Jurawelt

Artikel 8813
Anne-Cathrin Wiesner
05.02.2004

Biographien bedeutender Juristen

Eine Rezension zu:

Stefanie Langer

Rechtswissenschaftliche Itinerarien

Lebenswege namhafter europäischer Juristen vom 11. bis zum 18. Jahrhundert

Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt/M. 2000, 245 Seiten, 46,- €
ISBN 3-631-36342-7

http://www.peterlang.de


Recht wird heutzutage vorrangig als nationale Angelegenheit betrachtet und die Vereinheitlichung der Rechtsordnungen innerhalb der Europäischen Union, genauer eine Angleichung zur Aufrechterhaltung der Funktionstüchtigkeit des Gemeinsamen Marktes, stellt die europäischen Politiker häufig vor Probleme, da die Staaten um ihre Souveränität fürchten, wenn sie gewisse Gesetzgebungsbefugnisse verlieren und die nationale Rechtsordnung von außen verändert wird. Dies war allerdings nicht immer so, Recht wird erst seit der Aufklärung als Teil der nationalen Identität angesehen. Das vorliegende Werk will verdeutlichen, dass der Gedanke einer einheitlichen Rechtsordnung nicht erst seit Gründung der EG existiert, sondern bereits im Mittelalter bekannt war und erst im Laufe der Zeit in Vergessenheit geriet. Die Entwicklung dieser einheitlichen Ordnung und die wichtigsten Rechtsgelehrten in diesem Zusammenhang hat die Autorin zusammengetragen, ihr Buch ist eine Dissertation zur Erlangung der Doktorwürden, und erscheint in der Rechtshistorischen Reihe des Peter Lang Verlages.

Das Werk ist in 4 große Abschnitte unterteilt, beginnend mit der sog. Schule der Glossatoren über die Kommentatoren und die humanistischen Rechtsgelehrten des 16. Jahrhunderts bis hin zu den Naturrechtlern der 17. und 18. Jahrhunderts. Nach einer allgemeinen Einführung in das entsprechende Kapitel – welche die grundlegende Entwicklung bis hin zu der jeweiligen Epoche nachzeichnet und die Anfänge kurz umreißt – folgen chronologisch sortiert Biographien der wichtigsten Vertreter der Ära, anschließend wird kartographisch das Schaffen der Juristen dargestellt und den Abschluss bildet jeweils eine Auswertung. Die Auswahl der Rechtsgelehrten beschränkt sich auf wenige, dies liegt zum einen darin begründet, dass neben den erwähnten vier Strömungen auch andere Schulen existierten, die aber weniger Einfluss auf die gesamteuropäische Entwicklung hatten und diese daher keine Beachtung finden konnten; zum anderen musste eine Auswahl getroffen werden, da die Zahl der namhaften Juristen fast unüberschaubar groß ist und eine wirkliche Abgrenzung als "Rechts"gelehrter erst nach dem Zeitalter der Universalgenies wirklich Sinn macht.

In allen vier Kapiteln werden die wichtigsten Quellen zu Lebensdaten und Wirkungsort analysiert und interpretiert. Besonders zu den Glossatoren (von den Randbemerkungen an juristischen Texten, die man Glossen nannte) ist das hauptsächlich Gesagte etwas zu den Vermutungen über Herkunft und Wirkungsort. Dies liegt vermutlich daran, dass die Schule der Glossatoren auf das 12. Jahrhundert datiert und wenige genaue Quellen existieren, zudem viele Nachweise gewisse Widersprüche erzeugen. Je später die Fundstellen datieren, umso konkreter geht die Autorin auch auf das konkrete Schaffen der Gelehrten ein, schildert deren Ansichten kurz und zeigt die Auswirkungen dessen auf die gesamte Rechtswissenschaft.

Das Buch macht recht schnell deutlich, wie es möglich war, dass auch Juristen früher länderübergreifend forschen und lehren konnten, da gut nachvollziehbar dargelegt wird, wie wenig Unterschiede es regional gab. Sichtbar wird dadurch auch, warum das römische Recht Grundlage der Kontinentalrechtsordnungen ist, denn der Einfluss der italienischen Schule ab dem 14. Jahrhundert führte zur Verbreitung jenes Rechtes. Das Werk ist sehr ansprechend geschrieben, liest sich am Anfang etwas komplizierter, da dort besonderer Wert auf die Bewertung der Quellen zu legen war. Ein wirklich interessanter geschichtlicher Abriss.
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