Ralf Hansen
Ein aktueller Überblick über die
betriebswirtschaftliche Gründungsforschung
Eine Rezension zu:
Hans Corsten (Hrsg.)
Dimensionen der Unternehmensgründung.
Erfolgsaspekte der Selbständigkeit
Erstauflage
Erich-Schmidt-Verlag, Berlin 2002, 413 S., 49,80 €
ISBN 3-503-07002-8
http://www.erich-schmidt-verlag.de
Die Gründungsforschung hat sich als Querschnittsdisziplin in den Wirtschaftswissenschaften zwar leider noch nicht völlig etabliert, zeitigt jedoch interessante Ergebnisse.
Dies gilt um so mehr nachdem insbesondere die Politik Unternehmensgründer als Hoffnungsträger in wirtschaftlich tristen Zeiten zunehmend entdeckt und unter bestimmten
Voraussetzungen auch fördert. Ziel des Bandes ist eine Bestandsaufnahme zur Gründungsforschung aus wissenschaftlicher Sicht, der sich an einen weiten Leserkreis,
insbesondere selbstredend an Unternehmens- und Existenzgründer richtet. Wissenschaftliche Befassung anstelle oberflächlicher Beschäftigung kann diesem Thema angesichts
vieler blumiger Ankündigungen aus dem politischen Bereich nur förderlich sein. Gerade für Existenzgründer kann dieses Buch daher eine fundierte Planungs- und
Entscheidungsunterstützung darstellen. Ohnehin setzen Gründungsentscheidungen eine eingehende Befassung mit dem Thema “Unternehmensgründung” voraus.
In innovativen Unternehmensgründungen wird derzeit der Schlüssel zum Abbau der Arbeitslosigkeit gesehen, nachdem insbesondere große Unternehmenseinheiten weniger investieren
und zu Massenentlassungen und Betriebsstillegungen schreiten, die zudem noch von den Börsen euphorisch begrüßt werden. Der Sammelband versucht die ökonomischen und
juristischen Probleme, die Chancen und Risiken sowie die Erfolgs- und Mißerfolgsfaktoren systematisch zu analysieren. Der Informationsgehalt des Bandes ist bereits deshalb
so hoch, weil die verschiedenen Autoren den Gegenstand unter sehr unterschiedlichen Aspekten “anschneiden”, so daß insgesamt ein Übersicht über den aktuellen
Stand der Gründungsforschung entstanden ist, die - soweit ersichtlich - derzeit schwer zu finden ist.
Der Herausgeber untersucht die Determinanten der Gründungsentscheidung anhand empirischer Befunde. In diesem Zusammenhang thematisiert er Grundfragen der Gründungsforschung
sowohl anhand von Rahmenbedingungen, Gründungsaktivitäten und Gründungserfolg. Die empirische Analyse beruht auf einer Auswertung von 65 Fragebögen von Teilnehmern an
Existenzgründungslehrgängen an der Universität Kaiserslautern und der Universität des Saarlandes (versandt wurden 238 Fragebögen; so daß eine erfreulich hohe Rücklaufquote
von fast 30% vorliegt). Insbesondere das vorhandene “Überangebot” an Gründungsförderung wurde von vielen Teilnehmern als weitgehend intransparent bewertet. Diese
seit langem bekannten Schwachstellen zu beseitigen, scheint die öffentliche Hand indessen immer noch nicht geneigt zu sein. Insbesondere das Gründungsklima wurde in den
Tendenz als sehr “neutral” beurteilt, nicht zuletzt angesichts schwer kalkulierbarer rechtlicher Grundlagen in Perspektive, bei weitgehend intransparenter
Förderlandschaft. Dieser Befund sollte Anlaß zu weiteren empirischen Erhebungen sein, nicht zuletzt um derzeitige Gründungsbarrieren zukünftig soweit wie möglich zu
beseitigen.
Preisendörfer untersucht in seinem sehr lesenswerten Beitrag die Erfolgsfaktoren von Unternehmensgründungen anhand eines “Drei-Phasen-Modells”, das
unternehmungs-, umfeld- und personenbezogene Sichtweisen integriert und zu einer weit optimistischeren Einschätzung führt als es manche “born-to-die-Pessimisten”
erwarten lassen. In einem hoch interessanten Beitrag versuchen Möhrle/Müller die Szenario-Analyse als strategisches Planungselement für die Unternehmensgründung fruchtbar zu
machen. Die Lektüre ist insbesondere vor der Abfassung eines Business-Plans empfehlenswert. Er ist insbesondere auch als erste Einführung sehr lesbar und macht die Umsetzung
anhand der Gründungsplanung für ein Architekturbüro transparent. Kußmaul schildert die Anforderungen an einen Business-Plan, den er mit guten Recht als “Schlüssel zum
Erfolg” bezeichnet. Wer ein Unternehmen gründen will, kommt ohne Business-Plan aus vielfältigen Gründen (Zielbestimmung, Kreditierungsgrundlage, Sollvorhaben für das
Controlling, etc.) nicht aus. Der Verfasser skizziert die grundlegenden Anforderungen an einen “B-Plan” anhand der vier Eckpunkte der Unternehmensdarstellung
(Zielkonzept), der unabdingbaren Marktanalyse, Strategisches Marketing, Finanzplanung und Finanzierung sowie der Unternehmenskontrolle. Damit sind die fünf Eckpunkte
umrissen, deren prägnante Darlegung einen guten Business-Plan ausmachen. Der recht kurze Beitrag kann auch als erste Einführung gelesen werden. Die ausgiebigen
Literaturangaben zu allen Beiträgen ermöglichen es, sich weiter zu orientieren.
Bausch beschäftigt sich eingehend mit Fragen der Standortplanung, die er mit Recht als strategische Führungsaufgabe bezeichnet. Sowohl die theoretischen Grundlagen werden
skizziert als auch die Voraussetzungen für die Einleitung eines Prozesses der Standortplanung entfaltet. Faßnacht/Köse beschäftigen sich mit einem der elementarsten Bereiche
der Unternehmensgründung: “Marketingstrategie und Preisfindung für Unternehmensgründer”. Nichts ist für Unternehmensgründer so elementar wie eine konsequente
Marketingstrategie, die in einem Marketingmix zum Ausdruck kommt, der auf die Sichtweise der potentiellen Kunden abstellen muß. Die Schwierigkeiten einer moderaten
Preisfindung werden hier ausgezeichnet vermittelt. Hölscher beschäftigt sich grundsätzlich mit Finanzierungsfragen. Finanzierungsprobleme sind oftmals die maßgeblichen
Probleme, die sich einer innovativen Unternehmensgründung entgegensetzen, da Kreditinstitute sich bei der Vergabe von “Wagniskapitel” zur Förderung neuer
Unternehmungen - kreditwirtschaftlich durchaus verständlich - sehr zurückhalten und daher Fremdkapital angesichts der meist dürftigen Eigenkapitalausstattung schwer zu
erlangen ist. Eine gewisse Überbrückungsfunktion haben hier öffentliche Förderprogramme (etwa der Deutschen Ausgleichsbank oder der Landesbürgschaftsbanken), die aber i.d.R.
nicht alle Risiken abdecken. Der Beitrag von Link schließt nahtlos an diese Fragen an und stellt die bereits genannten Förderprogramme für Existenzgründer ausführlicher vor.
Es gelingt dem Verfasser das Dickicht der Förderprogramme transparenter zu machen.
Kußmaul/Beckmann gehen in einem interessanten Überblick auf steuerrechtliche Überlegungen im Vorfeld von Unternehmensgründungen ein und schaffen damit ein deutliches
Problembewußtsein. Da diese Aspekte sich mit Fragen der Rechtsformwahl überschneiden, war es nur konsequent diesem interessanten Beitrag einen Beitrag von Lange folgen zu
lassen, der die rechtlichen Aspekte von Unternehmensgründungen behandelt, jedoch neben Aspekten der Rechtsformwahl auch Fragen der Unternehmensübernahme in einem profunden
Überblick erörtert.
Der Beitrag von Reiß/Präuer geht auf Industrieunternehmen als Netzwerkdienstleister am Beispiel der Automobilzulieferindustrie eingehend ein und bietet damit eine
interessante Fallstudie. Feser/Flieger untersuchen in einem sehr lesenwerten Beitrag die Gründungsförderung als regionalpolitisches Instrument. Dies ist gegenwärtig deshalb
besonders interessant, weil nahezu alle Landesregierungen dieses politische Gestaltungsmittel erheblich propagieren und die politische Anspruchserhebung an der Realität zu
messen ist. Die bedarf differenzierter Betrachtung. Sie wird von den Autoren denn auch eingehend vorgenommen, die mit ihrem Beitrag auch einen interessanten Beitrag zur
Politikforschung verfaßt haben.
Es dürfte derzeit keinen aktuelleren und profunderen Überblick über Kernfragen der Gründungsforschung geben als diesen, so daß eine regelmäßige Neuauflage sehr wünschenswert
wäre.
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