Der Autor ist beruflich bei der
Boston Consulting Group tätig und berät dort insbesondere Unternehmen aus dem Bereich des E-Commerce und der Neuen Medien.
Das Buch beschäftigt sich mit einem der derzeit interessantesten IT-Themen: Der Zukunft der mobilen Kommunikation. Alleine ein Blick auf die nackten Fakten lässt schon
aufhorchen: Schon heute gibt es mehr Handys als Festnetztelefone.
Im Gegensatz zu
"E-Business im Vertrieb" von Brandstetter / Fries kann
Zobel mit keinem derart stringenten und
leicht nachvollziehbaren Konzept aufwarten. Auch die grafische Umsetzung ist nicht annähernd so gut gelungen. Was das Buch aber dennoch von der breiten Masse hervorstechen
lässt, sind die besonderen Lese-Möglichkeiten. Zum einen bietet der Autor ein Express-Reading an, d.h. bestimmte Text-Passagen sind markiert und geben den Kern des Buches
wieder, so dass der Leser sich innerhalb von weniger als 2 Stunden grundlegend informieren kann. Zusätzlich befindet sich am Ende der meisten Kapitel und Unterabschnitte
eine Fazit-Box. Sie enthält - zusammengefasst - die wichtigsten Aussagen. Daneben existieren sog. Think-Textboxen, die den Leser durch Fragen zur Ausarbeitung der eigenen
E-Business-Strategie anregen sollen.
Zobel beginnt das Buch im Plauderton, indem er einen kurzen Tagesablauf in der nahen Zukunft erzählt. Ein wenig macht er sich dabei über den ganzen Hype und
Zukunftswahn lustig, was auf den Leser sehr erfrischend wirkt.
Dann versucht er sich in der Begriffsbestimmung von "M-Commerce", versagt aber kläglich. Gerade die aufgezeigte Abgrenzung zum E-Commerce ist wenig überzeugend und auch
nicht nachvollziehbar. Hier zeigt sich eine kleine Schwäche des Autors: Immer dann, wenn es gilt, (streng) wissenschaftlich zu arbeiten, weist die Darstellung Defizite auf.
Dies schlägt sich auch im Literaturverzeichnis nieder, in dem er z.T. nur sich selber zitiert oder nicht veröffentlichte Studien. Zugleich zeigt dies aber auch, was die
Stärken des Autors sind: Die Schilderung und Analyse der praktischen Vorgänge. Dies wird sich noch weitaus deutlicher unten zeigen.
Wie widersprüchlich z.T. die Sprache des Marketings generell ist, soll ein kleines Beispiel zeigen. So betont
Zobel ausdrücklich, dass er den Begriff "M-Commerce" bei
seiner Darstellung vermeiden will, zugleich findet sich dieser aber sogar im Buchtitel wieder ;-)
Der Autor schildert die Zukunftswachsen der mobilen Kommunikation, ist dabei jedoch keineswegs durch irgendeine Euphorie geblendet, sondern überzeugter Realist. So geht er
auch auf die WAP-Enttäuschung und die zugrundeliegenden Ursachen ein. Im weiteren Verlauf erzählt er ausführlich über das Königsbeispiel der mobilen Kommunikation, über
i-mode in Japan. Seit Anfang 2002 vermarktet E-Plus i-mode exklusiv in Deutschland, hat jedoch erhebliche Probleme dabei und musste schon in der Anfangszeit die Preise
senken.
Die Darstellung der i-mode-Story in Japan ist
Zobel außerordentlichen gut gelungen. Er schildert die Ursachen und Gründe für diesen riesigen Erfolg in Japan. Dabei
sind vor allem die Fakten sehr interessant. Bei Beginn der i-mode-Einführung war in Japan das Internet kaum verbreitet, nur ca. 10% der Bevölkerung benutzen dies.
Entsprechend gering waren die Erwartungshaltungen der Kunden hinsichtlich der möglichen Transfervolumen bei i-mode, so dass die Übertragungsraten von 9.6 kbps den einzelnen
vollauf zufrieden stellte. Pionierbenutzer waren dabei vor allem junge Menschen, zur Hälfte fast Frauen. Die Nutzung erfolgte häufig in Nischezeiten, d.h. beim Warten auf
den Zug oder einen Termin usw. Aber auch die Nutzung zu Hause machte einen erheblichen Teil aus. Aufhorchen lässt, dass die Nutzer den Service häufiger am Tag nutzten als
die Möglichkeit zu telefonieren. Über 50% der Zugriffe erfolgte auf Entertainment-Seiten. Schon diese wenigen Beispiele zeigen, dass der Auto! r hier sehr solide
recherchiert hat und in überzeugender Weise die Ereignisse präsentiert.
Auch ist
Zobel nicht so blauäugig, die Erkenntnisse aus Japan auf Europa und die USA im Verhältnis 1:1 übertragen zu wollen. Jedoch fällt seine Analyse letztlich zu
positiv aus. Gerade die Tatsache, dass z.B. die deutschen Nutzer durch DSL inzwischen an größere Transfervolumen und die damit entsprechende hohe Übertragungsqualität
gewohnt sind, stellt einen erheblichen Unterschied zu Japan dar. Freilich, viele Dinge analysiert
Zobel zutreffend. Zum Beispiel, dass der geringe Preis einer der
Erfolgsgründe in Japan war. Und die Trennung von Dienstleister- und Inhalts-Anbieter.
So kommt der Autor auch letzten Endes zu dem zutreffenden Ergebnis, dass in der mobilen Kommunikation gerade im B2B-Bereich schon heute enormes Marktpotenzial steckt, das
der einzelne Unternehmer abschöpfen kann. Im B2C-Bereich dagegen werden noch Jahre vergehen. Die Nutzung wird sich - auch wegen der Kosten - auf einige, wenige Interessierte
begrenzen. Zudem gilt es abzuwarten, welcher Technologie denn die Zukunft gehört: GPRS, i-mode oder UMTS.
Gesamteindruck:
Ein interessantes Buch zu einem aktuellen Thema. Sehr aufschlussreich sind die Ausführungen zum Pionierbereich des i-mode in Japan. Hilfreich ist auch die Möglichkeit des
Express-Reading.