Jurawelt

Artikel 2312
Stefanie Samland

Umfangreiche Übersichten zum Deliktsaufbau

Eine Rezension zu:

Dieter Bindzus

Die Grundstruktur der Straftat (I)
Strafrechts-Poster


135 x 82 cm, 18,- DM


Mit dem Strafrechtsposter „Die Grundstruktur der Straftat (I)“ hat Akad. Dir. Dr. Bindzus aus Saarbrücken eine unerwartete Form gewählt, um den Studenten den Aufbau der Deliktstypen näherzubringen. Dieses Poster enthält die verschiedenen Begehungs- und Unterlassungsdelikte und deren Prüfung im Gutachten. Demnächst ist eine Fortsetzung mit der Teilnahme-, Irrtums- und Konkurrenzlehre geplant.

Von der Struktur her orientiert sich Bindzus am dreistufigen Deliktsaufbau, d.h. es finden sich tabellarisch von links nach rechts die verschiedenen Deliktstypen, die dann von oben nach unten in Tatbestandsmäßigkeit, Rechtswidrigkeit und Schuld erläutert werden. Ergänzung findet sich durch eine Einführung zur Anwendung des deutschen Strafrechts sowie zum Begriff der Handlung.

Inhaltlich versucht der Autor, möglichst umfassende Informationen zu bieten. Zunächst sei die Fülle der Deliktstypen zu erwähnen, hier wird zwischen Begehungs- und Unterlassungsdelikten unterschieden. So geht Bindzus z.B. auch in einer separaten Spalte auf die Vorsatz-Fahrlässigkeitsdelikte ein und handelt diese nicht einfach im Fahrlässigkeitsdelikt mit ab.

Auf der Ebene des Tatbestands, welche die Hälfte des Posters ausmacht, erhält der Leser einen Einblick in viele AT-Probleme. Von der Kausalität über die Vorsatzformen und Irrtümer im subjektiven Tatbestand bis hin zu den einzelnen Garantenpflichten, dem tatbestandsausschließenden Einverständnis oder der Versuchsprüfung findet man wirklich alles, was auch die Lehrbücher behandeln. Bindzus führt Definitionen und Abgrenzungen sowie Erläuterungen der einzelnen Tatbestandselemente auf, kann aber natürlich nicht auf Theorien und Meinungsstreits eingehen. Weiterhin finden sich zahlreiche Aufbau- und Prüfungshinweise.

Rechtswidrigkeit und Schuld sind dagegen knapper gefaßt. Auf die Rechtsfolgen des Eingreifen eines Rechtfertigungsgrundes wird ebenso hingewiesen wie auf das Problem, ob subjektive Rechtfertigungselemente vorliegen müssen. Anschließend werden die wichtigsten Rechtfertigungsgründe kurz erläutert. In der Schuld geht der Autor auf Schuldfähigkeit, besondere Schuldmerkmale sowie das Unrechtsbewußtsein ein und führt markante Unterschiede zwischen den einzelnen Deliktsarten auf. Hervorzuheben ist hier die ausführliche Erläuterung der actio libera in causa.

Schließlich macht Bindzus auf dem unteren Teil des Posters Ausführungen zu den objektiven Bedingungen der Strafbarkeit, persönlichen Strafausschließungs- und Strafaufhebungsgründen sowie Strafverfolgungsvoraussetzungen. Auch ein Literaturverzeichnis mit Strafrechts-Lehrbüchern und Fallanleitungsbüchern findet noch seinen Platz.

Der Umfang der Informationen ist ein Grund für die Größe des Posters. Die Dimensionen des Posters sind auch ein gewisser Nachteil dieser Lernmethode. Während man ein Lehrbuch bequem in die Tasche stecken und überall aufschlagen kann, ist das Poster mit seinen Ausmaßen von über einem Meter Höhe schon unpraktischer. Möglich ist allerdings, sich das Poster in seiner Studentenbude aufzuhängen, wenn auch das Nachlesen durch die relativ kleine Schrift ein wenig Mühe macht. Weiterhin ist es vorstellbar, daß sich die Poster in juristischen Bibliotheken gut eignen würden. Dort könnte man dann in Ruhe sich sein genaues Problem heraussuchen, in den Deliktsaufbau einordnen und für die genauen Theorien und Meinungsstreits gleich das passende Lehrbuch zurate ziehen.

Bleibt zu sagen, daß die Inhalte des Posters "Die Grundstruktur der Straftat (I)" zum Verständnis des Verbrechensaufbaus hilfreich sind, aber das Format dieses Lernmittels ist doch etwas ungewohnt.

Hinweis: Auszüge aus dem Poster „Die Grundstruktur der Straftat (I)“ haben wir in unserer Skriptenrubrik als pdf-Dateien veröffentlicht.





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