Das lang erwartete Buch "Klausurenkurs im Strafrecht II" von
Werner Beulke, Professor an der Universität Passau, komplettiert die Klausurenkurs-Trilogie im
Strafrecht. Bereits
Band I und
Band III werden von einer breiten
Leserschaft geschätzt, die sich entweder auf die ersten Strafrechtsklausuren ihres Studiums oder auf das Examen vorbereiten. Der zweite Band schließt die Lücke und bietet
eine Vorbereitung für die mittleren Semester an. Die Zielgruppe sind vornehmlich Kandidaten von Strafrechtsübungen, aber auch alle anderen, die im Lösen von Fällen
erfahrener werden wollen. Dabei ist zu beachten, dass das Buch nicht nur ein reines Fallbuch ist. Es bietet darüber hinaus auch die Möglichkeit zur Repetition abstrakter
Probleme oder Definitionen.
Der Band besteht aus zwei Kapiteln: Das erste enthält neun Klausuren aus der Fortgeschrittenenübung. Dabei liegt der Schwerpunkt selbstverständlich auf dem für die
Strafrechtsübung relevanten Besonderen Teil des Strafrechts, wobei auch der Allgemeine Teil in die Fälle miteingebaut ist. Die Anzahl der behandelten Probleme ist mit 39 aus
dem Besonderen und 13 aus dem Allgemeinen Teil sehr hoch. Dabei werden alle Tatbestände, die Teil der Übung werden können, angesprochen. Neben den Tötungsdelikten –
hier z.B. das Verhältnis von § 212 zu § 211 StGB – wird dem Diebstahl besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Vertiefte Kenntnisse zu § 242 StGB, zu seinen Regelbeispielen
und seinem Verhältnis zu anderen Tatbeständen sind wegen der hohen Relevanz gerade in der Fortgeschrittenenübung von großem Nutzen. Auch Straßenverkehrsdelikte, wie § 315 c
StGB, sind Teil der Fälle und werden in den Lösungen ausführlich besprochen, so z.B. die Frage, ob eine Einwilligung des Opfers in die Gefährdung des Straßenverkehrs bei §
315 c StGB rechtfertigend wirkt oder bereits die Dispositionsbefugnis fehlt.
Die jeweiligen Sachverhalte sind durch Seitenumbruch optisch von den Lösungen getrennt. Anschließend folgt eine übersichtliche Gliederung, in der der Fall schematisch gelöst
wird. Damit lässt sich auch bei schwierigeren Konstellationen leicht ein guter Gesamtüberblick erhalten. Anschließend folgt die ausführliche Lösung des Falles, die durch
kleinschrittige Überschriften gut gegliedert ist. Die Besonderheit in den Klausurenkursen von
Werner Beulke liegt darin, dass die Probleme zunächst einmal abstrakt
in sich vom Text abhebenden grau hinterlegten Kästchen besprochen werden. Die einzelnen Ansichten – mit Angaben von deren jeweiligen Vertretern – werden, mit
Argumenten versehen, gegenübergestellt. Damit ist ein schnelles Wiederholen kurz vor Klausuren sehr gut möglich, ohne den gesamten Fall noch einmal durchgehen zu müssen.
Nach der Lösung sind die im Fall maßgebenden Definitionen übersichtlich untereinander gedruckt und können auf diese Weise ohne ständiges Blättern gelernt werden. Am Schluss
werden weitere Musterklausuren aus anderen Büchern oder Zeitschriften angegeben, die nach den eben im Fall gelösten Problemschwerpunkten geordnet sind. Durch diese
ausführlichen Angaben erübrigt sich langes Suchen und es können gezielt Klausuren ausgewählt werden.
Das zweite Kapitel beginnt mit einer Auflistung der in den Klausurenkursen I und II behandelten Problemschwerpunkte. Dabei wird nach der Gesetzessystematik geordnet. Die
sich anschließende gleich aufgebaute Tabelle beinhaltet Definitionen. Mit den wichtigsten Aufbauschemata für Falllösungen und einer Auswahl von in Ausbildungszeitschriften
veröffentlichten Klausuren und Hausarbeiten – auf dem Niveau der Fortgeschrittenenübung – endet das Buch.
Gesamteindruck:
Das Buch richtet sich in erster Linie an einen Leserkreis, der sich anhand von Fällen für die Fortgeschrittenenübung im Strafrecht vorbereiten will. Aber das Buch ist bei
weitem nicht nur ein Fallbuch. Durch die abstrakte Behandlung der strafrechtlichen Probleme und den übersichtlichen Abdruck der Definitionen hat dieses Buch auch als
Repetitionsbuch einen sehr hohen Wert. Nach gewissenhaftem Durcharbeiten der Fälle sind die meisten Klausurprobleme nicht mehr neu. Wer sich dennoch unbekannten
Konstellationen gegenüber sieht, kann diese mit dem in dem Klausurenkurs gelehrtem Systemwissen problemlos bewältigen. Ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis und ein sehr
ansprechendes Layout runden das Angebot ab. Zwar lässt sich allein mit dem zweiten Band sehr gut lernen, doch sollte man zur umfassenden Vorbereitung im Strafrecht –
dem eigenen Studienabschnitt entsprechend – auch mit dem ersten und dritten Band arbeiten. Diese Klausurenkurs-Trilogie ist in jedem Fall – gleichgültig ob
Anfangssemester, Fortgeschrittenenübung oder Examen – eine exzellente Vorbereitung.