalpolitik abgedeckt, aber auch kriminalrechtliche Konzepte diskutiert.

Thematisch wird das Buch dem Titel voll und ganz gerecht. In allen drei Bereichen wird eine Auswahl der wichtigsten Probleme des Strafrechts "an der Schwelle zum 21. Jahrhundert" beleuchtet. Dabei geht es nicht nur um Probleme, die in der aktuellen Vergangenheit aufgetreten sind, sondern auch um Themenbereiche, die schon länger in der rechtlichen und rechtspolitischen Diskussion eine Rolle spielen. Die Themen reichen vom Völkerstrafrecht, dem konsensualen Vorgehen im Strafverfahren, über die Untreue "als Allzweckwaffe", Anmerkungen zum Fall Reemtsma, bis hin zu den Problemen der Kriminalprognose – um nur eine Auswahl der elf Themen zu nennen.

Ungewöhnlich mag auf den ersten Blick der Stil der einzelnen Beiträge sein, der dieses Buch aber um so interessanter macht. Alles ist im Vortragsstil gehalten. Das lässt die Beiträge wesentlich lebhafter wirken als so manches gutes Lehrbuch, das rein theoretisch und eher "trocken" formuliert ist. Aber damit werden die Beiträge nicht nur lebhafter. Der "eingefleischte" Strafrechtler wird von den teilweise grotesken Zuständen im Strafrecht erfasst und von der Thematik insgesamt begeistert.

Die aufgeworfenen Fragen und dargestellten Probleme werden zwar nicht immer vollständig beantwortet und gelöst, aber Lösungsansätze und der Anreiz sich mit der Thematik weitergehend zu beschäftigen werden allemal gegeben. Die Sammlung dieser wirklich gelungenen Beiträge ist auch für alle diejenigen gut geeignet, die mit dem Gedanken einer Promotion mit strafrechtlichem Thema spielen, aber bis jetzt noch kein Thema gefunden haben. Anreize für Dissertationsthemen gibt dieses Werk wirklich in ausreichendem Maße.

Bei einem recht hohen Preis von 58 € dürfte man allerdings eine etwas ansprechendere Gestaltung erwarten. Der Inhalt trägt dem Preis aber Rechnung. Zwar eignet sich das Buch preislich nicht für jeden Studenten, sollte aber in keiner guten Bibliothek fehlen, so dass auch letztgenannte Zielgruppe Zugriff auf dieses lesenswerte Werk haben kann.

Gesamteindruck:
Der auf den ersten Blick ziemlich hoch erscheinende Preis wird durch den Inhalt vollständig gerechtfertigt. Auch wenn die gestalterische Aufmachung eher langweilig wirkt, brilliert dieses Buch bei der vielseitigen Analyse der Probleme des Strafrechts "an der Schwelle zum 21. Jahrhundert", die mit vielen Beispielen und Zahlen aus der Praxis gespickt ist.





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