Thomas Franosch
Hilfestellung beim alltäglichen Brief
Eine Rezension zu:
Ute Mielow-Weidmann / Paul Weidmann
Formulieren und korrespondieren im Beruf
mehr Erfolg durch Sprach- und Schreibkompetenz
1. Auflage
Dr. Th. Gabler Verlag, Wiesbaden 1998, 320 Seiten, 20,90 €
ISBN 3-409-19752-4
http://www.gabler-online.de
An die alltägliche berufliche Korrespondenz werden Anforderungen gestellt, die über die richtige Rechtschreibung weit hinausgehen. Ein umfangreiches Sprachverständnis, die
grammatikalisch richtige Formulierung und die optische Textgestaltung sind dabei nur die grundlegenden Voraussetzungen für einen Geschäftsbrief. So ist auch die treffende
Formulierung zu finden, die Korrespondenz zu rationalisieren oder ein Protokoll zu erstellen. Die im Berufsalltag auftretenden Anforderungen an die Korrespondenz legen die
beiden Autoren in drei Teilen dar.
Dabei behandelt der erste Teil die Kultivierung der eigenen Sprache. Dem Leser wird so das Handwerkszeug für den perfekten Brief noch einmal nahe gebracht. Der Abschnitt des
Buchs beginnt mit einer Kritik an der sog. neuen Rechtschreibung, in die der Leser sogleich eingeführt wird. Zunächst widmen sich die Autoren der Sprache als solcher und
gehen auf die unterschiedlichen Formen ein. Zur Veranschaulichung des Ausgeführten tragen die vielen - auch negativen - Beispiele bei. Ein besonders überzeugendes Beispiel
ist dabei eine abgedruckte "Festrede für alle Gelegenheiten" (S. 28), die eindrucksvoll aufzeigt, wie man mit vielen Worten nichts sagen kann. Weiter wird in diesem Teil auf
Grammatik, ausgewählte Rechtschreibeklippen, Zeichensetzung, Stilkunde und Textformulierungen eingegangen.
Im nächsten Abschnitt des Buches wird die Korrespondenz behandelt. Dabei gehen die Autoren zunächst auf die Rationalisierungsmöglichkeiten beim Schriftverkehr ein. Auch die
notwendige Form und Normen eines Briefs werden erklärt. Zwar dürfte es dem Leser bekannt sein, dass es sich beim üblichen Brief um DIN A4 Papier handelt, die Gestaltung
stellt viele Verfasser jedoch vor größere Hürden. Noch schwieriger wird es bei den Titeln. Die Autoren zeigen auf, wie verschiedene Titel in der Anrede anzuwenden sind. Der
Blick in diese Übersicht wird eher selten notwendig sein, doch gerade die Anrede eines Kardinals oder Abts dürfte nicht durchgängig geläufig sein. Dabei beschränkt sich die
Auflistung auf kirchliche und Adelstitel. Bei der Formulierung des eigentlichen Briefs können die angewandten Textformulierungen weiterhelfen, die aufgezeigt werden. Die
Formulierungshinweise sind auf die unterschiedlichen Gründe für die jeweilige Korrespondenz abgestellt. In diesem Rahmen ist auch eine Einführung in die bei
Arbeitszeugnissen verwendete Sprache zu finden.
Auf den letzten 34 Seiten wird das Anfertigen von Protokollen behandelt. Anhand der hilfreichen Hinweise dürfte so die Erstellung eines jeden Protokolls gelingen.
Insbesondere ein schneller Blick auf die Beispiele dürfte im Berufsalltag schnell zum gewünschten Erfolg führen.
Insgesamt hinterlässt das Buch einen guten Eindruck, wenn es auch an der einen oder anderen Stelle etwas altbacken wirkt. So wird die Kommunikation via e-Mail nicht mit
einem Wort erwähnt. Dass sich inzwischen die Währung und Rechtslage (siehe Ausführungen S. 261) geändert haben, ist aufgrund des Erscheinungsdatums selbstverständlich. Eine
beigelegte CD mit Formulierungs- und Gestaltungsvorschlägen sucht der Leser leider vergeblich. Derjenige, der in der deutschen Sprache vollständig sattelfest ist, dürfte
sich die ersten 174 Seiten eher gelangweilt ansehen. Wer dies aber nicht ist und regelmäßig über Formulierungen grübelt, dem kann die Ausgabe der 20 Euro für dieses Buch ans
Herz gelegt werden.
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