Thilo Schulz
06.11.2004
Buch zum Mitmachen
Eine Rezension zu:
Alexander Jürries
Anpacken statt Aufschieben
Das Trainingsbuch
1. Auflage
Haufe, Freiburg 2004, 228 Seiten, 19,80 €
ISBN 3-448-06190-5
http://www.haufe.de
Alexander Jürries widmet sich in seinem Trainingsbuch einem Problem, das sicher jeder bei sich selbst von Zeit zu Zeit beobachtet: Man lässt unangenehme Aufgaben liegen,
drückt sich vor schwierigen Entscheidungen und gestaltet deshalb Veränderungen nicht aktiv mit, sondern wird von der Entwicklung überrollt.
Problem erkannt, Gefahr gebannt? Auf diese Verhaltensmuster trifft das leider meistens nicht zu. Der Vorsatz, beim nächsten Mal rechtzeitig zu handeln und aktiv zu werden,
bevor sich die zu bewältigenden Aufgaben wieder bis zur Decke stapeln, wird selten in die Tat umgesetzt. Die Erkenntnis der eingefahrenen Bahnen des eigenen Verhaltens ist
zwar der erste Schritt. Eine Änderung ist aber nur durch Arbeit (!) an sich selbst und tägliches Üben möglich.
Alexander Jürries gibt den Lesern konkrete Hinweise, wie sie den "inneren Schweinehund" leichter überwinden. Dabei holt er jeden Leser dort ab, wo er gerade steht. Schon
dadurch hebt sich das Buch wohltuend von anderen Selbst- und Zeitmanagement-Ratgebern ab. Jürries will keine Patentrezepte gegen die "Aufschieberitis" geben, sondern den
Leser vielmehr zur kritischen Reflexion des eigenen Verhaltens in seiner konkreten Situation und zur aktiven Mitarbeit anregen.
Das beginnt schon im ersten Kapitel, in dem der Autor dem Leser durch ein kleines Gedankenspiel vor Augen hält, welcher Aktionstyp er ist. Das Szenario spielt auf einer
kleinen Insel, auf der der Leser gestrandet ist. Er findet einige Gegenstände. Dann soll er spontan beantworten, welche der möglichen Aktionen er wählen würde, etwa Feuer
machen, Insel erkunden, um Hilfe rufen etc.
Aus den Antworten lassen sich Rückschlüsse darauf ziehen, nach welchem Muster der Leser in seinem Leben bei der Lösung von Problemen handelt. Allerdings wird keine der
möglichen Varianten als vor- oder nachteilhaft dargestellt. Denn jeder hat seine eigene Herangehensweise an die Probleme des Alltags und komplexe Fragestellungen. Dabei
haben die verschiedenen Aktionstypen jeweils eigene Stärken und Schwächen, die Jürries gut darstellt.
Von Anfang an wird der Leser so mit der Grundidee des Buches vertraut gemacht. Es soll zwar durchaus theoretisches Wissen vermittelt werden. Dieses soll der Leser aber durch
kleine Übungen sofort anwenden und Stück für Stück in sein Alltagsleben integrieren. Die Lösungshinweise zu den Übungen kann man dann im Anhang des Buches
nachschlagen.
Neben konkreten Hinweisen, wie man die für sich wirklich wichtigen Ziele finden und erreichen kann, erhält man ein taugliches Instrumentarium, um auch mit den Hindernissen
auf dem Weg zum Ziel umgehen zu können. Dieser "Werkzeugkoffer" umfasst allgemeine Strategien des Zeit- und Selbstmanagements, etwa richtiges Setzen von Prioritäten oder
(maßvolle) Planung von komplexen Aufgaben. Daneben stellt Jürries unter anderem Imaginationstechniken vor, die beim Angstabbau helfen. Ein Kapitel beschreibt den richtigen
Umgang mit Konflikten. Wichtig ist auch das Training der Fähigkeit, aus Fehlern wirklich zu lernen. Aufbauende Worte erhält der Leser, bevor er in den Alltag entlassen wird:
Das letzte Kapitel heißt sinnigerweise "Wie Sieger handeln".
Gesamteindruck:
Das Buch von Alexander Jürries kann eine echte Hilfe für jeden sein, der es leid ist, Dinge ständig aufzuschieben. Gerade Studenten, die mit der Zeiteinteilung nicht
zurechtkommen, kann es ausdrücklich empfohlen werden. Mit Gewinn wird das Buch allerdings nur der verwenden, der nicht nur den Text konsumiert, sondern zur aktiven Mitarbeit
bereit ist. Das kann durchaus harte Arbeit sein, gilt es doch, die bequemen ausgetretenen Pfade des eigenen Verhalten hinter sich zu lassen und neue Wege zu suchen. Die
19,80 € sind sicher eine gute Investition.
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