Ronald Moosburner
08.01.2005
Fallstudie für Fans
Eine Rezension zu:
Falk van Helsing
Der Fall Larry Popper
Juristisches Gutachten über die Umtriebe zaubernder Jugendlicher
Eichborn, Berlin 2004, 119 Seiten, 7,95 €
ISBN 3-8218-4899-5
http://www.eichborn.de
Der schon länger unter dem Pseudonym Falk van Helsing humoristisch tätige Autor hat – nachdem er bisher vorzugsweise die Theken juristischer Fachbuchhandlungen mit
dünnen Kauf-mich-schnell-noch-Paperbacks beglückt hat – nun endlich seine wahre Bestimmung gefunden. In einer Geschichte um Phantasiegeschöpfe und Menschen mit
magischen Gestalten sollten die Wurzeln seines eigenen Bastlernamens hervortreten – ist van Helsing doch von keinem geringeren als Bram Stoker als genialer Professor
und Vampirjäger erschaffen worden. Der Schalk van Helsing begnügt sich jedoch in diesem Büchlein mit reichlich Anlehnung an einen einschlägigen Abenteuerroman und setzt
einzelne Szenen einer eingehenden gutachterlichen Prüfung hinsichtlich der Strafbarkeit der beteiligten Personen aus.
Dem nicht einschlägig belesenen Konsumenten bleibt allerdings der Zugang zu den einzelnen Prüfungsabschnitten des Gutachtens oft verschlossen. Gerade die parodistischen
Einlagen sind für sich schwer nachvollziehbar, und es darf bezweifelt werden, dass sich der unbefangene Leser ohne größere Not mit der Frage auseinandersetzen möchte, ob ein
hingezauberter Schweineschwanz das Erscheinungsbild eines Menschen in erheblicher Weise dauernd entstellt (§ 226 Abs. 1 Nr. 3 Var. 1 StGB). Die Idee als solche erschöpft
ihre Kraft leider bereits nach einigen Seiten und nur wahre Fans magischer Personen oder magischer Strafrechtskünste werden die erforderliche Neugier aufbringen, das Buch
ganz durchzuarbeiten.
Fazit:
Das Büchlein mag für Fans magischer Abenteuerromane ganz lustig sein, und deren Zahl ist bekanntlich immer noch im Steigen begriffen. Wer sich diesem Trend widersetzt, wird
aber sicher anderswo mehr Lesefreude finden.
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