Mit dem Strafrechtsposter „Die Grundstruktur der Straftat (I)“ hat Akad. Dir. Dr. Bindzus aus Saarbrücken eine unerwartete Form gewählt, um den Studenten den
Aufbau der Deliktstypen näherzubringen. Dieses Poster enthält die verschiedenen Begehungs- und Unterlassungsdelikte und deren Prüfung im Gutachten. Demnächst ist eine
Fortsetzung mit der Teilnahme-, Irrtums- und Konkurrenzlehre geplant.
Von der Struktur her orientiert sich Bindzus am dreistufigen Deliktsaufbau, d.h. es finden sich tabellarisch von links nach rechts die verschiedenen Deliktstypen, die dann
von oben nach unten in Tatbestandsmäßigkeit, Rechtswidrigkeit und Schuld erläutert werden. Ergänzung findet sich durch eine Einführung zur Anwendung des deutschen
Strafrechts sowie zum Begriff der Handlung.
Inhaltlich versucht der Autor, möglichst umfassende Informationen zu bieten. Zunächst sei die Fülle der Deliktstypen zu erwähnen, hier wird zwischen Begehungs- und
Unterlassungsdelikten unterschieden. So geht Bindzus z.B. auch in einer separaten Spalte auf die Vorsatz-Fahrlässigkeitsdelikte ein und handelt diese nicht einfach im
Fahrlässigkeitsdelikt mit ab.
Auf der Ebene des Tatbestands, welche die Hälfte des Posters ausmacht, erhält der Leser einen Einblick in viele AT-Probleme. Von der Kausalität über die Vorsatzformen und
Irrtümer im subjektiven Tatbestand bis hin zu den einzelnen Garantenpflichten, dem tatbestandsausschließenden Einverständnis oder der Versuchsprüfung findet man wirklich
alles, was auch die Lehrbücher behandeln. Bindzus führt Definitionen und Abgrenzungen sowie Erläuterungen der einzelnen Tatbestandselemente auf, kann aber natürlich nicht
auf Theorien und Meinungsstreits eingehen. Weiterhin finden sich zahlreiche Aufbau- und Prüfungshinweise.
Rechtswidrigkeit und Schuld sind dagegen knapper gefaßt. Auf die Rechtsfolgen des Eingreifen eines Rechtfertigungsgrundes wird ebenso hingewiesen wie auf das Problem, ob
subjektive Rechtfertigungselemente vorliegen müssen. Anschließend werden die wichtigsten Rechtfertigungsgründe kurz erläutert. In der Schuld geht der Autor auf
Schuldfähigkeit, besondere Schuldmerkmale sowie das Unrechtsbewußtsein ein und führt markante Unterschiede zwischen den einzelnen Deliktsarten auf. Hervorzuheben ist hier
die ausführliche Erläuterung der actio libera in causa.
Schließlich macht Bindzus auf dem unteren Teil des Posters Ausführungen zu den objektiven Bedingungen der Strafbarkeit, persönlichen Strafausschließungs- und
Strafaufhebungsgründen sowie Strafverfolgungsvoraussetzungen. Auch ein Literaturverzeichnis mit Strafrechts-Lehrbüchern und Fallanleitungsbüchern findet noch seinen
Platz.
Der Umfang der Informationen ist ein Grund für die Größe des Posters. Die Dimensionen des Posters sind auch ein gewisser Nachteil dieser Lernmethode. Während man ein
Lehrbuch bequem in die Tasche stecken und überall aufschlagen kann, ist das Poster mit seinen Ausmaßen von über einem Meter Höhe schon unpraktischer. Möglich ist allerdings,
sich das Poster in seiner Studentenbude aufzuhängen, wenn auch das Nachlesen durch die relativ kleine Schrift ein wenig Mühe macht. Weiterhin ist es vorstellbar, daß sich
die Poster in juristischen Bibliotheken gut eignen würden. Dort könnte man dann in Ruhe sich sein genaues Problem heraussuchen, in den Deliktsaufbau einordnen und für die
genauen Theorien und Meinungsstreits gleich das passende Lehrbuch zurate ziehen.
Bleibt zu sagen, daß die Inhalte des Posters "Die Grundstruktur der Straftat (I)" zum Verständnis des Verbrechensaufbaus hilfreich sind, aber das Format dieses Lernmittels
ist doch etwas ungewohnt.
Hinweis: Auszüge aus dem Poster „Die Grundstruktur der Straftat (I)“ haben wir in unserer
Skriptenrubrik als
pdf-Dateien veröffentlicht.