Susann Seifert
31.05.2004
Ein Standardwerk
Eine Rezension zu:
Hartmut Maurer
Staatsrecht I
3. Auflage
C.H. Beck, München 2003, 811 Seiten, 21,50 €
ISBN 3-406-50805-7
http://www.beck.de
Das vorliegende im Beck-Verlag im Jahre 2003 herausgegebene Buch "Staatsrecht I" ist ein weiterer Band aus der bekannten Reihe Grundrisse des Rechts. Autor dieses
Buches ist Hartmut Maurer. Ein anderes bereits in der 14. Auflage von ihm veröffentlichtes Buch mit dem Titel "Allgemeines Verwaltungsrecht" avancierte zu einem der
Klassiker in der Ausbildungsliteratur schlechthin. Seinen Kinderschuhen schon entwachsen, ist das Werk "Staatsrecht I" auf dem besten Wege seinem großen Bruder in nichts
mehr nachzustehen. Inhaltlich setzt sich das bereits in der 3. Auflage erschienene Werk mit den Grundlagen, den Verfassungsorganen und den Staatsfunktionen
auseinander.
Das Lehrbuch ist insgesamt in fünf große Komplexe mit jeweils eigenen Unterabschnitten gegliedert. Ausgangspunkt der Darstellungen sind zunächst das Staats- und
Verfassungsrecht, gefolgt von historischen Grundlagen zur Entstehung des Grundgesetzes. Dem schließt sich zum einen ein Abschnitt über die europäische Integration und zum
anderen ein Überblick über die Regelungen des Grundgesetzes an. Schwerpunktmäßig beschäftigt sich der Autor im zweiten Komplex mit dem Demokratie-, Rechtsstaat-,
Bundesstaats- und Sozialstaatsprinzips. Weiterhin gibt es eine kurze Vorstellung der Grundrechte, insbesondere deren Systematik und Inhalt, ihr Rechtscharakter, ihre
Funktionen, ihr Schutzbereich und ihre Schranken. Unmittelbar, bevor es zu Komplex Nummer drei übergeht, werden außerdem die politischen Parteien mit den ihnen zugewiesenen
Aufgaben, Rechten und Pflichten sowie deren Stellung in der verfassungsmäßigen Ordnung eingehend näher betrachtet.
Der dritte Komplex widmet sich der Verfassungsorganisation. Beschrieben werden hier vorab die Bedeutung der Gewaltenteilung und deren Verwirklichung im Grundgesetz. Sodann
befasst sich Maurer mit den Rechten und Pflichten von Bundestag, Bundesregierung, Bundespräsident und Bundesrat. Im weiteren Verlauf des Buches erfolgen im vierten
Komplex Ausführungen sowohl zur Gesetzgebung, der Exekutive, der Rechtsprechung und Gerichtsbarkeit als auch zur Verfassungsgerichtsbarkeit. Nicht zu kurz kommen gleichfalls
Erläuterungen zum Finanz- und Haushaltswesen. Der letzte Komplex wendet sich thematisch dem Schutz der Verfassung zu, sprich, welcher Voraussetzungen es bei einer
Verfassungsänderung und inwiefern es der Sicherung der freiheitlich demokratischen Grundordnung bedarf.
Alles in allem lässt sich das Buch angesichts des fesselnden Schreibstils von Maurer sehr gut lesen. Die Sprache ist einfach und flüssig, so dass man die über 800
Seiten schneller gelesen hat, als es zuvor den Anschein erweckte. Aufgelockert werden die Betrachtungen durch viele Fälle, Beispiele und Erklärungen zu wichtigen
Entscheidungen des BVerfGs. Übersichten gibt es, wenn auch nur vereinzelt, dafür ist die Auswahl an Literaturempfehlungen aber umso größer ausgefallen.
Gesamteindruck:
Kurzum, Maurer hat es geschafft, mit großem didaktischem Geschick seinen Lesern ein ausgesprochen umfassendes und gleichzeitig gut zu erarbeitendes Werk als Begleiter
beim Studium der Rechtswissenschaften mit auf den Weg zu gegeben. Aufgrund des Umfangs wirkt das Lehrbuch zunächst für den Studenten eher abschreckend. Dennoch sollte es in
keinem Bücherregal fehlen, denn durch einen übersichtlichen und klaren Aufbau sowie die leichte Verständlichkeit vermittelt der Verfasser Kenntnisse und Grundlagen im
Bereich des Staatsrechts, die für das weitere Studium vonnöten sind. Das Buch ist gleichermaßen für Anfänger, Fortgeschrittene und Examenskandidaten geeignet. Der Erwerb
kann uneingeschränkt empfohlen werden. 21,50 € bei einer Buchstärke von über 800 Seiten sind ein mehr als nur moderater Preis für ein unverzichtbares Buch, welches zu
Recht als Standardwerk seinen Platz in jeder studentischen Hausbibliothek finden sollte.
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