Der Herausgeber des Bandes,
Ralf Reichwald, ist Professor und Inhaber eines Lehrstuhls für Allgemeine und Industrielle Betriebswirtschaftslehre an der Technischen
Universität München. Eine Vielzahl von Autoren haben an diesem Werk mitgeschrieben.
Mobile Kommunikation beinhaltet insgesamt 31 unterschiedliche Aufsätze
unterschiedlicher Länge (zwischen zehn bis zwanzig Seiten).
Auf dem Buchrücken finden sich die Worte:
"Die Möglichkeiten der mobilen Kommunikation der Zukunft werden unser Leben völlig verändern." Und weiter heißt es:
"Neue Technologien bilden die Grundlage für die Weiterentwicklung der Informationsgesellschaft, in der mobile Dienste, Transaktionen und Informationsprodukte realisiert
werden, die überall und zu jeder Zeit verfügbar sind. Dadurch eröffnen sich neue Geschäftspotenziale für fast alle Branchen."
Den Rezensenten durchfuhr bei dieser Art der Inhaltsbeschreibung zunächst ein leichtes Zucken. Den gerade zu Beginn des Mobile-Hypes wurde praktisch jeder "Schrott" als Buch
veröffentlicht. Erst in der letzten Zeit hat sich zunehmend die Qualität durchgesetzt, vgl. z.B. die folgenden guten und interessanten Bände:
Diederich/Lerner/Lindemann/Vehlen: Mobile Business (Gabler Verlag, 2001),
Geer/Gross: M-Commerce (Verlag Moderne Industrie, 2001),
Michelsen/Schaale: Handy Business
(Financial Times Prentice Hall, 2002),
Nicolai/Petersmann: Strategien im M-Commerce (Schäffer-Poeschel, 2001),
Silberer/Wohlfahrt/Wilhelm: Mobile Commerce (Gabler Verlag, 2002) und
Zobel: Mobile Business und M-Commerce (Carl Hanser Verlag, 2001).
Der Leser kann aber vollkommen beruhigt sein.
Mobile Kommunikation gehört nicht zu den Büchern, die mit der heißen Nadel gestrickt sind. Vielmehr wird hier dem Leser,
nicht zuletzt aufgrund der umfangreichen Autorenschar, ein breiter Fundus des Wissens geboten.
Der Band ist in sechs große Teile gegliedert. Nach einer kurz gehaltenen Einführung in die mobile Ökonomie (Teil 1) widmet sich Teil 2 den Grundlagen. Ein erster Schwerpunkt
sind dabei die Organisationsveränderungen durch den Mobile Business. Insbesondere welche Wertschöpfungsmodelle und Wirtschaftsgüter in dieser neuen Industrie denkbar sind.
In zwei weiteren Artikeln geht es um die Erfolgsfaktoren und Potentiale der Branche. Gesondert wird hierbei auf die Auswirkungen durch die UMTS-Lizenzvergabe
eingegangen.
Teil 3 beschäftigt sich ausführlich mit der Technologie: Welche technische Infrastruktur steckt dahinter? Welche drahtlosen Übertragungssysteme und Zugangsmedien wird es in
Zukunft geben? Wie wird die Integration von web- und mobilbasierten Diensten aussehen? Welche Kommunikationsplattformen sind denkbar?
Etwas blaß bleibt Teil 4, der sich der rechtlichen Seite verschrieben hat. So wird bei beiden Aufsätzen als Hauptproblem der Datenschutz angesehen. Andere Bereiche, gerade
im Bereich des Urheber-, Marken- und Wettbewerbrechts, werden dagegen gar nicht angesprochen. Unklar ist auch, warum einer der Autoren die Haftung für Weblinks als
spezielles M-Commerce-Problem ansieht, ist dies doch eher in den allgemeinen Bereich des E-Commerce zu verorten.
Teil 5 (Konzeption mobiler Dienste) und Teil 6 (Gestaltung und Umsetzung mobiler Dienste) beinhalten den Hauptanteil des Buches.
In Teil 5 geht es vor allem um die entscheidende Frage, wie man dem Kunden den Nutzen und die Vorteile der M-Dienstleistungen vermitteilt. Die durchgehende Antwort ist hier:
Durch Personalisierung der Inhalte und angebotenen Dienstleistungen. Die Autoren versuchen durchgehend ein Bild des typischen M-Kunden zu entwerfen, in den meisten Fällen
gelingt aber aufgrund der noch geringen demographischen Segmentierung eher nur eine Skizzierung, denn ein vollständiges Bild.
Wurde sich bis zu dieser Stelle im Buch dem M-Commerce eher wissenschaftlich und damit auf abstraktem Niveau genähert, setzt sich der 6. Teil konkret mit den einzelnen
Geschäftsfeldern auseinander. Neun Bereiche (Geoinformationen, ortsbezogene Dienste, Location Based Services, Mobile Security, Mobile Dienste im Auto, Tourismus,
Finanzdienstleistungen, Gesundheitsbereich, sonstige virtuelle Communities) werden angesprochen und erläutert. Trotz der thematischen Praxisnähe erreicht das Werl hier nicht
die Qualität des Bandes
Diederich/Lerner/Lindemann/Vehlen: Mobile Business. Denn neben
dem sehr nüchtern ausgefallenen grafischen Layouts finden sich zwar einige Tabellen, die reichhaltige und abwechslungsreiche Bebilderung des Konkurrenzbandes erreicht das
Produkt jedoch nicht.
Lobenswert ist dagegen der durchgehend wissenschaftlich fundierte Stil und die ausgezeichnete Konzeption. So wird z.B. am Ende eines jeden Aufsatzes auf weiterführende
Literatur verwiesen, so dass der interessierte Leser sich einen vertieften Einblick verschaffen kann.
Gesamteindruck:
Aufgrund des Umfangs des Bandes von annäherend 600 Seiten und einer Vielzahl von Autoren wird sich dem Themengebiet der Mobilen Kommunikation umfangreich und sehr
detailliert genähert.