Jurawelt

Artikel 5429
Stefanie Samland

Erholung für die Hirnzellen

Eine Rezension zu:

Petra Rigling

Kreatives Denktraining

200 Fitmacher für den Kopf

Eichborn, Frankfurt/Main 2001, 224 S., 13,90 €
ISBN 3-8218-1601-5

http://www.eichborn.de


Einen "Kurzurlaub für gestresste Hirnzellen" verspricht die Autorin Petra Rigling auf der Rückseite ihres Buches "Kreatives Denktraining". Sie hat also nicht den Anspruch, das Gedächtnis des Lesers auf Leistung zu trainieren, wie man es aus dem Titel vielleicht vermutet hätte, sondern will vielmehr dem Leser die Gelegenheit bieten, sein Berufs- und Alltagsleben gestresstes Gehirn zu entspannen.

Da unser Gehirn, anders als technische Geräte, keinen Standby-Modus besitzt, sind Erholungs- und Regenerationsphasen nötig. Gerade die linke Hirnhälfte, die die logisch-sprachliche und analytische Zentrale darstellt, muß desöfteren entlastet werden. Daher richten sich die Aufgaben im vorliegenden Buch vornehmlich an die rechte Hirnhälfte, die für die Kreativität zuständig ist.

Petra Rigling nimmt ihre Leser mit auf eine Reise in die Welt der Gedanken und fordert dazu lediglich einen Stift, gute Laune und die Bereitschaft mitzumachen. Letztere wird dann auch bei jeder der unterschiedlichen Übungen angesprochen, denn nur lesen soll man das Buch nicht!

Wer kennt ihn nicht, den Elefanten, der von einer Boa verschluckt wurde, aus Exupérys "Der kleine Prinz". Diesen Elefanten soll der Leser als erstes malen, und die Autorin bleibt durch Fragen im Gespräch und läßt nicht locker, bis der Elefant gemalt wurde: "Haben Sie Mut, zeichnen Sie den Elefanten in die Boa! Ja, jetzt - das ist bereits ihre erste Aufgabe!" - "Hallo, wo sind Sie?" Nachdem die erste Aufgabe gemeistert wurde, folgen einzelne Wort- und Gedankenspiele rund um den Elefanten, die wiederum Kreativität und Phantasie fordern.

Das weitere Buch besteht ausschließlich aus Übungen. Von Warteräumen mit markierten besetzten Plätzen, die man sich merken muß, über Geisterhotels, in denen man Türen anmalen und sich diese ebenfalls auf der nächsten Seite wieder ins Gedächtnis rufen soll, bis hin zu Geschichten, Labyrinthen und Mini-Kunstwerken - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Am Ende hält der Leser ein Unikat in den Händen, sein selbst gestaltetes Kreativitätsbuch.

Die Aufgaben sind amüsant beschrieben und mal einfach, mal schwieriger. Durch die vielen Wiederholungen - einzelne Übungen werden genauso mit einer höheren Anzahl von Merkposten wiederholt, andere ähneln stark vorangegangenen Aufgaben - neigt der unkreative Leser allerdings schnell dazu, aus Langeweile aufzugeben. Dennoch sind gerade diese wiederkehrenden Gedankenmuster nötig, um den Kopf die Chance zu geben, sich voll auf die Übungen zu konzentrieren und dem Alltag zu entfliehen.

Fazit::
Wer sich auf die Reise einläßt und ohne viel nachzudenken seiner Kreativität freien Lauf läßt, wird die von der Autorin beabsichtigten Resultate erreichen und sich fit wieder neuen Denkherausforderungen stellen können. Aber das Buch erfordert diese Bereitschaft, sich "fallen zu lassen".
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