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Ronald Moosburner

Mehr Flop als top

Eine Rezension zu:

Georg Kretschmann

Faszination Fälschung

Kunst-, Geld-, und andere Fälscher und ihre Schicksale

Parthas Verlag, Berlin 2001, 219 S., 19,50 €

ISBN 3-932529-78-2

Das vorliegende Sachbuch aus dem Parthas Verlag hat sich zum Ziel gesetzt, einige berühmte Fälscherschicksale aus verschiedenen Bereichen vorzustellen, von der geradezu schon traditionellen Kunstfälschung bis hin zur Fälschung in der modernen Medienwelt.

Die Faszination, die häufig für die Allgemeinheit von berühmten Fälschern ausgeht, liegt in der ungewöhnlichen Kombination von krimineller Energie mit eigenem künstlerischen Talent, sozusagen im außerordentlich hohen stilistischen Niveau, auf dem der Betrug stattfindet. Zudem greift oft genug der Robin-Hood-Effekt, denn häufig genug sind es gute Künstler, denen selbst Anerkennung versagt worden ist, die ihr Aufbegehren gegen die etablierte Kunstwelt durch aufsehenerregende Fälschungen und Betrügereien signalisieren und damit zu heimlichen Helden für andere kleine Leute werden, die sich vom Leben benachteiligt fühlen.

Im vorliegenden Buch bietet Georg Kretschmann einen umfangreichen Geschichtenschatz aus den Bereichen Kunstfälschung, Geld- und Dokumentenfälschung, Literarische Fälschung sowie Medienfälschung. Die meisten Geschichten spielen um die Mitte des 20. Jahrhunderts, und dem Autor ist es oft durch lange Gespräche mit Protagonisten der Geschichten gelungen, zahlreiche reizvolle Einzelheiten ans Licht zu bringen. Sehr interessant sind auch die Kapitel über staatlich organisierte Geldfälschungen, die zur Bereicherung des eigenen und zum Schaden anderer Staaten unternommen wurden. Die Weichen wären also eigentlich gestellt für ein spannendes und unterhaltsames Sachbuch, zumal der Autor auf dem Gebiet der Fälschungen schon seit Jahren umfangreiche Recherchen angestellt hat und u.a. Dokumentationsfilme über das Thema schon in den 80er Jahren im DDR-Fernsehen gezeigt hat.

Leider bleibt es aber bei der Weichenstellung, darüber hinaus erschöpfen sich dagegen die positiven Seiten des Buches sehr rasch. Insbesondere die stilistische Gestaltung verdient ganz nachhaltige Kritik, und zwar selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, daß an Sachbücher kaum jemals hohe literarische Ansprüche gestellt werden mögen. Denn was der Autor hier abliefert, ist ein Sammelsurium aus Fakten, Zeitzeugenberichten und Vermutungen, all dies garniert mit gefühlsdusseligen Stellungnahmen zu einzelnen Geschehnissen. Die Geschichten wirken wahllos zusammengeschustert, der Autor springt in nahezu jedem Absatz in eine andere Stilrichtung, und der Weg von der Reportage über den Bericht zum Epos und wieder zurück wird in jeder Geschichte mühelos gleich mehrmals zurückgelegt. Zeitsprünge erschweren das Verständnis zusätzlich, und über all dem schwebt ein unfreiwillig komisches Pathos, das sich kaum einmal in einer brauchbaren Pointe entlädt. All dies zerstört das großartige Potential der Geschichten, nimmt ihnen jede Wirkung, weder Spannung noch Faszination werden aufgebaut. Schlimmer noch: Oft genug verstellt die mißlungene Darstellung dem Leser auch noch den Blick auf Tatsachen, die als solche klar wären. Das ist schade, denn die in mühsamer Kleinarbeit recherchierten Fakten hätten viel mehr hergegeben, allein die Konzeptlosigkeit in der Präsentation entwertet diese Arbeit wieder. Daher wird nur der Leser mit dem Buch etwas anfangen können, der die enthaltenen Fakten exzerpieren will, ohne Wert auf die Darstellung zu legen. Wer höhere Ansprüche hat, wird mit großer Wahrscheinlichkeit enttäuscht werden.
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