Jurawelt

Artikel 7927
Susann Seifert

Guter Einstieg in Geschichte des deutschen Strafrechts

Eine Rezension zu:

Hinrich Rüping / Günter Jerouschek

Grundriß der Strafrechtsgeschichte


4. Auflage

C.H. Beck, München 2002, 147 Seiten, 16,50 €
ISBN 3-406-49878-7

http://www.beck.de


Das vorliegende Buch der JuS-Schriftenreihe aus dem Verlagshaus C.H. Beck skizziert die wichtigsten Entwicklungen des Strafrechts von der germanisch-fränkischen Zeit bis zur Gegenwart. Die Verfasser machen den Lesern von vornherein deutlich, dass es sich um einen ersten Überblick über den Quellen- und Forschungsstand zu den einzelnen Epochen handelt. Die Darstellung der Strafrechtsgeschichte auf 147 Seiten, wenn auch nur in Grundzügen, ist eine große Herausforderung. Dem Umfang nach wurde sich auf das Wesentliche beschränkt. Der interessierte Leser findet jedoch zu Beginn der einzelnen Themen zahlreiche weiterführende Literaturangaben, um gemessen an den eigenen Wünschen ein Stoffgebiet zusätzlich zu vertiefen, so dass das Werk als Grundlage und Recherchehilfe für jede wissenschaftliche Arbeit von Nutzen sein kann. Auch die am Anfang des Buches befindliche Gesamtdarstellung über die Strafrechts- bzw. Rechtsgeschichte in Europa sei jedem Rechts(un-)kundigen für eine intensivere Einarbeitung empfohlen.

Der Schwerpunktsetzung entsprechend knapp, aber dennoch übersichtlich, sind die Ausführungen zu den einzelnen Epochen. Der Autor beginnt mit einer Betrachtung der frühesten Wurzeln des Rechts und weist auf die Beschreibungen des Tacitus in dessen "Germania" hin, die ganz allgemein, wenn auch nicht als falsch, so doch als von einem bestimmten subjektiven Blickwinkel aus zu beurteilen sind, wenn man Aussagen über die Zeit der Germanen treffen will. Im darauf folgenden Abschnitt erschließt sich dem Leser sogleich das Basiswissen rund um die germanisch-fränkische Zeit sowie alles Bedeutsame des öffentlichen und materiellen Strafrechts des hohen und späten Mittelalters. Daran anschließend wird von der Rezeption des römischen Rechts ausgehend das Strafrecht bis hin zur Aufklärung besprochen. Beachtung erfährt ferner die Epoche der Weimarer Republik. Abgerundet wird das Buch mit den Entwicklungen im Bereich des Strafrechts seit 1945.

Besonders gelungen ist meiner Einschätzung nach die etwas ausführlichere Behandlung der Constitutio Criminalis Carolina sowie der Hexenprozesse, was angesichts ihrer jahrhundertelangen Bedeutung in Europa nur gerecht ist.

Gesamteindruck:
Trotz des eher sehr plötzlichen Einstiegs bei dem der Leser buchstäblich "ins kalte Wasser geworfen wird", gibt dieses Buch einen verständlichen und gut gelungenen Einblick in die Entwicklung des Strafrechts. Um sich einen schnellen Überblick über wichtige historische Ereignisse im Bereich des materiellen Strafrechts, des Verfahrensrechts und des Strafvollzugs zu verschaffen, ist das Buch Grundriß der Strafrechtsgeschichte gleichermaßen für Jurastudenten in den Anfangssemestern als auch für Studenten der höheren Semester geeignet. Wegen seiner Übersichtlichkeit und Prägnanz ist es aber gleichfalls für jeden Interessierten im Hinblick auf die Geschichte des deutschen Rechts ein Muss. Aber Achtung: für die Wahlfachgruppe sollte das Buch nur zur Einarbeitung genutzt werden. Zur Vertiefung eignen sich die dort angegebenen Literaturhinweise nach eigener Erfahrung hervorragend.





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