Dipl.-Kfm. Christoph Menzel
System statt Chaos!
Eine Rezension zu:
Preißer, Michael
Die Steuerberaterprüfung, Band 1 bis 3
1. Auflage 2002
Schäffer Poeschel Verlag, Stuttgart 2002, Euro 210,00
ISBN 3-7910-1846-9
http://www.schaeffer-poeschel.de
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Der Herausgeber des im Schäffer Poeschel Verlags erschienenen dreibändigen Werkes "Die Steuerberaterprüfung" ist kein geringerer als Professor
Preißer, der seit 1995 an der Fachhochschule Nordostniedersachsen in Lüneburg am Fachbereich Wirtschaftsrecht Steuer- und Wirtschaftsprivatrecht lehrt (insb. Recht
der Unternehmensbesteuerung). Als Steuerberater arbeitet Prof. Preißer in Hamburg seit 1997 in der Kanzlei Graf von Westphalen Bappert & Modest. Für die
Erstellung des Werkes konnte der Herausgeber namhafte Mitautoren gewinnen.
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Vor diesem Hintergrund erwartet der Interessierte von den drei Bänden, welche zudem in der Reihe "Die Steuerberaterprüfung" erschienen sind, mehr als nur ein auf
wissenschaftlichem Niveau abgehandeltes Fachbuch. Für die vom Käufer aufzubringenden 210,00 Euro darf man auch entsprechende Qualität erwarten – um es vorweg zu
nehmen, der Herausgeber und mit ihm die Bearbeiter werden der Erwartungshaltung des Käufers in jeder Hinsicht gerecht.
Gleich von Anfang an rückt der Leser in die Stellung eines Mitarbeiters, dem der Herausgeber Fälle zur selbständigen Bearbeitung überträgt. Hierdurch bestätigt sich wieder
der von Konfuzius geprägte Ausspruch: "Nur das selbst Erstellte und nicht das Gehörte oder Gelesene trägt zum Verständnis bei".
Zu den Bänden im einzelnen:
Das Gliederungskonzept der drei Bände lehnt sich exakt an die Vorgaben zur Steuerberaterprüfung an. Band 1, Ertragsteuerrecht, behandelt in vier Teilen das
Einkommensteuer-, das Gewerbesteuer- sowie das Internationale Steuerrecht. Bei der Darstellung des Einkommensteuerrechts erfolgt die Vermittlung des Stoffes derart, dass
unter Einkommensteuer I – Kernbereiche – zunächst Grund- und Strukturfragen bei der Einkommensteuer erläutert werden. Im Anschluß daran werden die
Überschusseinkünfte sowie die Gewinneinkünfte in extenso erläutert. Korrespondierend zu den einzelnen Einkunftsarten werden die "Tatbestände", die zur Erzielung der
Einkünfte aufgewendet werden müssen, Werbungskosten (WK) bzw. Betriebsausgaben (BA), unter der gemeinsamen Überschrift "Erwerbsaufwand" (= erwerbssichernder Aufwand)
erläutert. Danach erfolgt eine Darstellung der Sonderausgaben/außergewöhnlichen Belastungen, die weder WK noch BA darstellen, aber trotzdem in gewissen Grenzen Einfluß auf
den Gesamtbetrag der Einkünfte (GdE) haben. Gesetzessystematisch gesehen handelt es sich bei den Sonderausgaben um Aufwendungen für die private Lebensführung und dürften
gem. § 12 EStG unter das Abzugsverbot fallen. Der Gesetzgeber hat aber den Abzug gem. § 2 Abs. 4 EStG, wohl aus sozialmotivierten Gründen, zugelassen.
Unter Einkommensteuer II (Teil B) – Übergreifende Komplexe – werden losgelöst von einzelnen Einkunftstatbeständen Probleme im Einkommensteuerrecht
angesprochen, die in den gesetzlichen Bestimmungen eher stiefmütterlich behandelt werden und, nebenbei bemerkt, nicht unerhebliche Auswirkungen im Hinblick auf die
Besteuerung haben können. Dies sind im einzelnen der Drittaufwand, Nießbrauch/Treuhand sowie die Angehörigenverträge.
Im Teil C dreht sich alles um die Gewerbesteuer. Diese für die Gemeinden wichtige Einnahmequelle wird völlig ausreichend auf ca. 50 Seiten erläutert. Die Gewerbesteuer ist
eine der im Hinblick auf Struktur und Ablauf der Besteuerung verständlichsten Steuerarten.
Teil D und damit auch der letzte Teil des ersten Bandes beschäftigt sich mit dem Internationalen Steuerrecht, welches Prüfungsgegenstand in der Steuerberaterprüfung ist.
Das Internationale Steuerrecht bekommt im Zuge eines sich nicht mehr nur auf den nationalen Raum beschränkten wirtschaftlichen Handelns (Nutzung des zwischen den einzelnen
Staaten bestehenden Steuergefälles) eine immer größere und damit auch gewichtigere Rolle. Die Regelungen des Außensteuergesetzes kommen zur Anwendung. Schmidt, ehemals
Leiter der Außensteuerprüfung an der OFD München, kommentiert dieses schwierige Rechtsgebiet und schafft es auf überzeugende Weise, Verständnis, mitunter sogar Sympathie,
beim "Mitarbeiter" hervorzurufen/zu gewinnen.
Band 2 thematisiert das Unternehmenssteuerrecht und Steuerbilanzrecht. Teil A beleuchtet alle Facetten der Besteuerung des Einzelunternehmers, die Verschiedenartigkeit der
Gewinnermittlungsarten, Einnahmeüberschussrechnung versus Betriebsvermögensvergleich und zeigt in schematischen Übersichten Abweichungen bei der Bilanzierung von
verschiedenen Rechtsformen auf. Die Darstellung wichtiger Aktivposten bzw. Passivposten erfolgt dezidiert und lässt keine Wünsche offen. Die Erläuterungen orientieren sich
primär an der gesetzlichen Ausgestaltung. Herausgeber und Autoren des zweiten Bandes vernachlässigen aber nicht die weiteren Quellen (Richtlinien, BMF-Schreiben). Teil B
behandelt die Fragen zur Besteuerung von Personengesellschaften als Mitunternehmerschaften. Dabei werden auch Fragen des Beginns sowie der Beendigung einer
Personengesellschaft problematisiert. Teil C und D behandeln inhaltlich das Körperschaftsteuerrecht sowie das an Bedeutung gewinnende Umwandlungssteuerrecht. Überzeugend
ist die Verzahnung der einzelnen Teildisziplinen miteinander. Ausdruck findet diese Interdisziplinarität z.B. in Verweisungen auf das Gesellschaftsrecht oder aber
Erbrecht.
Im Band drei dieser "Trilogie" wird der Mitarbeiter von Preißer an das Verfahrensrecht, Umsatzsteuerrecht und Erbschaftsteuerrecht herangeführt. Letzteres gewinnt
insbesondere durch die aktuelle Entwicklung im Steuerrecht – geplante Erhöhung der Erbschaftsteuer und Streichung der Verrechenbarkeit geerbter Verluste – an
Bedeutung. Auch hier wird, getreu dem oben zitierten Motto von Konfuzius, der Mitarbeiter zum selbständigen Arbeiten angehalten.
Das Werk von Preißer "Die Steuerberaterprüfung" vereint in drei Bänden den kompletten Stoff, den ein Kandidat in der schriftlichen Prüfung zum Steuerberaterexamen
beherrschen muß. Preißer und den übrigen Autoren ist mit ihrem Erstlingswerk "Die Steuerberaterprüfung" ein großer Schritt in Richtung Systematisierung des leider nach wie
vor fast undurchschaubaren deutschen Steuerrechts gelungen. System statt Chaos – so und nicht anders lassen sich die drei Bände charakterisieren. Das Werk besticht
durch die außerordentliche Gabe aller Mitwirkenden zu einer sprachlich prägnanten und leicht verständlichen Ausdrucksweise. Zusammen ist ihnen ein Werk gelungen (im
Hinblick auf die derzeit aktuelle Literatur zur Vorbereitung auf die Steuerberaterprüfung), an dem sich nachfolgende Veröffentlichungen messen lassen müssen.
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